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Schweizer Meisterschaften in BaselEin bisschen wie früher

Die Leichtathleten trotzen Corona und küren die Besten des Landes. Höhepunkt des ersten Wettkampftages ist der 100-Meter-Sprint, den einmal mehr ein Basler gewinnt.

Führte in Alex Wilsons Abwesenheit die Basler Siegesserie über 100 Meter fort: Silvan Wicki (Mitte).
Führte in Alex Wilsons Abwesenheit die Basler Siegesserie über 100 Meter fort: Silvan Wicki (Mitte).
Foto: Georgios Kefalas (Keystone)

Natürlich sind da die Masken, die das Gesicht jedes Anwesenden verdecken, der nicht gerade um Medaillen springt, rennt oder wirft. Natürlich sind da die Sektoren, die Zuschauer von Athleten und Betreuern trennen. Und natürlich gibt es im weiten Rund mehr Platz als gewohnt, weil neben den maximal 1000 Sportlern und ihrem Staff auch nur maximal 1000 Zuschauer ins Stadion dürfen. Aber am Ende, da erinnert dann doch vieles ans vergangene Jahr, als die Schweizer Meisterschaften ebenfalls im Stadion Schützenmatte ausgetragen wurden. Flutlicht, eine gut gefüllte Tribüne und zum Abschluss des ersten Wettkampftages ein hochstehender 100-Meter-Final, der von einem Basler gewonnen wird. Corona? Kann die Schweizer Leichtathleten nicht stoppen.

Nur der Name des schnellsten Sprinters ist neu. Fünf Jahre hintereinander war Alex Wilson über 100 Meter die Goldmedaille sicher. Doch 2020 liess sich der OB-Athlet an der Leiste operieren und verzichtete auf Wettkämpfe. So ist es an Silvan Wicki, für die obligate Basler Sprintmedaille zu sorgen. 2019 hat er die Meisterschaften in seiner Heimatstadt wegen Pfeifferschem Drüsenfieber verpasst, am Freitag nun erreicht er das Ziel nach 10,18 Sekunden und sichert sich damit seinen ersten Schweizer Meistertitel über die kürzere Sprintdistanz.

Es ist ein weiteres Kapitel in Wickis aussergewöhnlichen Corona-Saison. Schwierige Vorbereitung im Frühling? Abgesagte Wettkämpfe im Sommer? Alles kein Problem für den 25-jährigen Basler. Im Juni senkte er seine Bestzeit über 200 Meter auf 20,45 Sekunden, im Juli liess er über 100 Meter 10,11 Sekunden folgen. Bloss drei Hundertstel trennten ihn von Alex Wilsons Schweizer Rekord. Wicki führte die europäische Saison-Bestenliste zu diesem Zeitpunkt in beiden Sprint-Distanzen an. Er wurde erstmals zu einem Diamond-League-Meeting eingeladen. Seinem langjährigen Konkurrenten Wilson sprach er via «Blick» den Sportsgeist ab und erklärte, dass es nur eine Frage der Zeit sei, bis er den Rekord des früheren Clubkollegen unterbiete werde. Plötzlich war Wicki der Sprinter der Stunde.

Was er nun am Freitag in seinem Heimstadion zeigt, ist total abgeklärt. Vorlauf, Halbfinal, Final – zu keinem Zeitpunkt lässt er die Konkurrenz an eine Siegchance glauben. So überrascht es nicht, dass er nach seinem Triumph sagt: «Ich war den ganzen Tag über sehr locker drauf.»

Kouassi muss zuschauen

Zu einer Überraschung ist es hingegen einige Stunden zuvor im Kugelstossen gekommen: Gregori Ott war fit, nahm am Wettkampf teil – und wurde trotzdem nicht Schweizer Meister. «Das gab es tatsächlich noch nie», sagte der Basler, nachdem er einen Moment überlegt hatte. Zu sehr hatte der 26-jährige OB-Athlet seine Disziplin in den letzten Jahren dominiert. Konkurrenz aus dem eigenen Land? Fehlanzeige. «Eigentlich schön, dass sich dies geändert hat», sagt Ott. «Früher war es ja ab und zu fast etwas langweilig.» Trotzdem sei es bitter, wenn bloss zwei Zentimeter zu Gold fehlen. 17,63 Meter hatte der Berner Stefan Wieland vorgelegt. Ott versuchte zu kontern. Und tatsächlich: Im vierten Versuch segelte die Kugel weit durch die Luft. Doch der Flug endete nach 17,61 Metern. Ott musste sich mit Silber begnügen. Dafür sicherte er sich einige Minute später dank 54,33 Metern die Goldmedaille mit dem Diskus.

Gar keine Medaille gab es für den Favoriten im Dreisprung. Der Basler Carlos Kouassi verpasste es, sich rechtzeitig in die Anwesenheitslisten einzutragen. Da nützten alle Diskussionen mit dem Schiedsrichter nichts: Der frühere OB-Athlet, der seit diesem Frühling für CA Genève startet, musste zuschauen, wie sich der Schaffhauser Simon Sieber Gold sicherte. 15,31 Meter – Kouassi war in dieser Saison bereits 21 Zentimeter weiter gesprungen.

Für die Basler bietet sich heute die Chance, das Medaillenkonto noch etwas zu vergrössern. Jason Joseph (LC Therwil) ist Favorit über 110 Meter Hürden, OB-Athletin Salome Lang im Hochsprung. Und Silvan Wicki könnte über 200 Meter eine zweite Sprint-Goldmedaille gewinnen. Auch etwas, das zuletzt Alex Wilson vorbehalten war.