Edelweisshemd-Streit: Die Reaktion der Schule

Was im Dresscode der Schule von Berg in Gossau steht und warum der Lehrerverband von einem «erheblichen Rassismusproblem» spricht.

Das Schweizer Edelweisshemd sorgte an einer Zürcher Schule für einen Streit zwischen der Lehrerin und zehn Schülern: Das traditionelle Hemmli tragen die Schwinger Armon Orlig, links, und Samuel Giger, am Bündner Glarner Kantonalschwingfest. (19. Juli 2015)

Das Schweizer Edelweisshemd sorgte an einer Zürcher Schule für einen Streit zwischen der Lehrerin und zehn Schülern: Das traditionelle Hemmli tragen die Schwinger Armon Orlig, links, und Samuel Giger, am Bündner Glarner Kantonalschwingfest. (19. Juli 2015)

(Bild: Keystone Samuel Truempy)

Die Kleiderwahl von Schülern der Sekundarschule Berg in Gossau ZH sorgt für Schlagzeilen. Eine Gruppe Jugendlicher erschien am Freitagmorgen in blau-weissen Edelweisshemden zum Unterricht. Die Lehrerin verbot in einer ersten Reaktion drei Jugendlichen, diese Hemden am Nachmittag zu tragen, da sie den Schulbetrieb als gefährdet sah. Der Grund für das Kleiderverbot: Diese Schwingerhemden seien rassistisch. Die Schüler fühlen sich unverstanden und in die Extremistenecke gestellt: «Ein Kopftuch darf man in der Schule tragen, aber mit einem Edelweisshemd kriegt man einen Anpfiff. Das verstehen wir nicht.»

Im Schulhaus soll es schon wiederholt zu Spannungen zwischen Schweizer Jugendlichen und Schülern aus dem Balkan gekommen sein. Schulleiter Patrick Perenzin distanziert sich gemäss «SonntagsZeitung» von einem Hemdenverbot: «Die Lehrerin hat selbst eingesehen, dass sie überreagiert hat», sagt Perenzin.

«Das Rassismusproblem löst man nicht mit einem Hemdenverbot.»Lilo Lätzsch, Präsidentin ZLV

Die Schulleitung reagierte gestern mit einer Medienmitteilung auf die Berichterstattung der Sonntagsmedien. Schulleiter Perenzin hält darin fest, dass es an der Sekundarschule Berg kein Verbot von Edelweisshemden gebe. Im Dresscode der Schule werde eine «zweckentsprechende Kleidung verlangt, damit ein geregelter und störungsfreier Unterricht erfolgen kann». Die Schulleitung habe unmittelbar nach dem Vorfall mit der ganzen Schülergruppe gesprochen, um Sinn und Zweck des Auftritts zu hinterfragen. Dabei erklärten die Schülerinnen und Schüler, dass sie mit der Aktion zeigen wollten, dass sie stolze Schweizer seien. Heute Montag will die Schulleitung das Gespräch wie vereinbart mit den Schülern fortsetzen.

Über das Ziel hinausgeschossen

Für Lilo Lätzsch, Präsidentin des Zürcher Lehrerinnen- und Lehrerverbands (ZLV), ist klar: «Das Tragen von Edelweisshemden an Schulen muss erlaubt sein. Die Lehrerin hat in diesem Fall überreagiert.» Lätzsch vermutet bei der betreffenden Sekundarklasse ein erhebliches Rassismusproblem. «Das löst man nicht, indem man das Tragen von Schwingerhemden verbietet.» Vielmehr sollte man die Spannungen zwischen Schweizer Schülern und Jugendlichen aus dem Balkan im Unterricht zum Thema machen und darüber diskutieren. Lätzsch: «Zehn Schüler ziehen ja nicht ohne Grund plötzlich alle ein Schwingerhemd an.»

Auch Politiker finden das Verbot der Lehrerin übertrieben. SVP-Nationalrat Claudio Zanetti, der in Gossau lebt, sagt: «Man sollte den Vorfall nicht zu sehr dramatisieren. Die Lehrerin ist über das Ziel hinausgeschossen. Die Gemeindebehörden haben vernünftig reagiert und sie zurückgepfiffen.» Für Juso-Präsident Fabian Molina wollten die Schüler mit der Kleideraktion provozieren. Aber niemand habe das Recht, Kleidervorschriften zu erlassen, auch keine Schule, hielt er gegenüber «20 Minuten» fest.

Laut der «Ostschweiz am Sonntag» veröffentlicht der Lehrerdachverband LCH bald ein Dokument zur Kleidungsordnung an Schulen. Grundsatz: «Was den Unterricht nicht stört, soll erlaubt sein.» Der LCH reagiert damit auf das Bundesgerichtsurteil zum Kopftuchverbot an einer Schule in St. Margrethen.

baz.ch/Newsnet

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