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Fussball in ÖsterreichEin gemeinsamer Feind – eine Liga spaltet sich auf

Nach dem Punktabzug gegen Tabellenführer Linzer ASK ist der Unmut bei den anderen österreichischen Clubs gross. Die Meisterschaft könnte am grünen Tisch entschieden werden.

Der österreichische Tabellenführer LASK hat während der Corona-Pause verbotene Mannschaftstrainings durchgeführt.
Der österreichische Tabellenführer LASK hat während der Corona-Pause verbotene Mannschaftstrainings durchgeführt.
Keystone

Normal sind im österreichischen Fussball derzeit nicht einmal die Momente der Freude. Die Mannschaft des Pokalsiegers Red Bull Salzburg etwa feierte am Freitagabend ihren 5:0-Sieg im Final des ÖFB-Cups gegen den Zweitligisten Austria Lustenau auf einer ausgelegten Plane – mit Markierungen, die den Mindestabstand garantieren sollten.

Mit ausgestreckten Armen jubelten die Salzburger von ihrem Plätzchen aus, winkten den nicht vorhandenen Zuschauern, es war ein mindestens gewöhnungsbedürftiges Bild. Immerhin für ein gemeinsames Foto reichte es am Ende noch, doch auch hier galt das in Österreich virologisch vorgeschriebene Gebot der Stunde: Auf Distanz gehen.

Die österreichische Bundesliga erlebt derzeit die vielleicht distanzierteste Phase ihres Bestehens, was aber weniger an den Einschränkungen zur Virusbekämpfung, sondern vielmehr am Urteil gegen den Linzer ASK vom Donnerstag liegt, das für einige Aufregung sorgt.

«Sechs Punkte sind nicht Fisch, nicht Fleisch. Der LASK hat Gesetze gebrochen.»

Michael Liendl, Captain des Wolfsberger AC

Die Linzer, die verbotenerweise während der Corona-Pause vier Mannschaftstrainings in voller Besetzung durchgeführt hatten, wurden in erster Instanz zu sechs Punkten Abzug und einer Geldstrafe von 75’000 Euro verurteilt. Die Erwartungshaltung der restlichen Liga war eine andere gewesen: Von einer harten Strafe, wie sie im Vorfeld diskutiert worden war, ist das Urteil doch ein ganzes Stück entfernt.

Den Unmut der Bundesliga-Vereine brachte Michael Liendl, Captain des Wolfsberger AC, wohl am besten auf den Punkt. «Sechs Punkte sind nicht Fisch, nicht Fleisch. Der LASK hat Gesetze gebrochen. Ich bin der Meinung, dass so ein Vergehen hätte höher bestraft werden müssen», sagte er der «Kleinen Zeitung». Demgegenüber steht der nach wie vor trotzige und allzu wenig einsichtige LASK, der mit dem Urteil seine Tabellenführung an Salzburg verloren hat und daher umgehend ankündigte, Revision einzulegen.

Eine Meisterschaftsentscheidung am grünen Tisch scheint möglich

Nun beginnt daher ein Lauf durch die Instanzen, der in der österreichische Liga für eine Menge Konfusion sorgen könnte. Die Linzer können nun innerhalb von 14 Tagen ein Protestkomitee anrufen, dessen Urteilsfindung wohl ein bis zwei Wochen dauern dürfte. Danach hätte der LASK noch die Möglichkeit, innerhalb von vier Wochen vor ein Ständiges neutrales Schiedsgericht zu ziehen, das dann wiederum ein bis zwei Wochen Zeit hätte, ein endgültiges Urteil zu fällen.

Daneben soll allerdings auch noch Fussball gespielt werden: Die Saison wird am Dienstag wiederaufgenommen und soll am 2. Juli beendet werden – ob bis dahin ein Urteil feststeht und der Punktabzug gezählt werden kann, ist fraglich.

Eine Meisterschaftsentscheidung am grünen Tisch scheint möglich und sogar recht wahrscheinlich und da es auch hinter Salzburg (24 Punkte) und Linz (21) knapp zugeht, sorgen sich die Österreicher nun vor allem darum, ob die internationalen Plätze für die kommende Saison fair ausgespielt werden können. Die Uefa bleibt vorerst auch beim 3. August als letztem Meldedatum für die Mitgliederverbände. Sollte bis dahin kein Urteil gegen den LASK vorliegen, läge die Entscheidung über internationale Plätze beim Österreichischen Fussballverband.

Den Kredit verspielt

Der LASK hat jedenfalls durch seine Uneinsichtigkeit und die fortwährenden Vorwürfe an die restliche Liga, ebenfalls gegen Massnahmen verstossen zu haben, jeglichen Kredit als aufstrebender Verein verspielt. Aber der gesamte österreichische Fussball zeigt sich kurz vor dem Liga-Neustart von seiner unangenehmsten Seite.

Die teilweise hochklassige sportliche Konkurrenz zwischen Salzburg, Linz und Wien, die in den vergangenen Jahren der Entwicklung der Liga gutgetan hatte, ist längst zu einer Debatte abseits des Platzes geworden, in der die alten Muster wieder hervortreten: Die neureichen, erfolgsverwöhnten Salzburger treffen auf die Traditionsclubs aus Wien – und in den Emporkömmlingen aus Linz, die sich von ihrem Ehrgeiz ins Illegale treiben liessen, finden beide Seiten einen gemeinsamen Feind.

Dass eine Meisterschaftsentscheidung erst weit nach Liga-Ende am grünen Tisch fallen könnte, ist daher nur unter einem Gesichtspunkt wünschenswert: Der Mindestabstand beim Feiern könnte dann auch ohne Plane problemlos eingehalten werden.