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Das Vorstadttheater zieht umEin Geschenk für die ganze Stadt

Um den neuen Standort des Generationentheaters im Gemeindehaus Oekolampad zu realisieren, wurde diese Woche eigens eine Stiftung gegründet.

Gina Durler und Matthias Grupp vom Vorstadttheater ziehen bald von der «Dalbe» an den Allschwilerplatz.
Gina Durler und Matthias Grupp vom Vorstadttheater ziehen bald von der «Dalbe» an den Allschwilerplatz.
Foto: Stefan Leimer

Pandemie und Baustelle – keine einfache Zeit für das Vorstadttheater. Doch das Leitungsduo Matthias Grupp und Gina Durler macht das Beste draus. Mit schrägem Humor informieren sie auf der Website des Theaters seit dem Lockdown und dem damit einhergehenden Saisonabbruch in einem Kurzfilm über ihre Situation. Doch im Stillstand haben sich die Ereignisse überschlagen, sodass die bahnbrechende Neuigkeit per Notiz aufgeschaltet wurde: Das Theater, das seit 1979 im Haus in der St.-Alban-Vorstadt beheimatet ist, wechselt seinen Standort voraussichtlich per 2023 ins Gemeindehaus Oekolampad, das eigens dafür umgebaut werden soll.

«Das Haus hier in der Vorstadt ist ein geschichtsträchtiger Ort, welcher der Schweizer Kinder- und Jugendtheaterszene eine Identität verliehen hat. Wir werden deshalb voller Freude umziehen, aber diese Wirkungsstätte auch mit etwas Wehmut verlassen», erklärt Durler. Denn das Theater Spilkischte, wie es früher hiess, spielte als erste Institution in der Schweiz ganzjährig ein Programm für Kinder und hat damit Pionierarbeit in dieser Sparte geleistet.

«Das Haus in der Vorstadt ist ein geschichtsträchtiger Ort.»

Gina Durler, Co-Leiterin Vorstadttheater

Grupp und Durler wirken seit 13 Jahren im Vorstadttheater. Sie sprechen lieber von Generationentheater als von Kinder- und Jugendtheater. «Wir konzipieren unsere Stücke so, dass sie für alle Altersstufen funktionieren. Grundsätzlich machen wir das Theater, das wir auch sehen möchten», erklärt Grupp. Das Programm, das aus Eigenproduktionen und Gastspielen besteht, richtet sich sowohl an Privatpersonen unterschiedlichen Alters als auch an Schulklassen. «Dadurch hat sich unser Netzwerk mit der Zeit kontinuierlich vergrössert, und auch die Zuschauerzahlen sind gestiegen», freut sich Grupp.

Dadurch wurde allerdings der Platz knapp. Denn der Theaterraum ist nicht abtrennbar. Er beherbergt ein Foyer mit Bar und die Bühne mit Zuschauerraum, die nur mit Vorhängen voneinander getrennt sind. Eine Probebühne fehlt gänzlich. «Ausserdem ist die eine Garderobe, die wir haben, sehr klein», sagt Durler. Auch dem steigenden Zuschauerinteresse für das Theater, das 90 Plätze anbietet, kann man nicht nachkommen: Für mehr Zuschauer müssten die Gästetoiletten von Gesetzes wegen ausgebaut werden.

Drei Institutionen unter einem Dach

Grupp und Durler, die bei Eigenproduktionen auch selber auf der Bühne stehen, streckten deshalb schon seit geraumer Zeit die Fühler nach neuen Räumlichkeiten aus. Als Glücksfall stellte sich die Verbundenheit Sabine Duschmalés – Angehörige der Oeri-Familie – zum Vorstadttheater heraus. Denn um dem Theater im Gemeindehaus Oekolampad eine neue Heimat zu geben, muss die Liegenschaft zuerst der bisherigen Besitzerin, der Evangelisch-reformierten Kirche Basel-Stadt (ERK) abgekauft und umgebaut werden. Nebst der Bühne soll überdies der Basler Wirrgarten – eine Institution für Menschen mit Demenz – und der Verein Amie, der junge Mütter beim Berufseinstieg begleitet, im denkmalgeschützten Ziegelsteinbau am Allschwilerplatz untergebracht sein. Für diesen Plan hat die Synode der ERK Mitte Juni grünes Licht gegeben.

Duschmalé will die dafür benötigten finanziellen Mittel in Form der gemeinnützigen Stiftung Wibrandis zur Verfügung stellen. Die Stiftung wird eigens zu diesem Zweck gegründet und von Martina Duschmalé präsidiert, welche die Familie vertritt. Geschäftsführer ist der ehemalige SP-Grossrat Tobit Schäfer, der bestens im Kultur- und -Sozialbereich vernetzt ist.

Damit steht das Projekt, aus dem Gemeindehaus ein Kultur- und Begegnungszentrum zu schaffen, auf einer soliden Basis. Die Theaterleute Grupp und Durler sind zwar noch zurückhaltend in ihrer Vorfreude, denn unterschrieben ist noch nichts. Doch beim Blick in die Zukunft geraten sie ins Schwärmen: «Wird der Plan realisiert, ist das ein Geschenk für die ganze Stadt», ist Grupp überzeugt.

Umkämpfte Projekte

Denn abgesehen davon, dass sich ihre Arbeitsbedingungen verbesserten und sie mehr und grössere Produktionen planen könnten, habe das Vorhaben eine langfristige positive Auswirkung auf das schweizerische Kinder- und Jugendtheater-Schaffen. «In vielen Kantonen kämpfen Theaterschaffende teils seit Jahren um ähnliche Projekte. Grund dafür sind oft Sparmassnahmen im Kulturbereich oder politischer Widerstand», weiss Durler.

Das vergangene halbe Jahr stellte für Grupp und Durler ein Wechselbad der Gefühle dar. Nun haben sie doppelt Grund, zuversichtlich in die Theatersaison 20/21 zu starten, die offiziell im Oktober beginnt. «Wir brennen darauf, wieder für unser Publikum zu spielen, darum werden wir bereits im September mit kleinen Produktionen wieder öffnen­», verspricht Durler.