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Während Schneesturm in TexasEhepaar nimmt gestrandete Lieferdienst-Fahrerin für fünf Tage auf

Die Kurierfahrerin Chelsea Timmons aus Texas wollte einem Ehepaar eigentlich nur schnell ihre Lebensmittel ausliefern, blieb dann aber fünf Tage – und so kam es dazu.

Wenn ein Auto während eines Jahrhundert-Schneesturms eine vereiste Auffahrt hinunterschlittert, kann man nicht davon ausgehen, dass das ein gutes Ende nehmen wird. Es ist der Heimlieferdienst-Fahrerin Chelsea Timmons also kaum zu verdenken, dass sie, als ihr Wagen am vorvergangenen Sonntag im texanischen Austin ins Rutschen geriet, die Augen schloss und betete, nicht ins Haus am Fusse der Einfahrt zu krachen. Die 32-Jährige hatte Glück, weil sie in einem Blumenbeet zum Stehen kam – und das war erst der Anfang.

Timmons war gerade dabei, dem Ehepaar Doug Condon und Nina Richardson ihre Einkäufe nach Hause zu liefern. Es wäre ihre letzte Heimlieferung an diesem Tag gewesen. Und nun stand sie also mit ihrem Auto im Beet der Familie. Das Ehepaar versuchte Timmons’ Toyota Rav4 die Auffahrt hinauf zu stossen, aber er sass fest. Da luden sie die Lieferdienst-Fahrerin ein, in ihrem warmen Haus auf einen Abschleppwagen zu warten. Condon und Richardson hatten eine Woche zuvor ihre erste Corona-Impfung bekommen, waren also nicht sonderlich besorgt, sich anzustecken.

Aus einer Übernachtung wurden fünf

Die drei teilten sich zum Abendessen die Steaks, die Timmons unter anderem geliefert hatte. Nach dem Essen war der Sturm noch immer nicht besser, im Gegenteil, er wurde immer schlimmer. Also blieb Timmons über Nacht. Aus einer Übernachtung wurden am Ende fünf.

Sitzen fest: Zwei Männer aus Austin, Texas, versuchen am 16. Februar 2021, ein Auto aus dem Schnee zu befreien.
Sitzen fest: Zwei Männer aus Austin, Texas, versuchen am 16. Februar 2021, ein Auto aus dem Schnee zu befreien.
Bild: Bronte Wittpenn (AP)
Auf der Suche nach Wärme: Eine Frau und ihre schlafende Tochter ruhen sich am 16. Februar in einem Möbelgeschäft in Houston aus. Der Laden hat Menschen, deren Häuser vom Stromausfall betroffen sind, unter seine Obhut genommen.
Auf der Suche nach Wärme: Eine Frau und ihre schlafende Tochter ruhen sich am 16. Februar in einem Möbelgeschäft in Houston aus. Der Laden hat Menschen, deren Häuser vom Stromausfall betroffen sind, unter seine Obhut genommen.
Bild: David J. Phillip (AP Photo)
Ein Mann flitzt mit seinem Snowboard die Strasse runter. Austin, Texas, 15. Februar 2021.
Ein Mann flitzt mit seinem Snowboard die Strasse runter. Austin, Texas, 15. Februar 2021.
Bild: Jay Janner (AP)
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Timmons schwärmt in einem tausendfach geteilten Facebook-Post über die Grosszügigkeit des Ehepaars. «Jeden Morgen, nachdem sie zu mir sagen «keine Sorge, bleib noch ein bisschen länger», gehe ich ins Gästezimmer und vergiesse Tränen der Freude», schreibt Timmons.

«Wir hatten eine aufregende Woche mit verrücktem Wetter und einem Überraschungsgast», sagte Doug Condon nun dem Sender «CNN». «Insgesamt eine sehr erfreuliche Erfahrung!» Besonders erfreulich für Chelsea Timmons – während sie bei ihren Gastgebern festsass, fiel bei ihr zu Hause tagelang der Strom aus. Sie sei froh, sagt sie nun, «dass ich von allen Einfahrten der Welt ausgerechnet in dieser gelandet bin.»

lif

1 Kommentar
    Andreas Meier-Bommeli

    Solche inspirierenden, herzlichen Geschichten tuen einfach gut.

    Ich bin sicher, dass es noch viel mehr gibt, nur werden sie leider viel zu wenig oft erzählt oder schaffen es zu selten in die Schlagzeilen.

    Ob wir Gutes erfahren oder tun, so schadet es nicht, es mit anderen zu teilen – womit nicht gemeint ist, sich damit hervorzuheben, sondern schlicht Freude zu teilen. Denn ist diese nicht doppelte Freude und geteiltes Leid halbes Leid?

    Statt dessen wird – so scheint es – aus vollem Herzen kritisiert, sich geärgert oder gelästert... was den Ärger und Frust verdoppelt oder vervielfacht.

    Nur – die Frage sei erlaubt – was bringt es, abgesehen davon, dass es kaum etwas verändert und noch weniger Gutes bewirkt.

    In dem Sinne herzlichen Dank an die News Redaktion. Ich freue mich auf weitere positive Nachrichten...