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Ausgetrocknete StadtEin Drittel Regen weniger

Bei der Bewässerung von Basels Grünanlagen priorisiert die Stadtgärtnerei die Jungbäume. Langfristig sollen die einheimischen Bäume durch hitzeresistente Arten aus dem Mittelmeerraum ersetzt werden.

Mit Meinrad Gunti, Kreisleiter Ost der Abteilung Grünflächenunterhalt, Stadtgärtnerei Basel beim Ortstermin an der Gundeldingerstrasse.
Mit Meinrad Gunti, Kreisleiter Ost der Abteilung Grünflächenunterhalt, Stadtgärtnerei Basel beim Ortstermin an der Gundeldingerstrasse.
Foto: Nicole Pont

Basel trocknet aus. Die Hitzeperioden folgen immer öfter aufeinander und dauern länger. Das hat Konsequenzen, wie Meinrad Gunti von der Basler Stadtgärtnerei am Dienstagmorgen im Margarethenpark den Medien eindrücklich demonstrierte.

Anhand von zwei quadratischen, etwa 30 Zentimeter tiefen Rasenstichen zeigte er, wie trocken der Basler Untergrund mittlerweile ist. Dank Bewässerung und kürzlichem Regen ist die Erde bis zu einer Tiefe von etwa 25 Zentimetern zwar noch feucht, braun und lehmig. Danach kommt aber eine gelbliche, ausgetrocknete, harte Schicht zum Vorschein, die beim Berühren sofort zerbröselt.

Das dritte Dürrejahr in Folge

Daran ändern auch die intensiven Regenfälle seit Sonntag nichts. «Es hat in den letzten Jahren einfach zu wenig geregnet», wie Yvonne Aellen, Leiterin Grünflächenunterhalt bei der Basler Stadtgärtnerei, erklärt. Noch immer wirke der trockene Sommer 2018 nach», erklärt Aellen. Damals fielen in Basel nur 500 Millimeter Regen. Der normale Jahresdurchschnitt beträgt aber 850 Millimeter. Auch 2019 sei mit 600 Millimetern ein sehr trockenes Jahr gewesen. «Seit Sonntag fielen jetzt 40 Millimeter Regen. Wir sind aber mit 270 Millimetern Mitte 2020 immer noch unter dem langjährigen Durchschnitt», so Aellen. Insgesamt regnet es in Basel rund ein Drittel weniger als früher.

Wegen des Rheins noch nicht beeinträchtigt sei der Grundwasserspiegel. Es bestehe keine Wasserknappheit. Eine direkte Wasserentnahme aus dem Fluss lehnt die Stadtgärtnerei aber ab. Es sei ökologisch wenig sinnvoll, mit Tankwagen durch die Stadt zu fahren.

Derweil zeigt sich die Trockenheit im Stadtbild. Allenthalben sind gelbe, verdörrte Flächen zu sehen, die zum Teil schon an Halbwüsten gemahnen. Diese Flächen seien allerdings oft rund um das Trassee der BVB-Tramlinien zu finden und fielen nicht in die Verantwortung der Stadtgärtnerei, so Yvonne Aellen gegenüber der BaZ. Diese unternehme alles, die Grünflächen und den Baumbestand so zu pflegen, dass dabei keine nachhaltigen Schäden entstünden.

Solche sind bei manchen Bäumen aber schon sichtbar. Der Befall mit Pilzen und Insekten nimmt zu. Wegen der Trockenheit stellen die Bäume den Wasserfluss in Blätter und Äste ein und konzentrieren sich auf das Überleben des Stammes. Als Folge davon fallen die Blätter wie im Herbst. Dazu besteht die Gefahr des Abbruchs von trockenen Ästen. Die Stadtgärtnerei warnt daher mittels Plakaten davor, sich unter älteren, grossen Bäumen mit ausladenden Ästen aufzuhalten. Auch Brandgefahr bestehe, dies trotz intensiver Bewässerung.

Parks sollen grün bleiben

So etwa verspritzt eine Sprinkleranlage auf der 13’000 Quadratmeter grossen Rasenfläche des Margarethenparks einmal pro Woche rund 270’000 Liter Wasser. Bei den Parks sei es das Ziel der Stadtgärtnerei, grüne Anlagen zu erhalten, die der Bevölkerung im Sommer auch Kühle und Schatten spenden. Wiesen und Gehölzsäume würden der Verdorrung überlassen, da sie sich schnell regenerierten.

Erste Priorität hätten aber die rund 2000 Jungbäume in der Stadt. Dabei erfolgt die Bewässerung gezielt. Bei den Jungbäumen setzt man auch auf fest installierte Bewässerungssysteme. Wo dies nicht möglich ist, werden Wassersäcke an die Bäume gehängt.

Schwieriger sei es bei den älteren Bäumen. Deren Wurzeln seien zu tief. «Wir kommen nicht in die Tiefe. Wir können nicht ein paar Hundert Liter Wasser pro Tag zuführen», so Aellen. Solange der Grundwasserspiegel noch hoch sei, würden diese Bäume aber überleben. Da die Stadtgärtnerei wegen des Klimawandels auch künftig mit heissen und trockenen Sommern rechnet, will man langfristig hitzeresistente Baumarten anpflanzen, wie etwa die Steineiche, die Hopfenbuche, die italienische Erle und den Zürgelbaum. Sie alle gedeihen im Mittelmeerraum von Portugal über Süditalien, Griechenland bis in die Türkei. Die immer wieder beschworene Mediterranisierung Basels dürfte also beim Baumbestand voranschreiten.

Im Margarethenpark werden auf 13’000 Quadratmeter Rasen rund 270’000 Liter Wasser gespritzt. Nur so bleibt die Rasenfläche frisch und grün.
Im Margarethenpark werden auf 13’000 Quadratmeter Rasen rund 270’000 Liter Wasser gespritzt. Nur so bleibt die Rasenfläche frisch und grün.
Foto: Nicole Pont 
Unter einer feuchten Schicht Humus kommt der seit Jahren ausgetrocknete Basler Boden zum Vorschein.
Unter einer feuchten Schicht Humus kommt der seit Jahren ausgetrocknete Basler Boden zum Vorschein.
Foto: Nicole Pont
So trocken war der Boden in Basel noch nie, wie die Bodenproben zeigen.
So trocken war der Boden in Basel noch nie, wie die Bodenproben zeigen.
Foto: Nicole Pont
Die Bäume leiden unter der Trockenheit. Manche werden von Pilzen und Parasiten befallen .
Die Bäume leiden unter der Trockenheit. Manche werden von Pilzen und Parasiten befallen .
Foto: Nicole Pont 
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