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Wegen NierenschädenEhemaliger Fussballer bekommt Schmerzensgeld vom Club

Ivan Klasnic erhält von seinem früheren Verein Werder Bremen mehr als vier Millionen Euro. Er macht die Clubärzte für seine Nierenschäden mitverantwortlich.

Noch heute täglich auf Medikamente angewiesen: Ivan Klasnic trägt schon die dritte Spenderniere in sich.
Noch heute täglich auf Medikamente angewiesen: Ivan Klasnic trägt schon die dritte Spenderniere in sich.
Foto: Imago

Seine Karriere ist schon lange vorbei. Doch jetzt bekommt Ivan Klasnic rund vier Millionen Euro von seinem ehemaligen Verein Werder Bremen. Als Schmerzensgeld und Schadenersatz. Der 40-Jährige macht die Ärzte des Vereins für seine Nierenschäden mitverantwortlich.

Bereits 2001 wurden die Nierenwerte beim ehemaligen kroatischen Nationalspieler von Ärzten als schlecht bezeichnet. Trotzdem wurden ihm immer wieder Schmerzmittel in hohen Dosen verschrieben, was die Nieren weiter schädigte. Gemäss seinem Anwalt Matthias Teichner hätten die Ärzte «sogar den Tod des Spielers riskiert», als sie ihn mit einem viel zu hohen Kreatininwert spielen liessen. Als er Ende 2005 wegen einer anderen Krankheit ins Spital musste, wurde auch der Nierenschaden erstmals angemessen behandelt. Zwei Jahre danach bekam Klasnic seine erste Spenderniere. Kurz darauf begann der Kampf im Gerichtssaal.

Vor drei Jahren wurden Klasnic, der mittlerweile die dritte Spenderniere hat, erstinstanzlich 100’000 Euro zugesprochen. Zu wenig für den Stürmer, der acht Jahre lang bei Werder Bremen gespielt hatte. Vor dem Oberlandsgericht in Bremen konnten sich die Parteien nun auf einen Vergleich einigen. Die Summe von vier Millionen Euro sei «eher dazu geeignet, ein Gefühl von Gerechtigkeit aufkommen zu lassen», sagte Teichner. Kein Geld der Welt könne aber den erheblichen und dauerhaften Gesundheitsschaden seines Mandanten wettmachen. Noch heute ist Klasnic täglich auf Medikamente angewiesen.

Gesundheitliche gegen wirtschaftliche Interessen: Klasnics Anwalt Matthias Teichner spricht von einem Interessenkonflikt, in dem sich Clubärzte befinden können.
Gesundheitliche gegen wirtschaftliche Interessen: Klasnics Anwalt Matthias Teichner spricht von einem Interessenkonflikt, in dem sich Clubärzte befinden können.
Foto: Imago

Teichner sprach auch den Interessenkonflikt an, in dem sich Ärzte von Fussballvereinen befänden: Der Fall zeige, «in welches gefährliche Fahrwasser Mannschaftsärzte geraten können, wenn es gilt, bei der Behandlung zwischen den gesundheitlichen Interessen ihrer Patienten und den wirtschaftlichen ihres Vereins abzuwägen. Anscheinend werden selbst grösste Gesundheitsschäden einzelner Spieler billigend in Kauf genommen.»

Der ehemalige Profi äusserte sich selber nicht zur Einigung. Der Kroate spielte von 2001 bis 2008 für Werder Bremen, gewann dort den DFB-Pokal und die Bundesliga, bevor er sein Glück bei den Bolton Wanderers und Nantes versuchte. Wenig erfolgreich kehrte er 2012 nach Deutschland zu Mainz zurück, wo er 2013 seine Karriere beendete. Für sein Land absolvierte er 37 Länderspiele, unter anderem an der EM 2004 und der WM 2006. Mittlerweile ist er als Spielerberater tätig.

4 Kommentare
    Karl Steinbrenner

    "Gemäss seinem Anwalt Matthias Teichner hätten die Ärzte «sogar den Tod des Spielers riskiert», als sie ihn mit einem viel zu hohen Kreatininwert spielen liessen."

    Im ganzen Artikel kann ich nichts zu Sanktionen gegenüber den Ärzten lesen.

    Eigentlich müsste doch ein solches Verhalten der Ärzte mit Berufsverbot belegt werden?