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GeldblogEdelmetallanlagen erfordern Nerven

Gold und Silber sind derzeit die grossen Gewinner. Unser Experte sagt, inwieweit und für wen sich eine Investition lohnt.

Boomende Krisenwährung: Die Unze Gold hat seit Jahresbeginn um 25 Prozent zugelegt.
Boomende Krisenwährung: Die Unze Gold hat seit Jahresbeginn um 25 Prozent zugelegt.
Foto: Getty Images

2012 kaufte ich den ZKB Silver ETF-AA CHF. Dieser hatte in den letzten Jahren bis über die Hälfte an Wert verloren. Nun endlich entwickelt sich der Kurs positiv, schon bald kann er den Einstandspreis erreichen. Ich bin momentan nicht auf den Betrag angewiesen, frage mich jedoch: Soll ich verkaufen? Leserfrage von M.K.

Sowohl Gold als auch Silber gehören im laufenden Anlagejahr zu den grossen Gewinnern. Während die Unze Gold seit Jahresbeginn über 25 Prozent zulegte, stieg der Unzenpreis beim Silber gar um über 45 Prozent. Dies, obwohl beide Edelmetalle keine Zinsen und Dividenden abwerfen. Viele Investoren haben auf der Suche nach Sicherheit vermehrt auf Edelmetalle gesetzt.

Verbreitet wird es auch als Alternative zu den sicheren Staatsanleihen genutzt, die in Schweizerfranken, aber zuletzt auch im Dollar ebenfalls keine Rendite mehr abwerfen, sondern sogar ein Verlustgeschäft sind. Der schwache Dollar hat zusätzlich für einen Auftrieb bei Gold und Silber gesorgt. Für die Edelmetalle spricht auch die Befürchtung vieler Markteilnehmer, dass die immense Geldflut der internationalen Notenbanken mittel- bis langfristig zu einer steigenden Teuerung oder sogar zu einer ausgeprägten Inflation führen könnte.

Tatsache ist: Eine Normalisierung der Geldpolitik weg von den rekordtiefen Zinsen ist aufgrund der Corona-Pandemie und den gravierenden Folgen für die Wirtschaft in weite Ferne gerückt. Die Zinsen dürften noch länger nicht steigen und auch die Inflation noch einige Zeit tief bleiben. Falls aber ein Corona-Impfstoff bei der breiten Bevölkerung genutzt werden kann und die Wirtschaft sich deutlich erholt, nimmt das Inflationsrisiko angesichts der weltweit riesigen Schuldenberge und dem spotbilligen Geld deutlich zu. Mit Edelmetallen wie Gold und Silber kann man sich zumindest teilweise etwas absichern.

Auch künftig müssen Sie beim Silber und den übrigen Edelmetallen mit starken Kursausschlägen rechnen.

Während Gold die klassische Krisenwährung ist, sollte man sich beim Silber vor Augen halten, dass das Edelmetall weit stärker von der Konjunktur abhängig ist als etwa Gold. Zwar ist auch Gold über die Schmucknachfrage an die Konjunktur gekoppelt. Weit stärker für die Preisbildung verantwortlich ist aber die Nachfrage seitens der Finanzmärkte, die Gold als möglichen Hort der Sicherheit nutzen. Silber und übrigens auch Platin und Palladium wird indes weit stärker als Gold von der Industrie nachgefragt. Zieht die Konjunktur an, hilft dies dem Silber. Daher hat sich Silber im laufenden Jahr nach dem Lockdown auch stärker erholt als Gold. Investoren spekulieren beim Silber auf eine weitere Erholung der Wirtschaft und damit auf eine stärkere Nachfrage nach Edelmetall aus der Industrie.

Da die Zinsen noch einige Zeit sehr tief bleiben, die Anleger nach Alternativen zu nicht rentierenden Staatsanleihen suchen und die Inflationsängste mit Blick auf einen längeren Zeitpunkt nicht unberechtigt sind, glaube ich nicht, dass die Hausse beim Gold und Silber schon vorbei sind. Nach dem starken Anstieg in diesem Jahr müssen Sie allerdings mit temporären Korrekturen auch beim Silberpreis rechnen, wenn etwa kurzfristig orientiere Spekulanten Kasse machen.

Aus meiner Sicht gehören Edelmetalle wie Gold, Silber, Platin oder Palladium in ein breit diversifiziertes Depot, benötigen aber von den Anlegern viel Nerven. Stabilität bieten Ihnen diese Edelmetalle jedenfalls keineswegs. Auch künftig müssen Sie beim Silber und den übrigen Edelmetallen mit starken Kursausschlägen rechnen.

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