E-Scooter: Zu viel ist zu viel

E-Scooter überleben durchschnittlich nur 28 Tage. Davor verschandeln sie die Innenstädte und sind eine Gefahr für Fussgänger.

Die E-Scooter verschandeln in der Schweiz die schönsten Orte oder müssen aus dem Rhein oder der Limmat gefischt werden.

Die E-Scooter verschandeln in der Schweiz die schönsten Orte oder müssen aus dem Rhein oder der Limmat gefischt werden.

(Bild: Keystone)

Sebastian Briellmann

Wenn es irgendwo funktionieren könnte, müsste man glauben, dann in Israel, Land der Innovation, Land der Inspiration. Doch selbst in Tel Aviv, gerne auch als Silicon Valley für Startups bezeichnet, regt sich der Widerstand, kocht die Wut langsam über gegen E-Scooter. Dabei ist die Stadt diese elektronischen Trottinette ja gewohnt, die Gefährte haben das Bild von Tel Aviv in den letzten Jahren stark geprägt, viel stärker als anderswo, rund 200'000 Stück soll es von ihnen bereits geben.

Das dürfte, verglichen mit der Anzahl Einwohner, rekordverdächtig sein; und es passt ja eigentlich auch prima zum emsigen Treiben dieser lebensdurstigen Metropole, das eher als sympathisches Durcheinander denn als unzumutbare Hektik bezeichnet werden darf. Aber irgendwann ist zu viel einfach zu viel. Auf den Strassen haben die Fussgänger schon lange mächtige Konkurrenten, wenn es um die Platzverhältnisse geht: Restaurants und Cafés, die weitläufig bestuhlen wollen, Parkplätze für Velos und Mopeds, aber auch viele Grünflächen vermindern den Platz für die zu Fuss gehende Bevölkerung.

Aufwerfen von ökologischen Fragen

Das ist per se alles in Ordnung, aber Tausende sausende E-Scooter-Liebhaber: Das verträgt der gemeine Läufer nicht auch noch. Er hat auch recht damit, und er ist nicht allein, zum Glück. Die Unfälle (vereinzelt gar mit Todesfolge) haben sich nicht nur in Tel Aviv gehäuft, sondern etwa auch in Paris, wo sich selbst Anne Hidalgo, die sozialistische Bürgermeisterin, zu Massnahmen gezwungen sah – obschon sie ihre Stadt lieber voller umweltfreundlicher Trottinette als Autos sähe. Aber irgendwann ist zu viel eben zu viel. Ihr bereitet hauptsächlich das rücksichtslose Verhalten der Fahrer Sorgen, die ihre Mitmenschen mit ihrem Rowdytum in Gefahr bringen – und es ist auch die Unart, das Gefährt nach Gebrauch mitten auf dem Trottoir oder der Strasse stehen zu lassen.

In der Schweiz ist das nicht anders, die E-Scooter – auch wenn es nicht so viele sind – verschandeln die schönsten Orte. Oder müssen aus Rhein oder Limmat gefischt werden. Na wunderbar! Es stellt sich auch die Frage, ob der Umwelt damit gedient ist: Wenn in Louisville, Kentucky, errechnet wird, dass ein E-Scooter durchschnittlich nur 28 Tage überlebt (sei es wegen minderer Qualität, Vandalismus oder schlicht wegen Nichtmehrauftauchens), dann werden auch ökologische Fragen aufgeworfen. Etwa jene, ob es sich lohnt, dass für diesen nervtötenden Trend Millionen von Batterien produziert werden müssen, die dann auch meist ziemlich unsachgemäss entsorgt werden.

Basler Zeitung

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