Zum Hauptinhalt springen

Kommentar zu den Woodward-EnthüllungenDonald Trumps tödliche Lüge

Wahrscheinlich wären Zehntausende Corona-Opfer noch am Leben, wenn Trump wie ein Präsident agiert hätte.

Der Präsident und das Virus: «Ich übernehme überhaupt keine Verantwortung.»
Der Präsident und das Virus: «Ich übernehme überhaupt keine Verantwortung.»
Foto: Shawn Thew (Keystone)

Dass Donald Trump notorisch Lügen erzählt, ist dokumentiert. Die «Washington Post» zählt mit und ist im fünfstelligen Bereich angekommen. Dank Buchautor Bob Woodward kennen wir nun jene Lüge mit den fatalsten Folgen.

Donald Trump wusste bereits Ende Januar Bescheid: Dass das Coronavirus viel gefährlicher war als eine Grippe, dass eine Pandemie drohte wie 1918. Und ihm war klar, dass er vor der grössten Herausforderung seiner Präsidentschaft stand. Doch er verharmloste die Krankheit. Er verhöhnte Wissenschaftler, die ihm widersprachen, und jene demokratischen Gouverneure, die zögerten, die Wirtschaft wieder hochzufahren, als die Kurve der Infizierten nicht abflachte.

Für einmal kann Trump nicht von Fake News faseln.

Höchstwahrscheinlich wären Zehntausende Corona-Opfer noch am Leben, wenn Trump wie ein Präsident agiert hätte. 186’000 Amerikanerinnen und Amerikaner sind bisher an Corona gestorben. Das sind mehr als dreimal so viel wie im Vietnamkrieg. Und für einmal kann Trump nicht von Fake News faseln. Woodward bemüht keine anonymen Quellen, sondern veröffentlichte die Tonspur mit den Sätzen und der Stimme des Präsidenten, für alle erkennbar.

Panikmache ist Trumps wichtigstes politisches Instrument.

Fadenscheinig ist Trumps Ausrede, er habe keine Panik schüren wollen. Nur deshalb habe er das Coronavirus verharmlost. Doch wer warnt ständig vor der Apokalypse? Panikmache ist Trumps wichtigstes politisches Instrument. Damit will er sich seine Wiederwahl sichern. Seit seinem Amtsantritt weckt er Ängste vor dem Untergang Amerikas, vor Anarchie und jetzt vor dem «radikalen Sozialisten» Joe Biden.

Nur vor der Pandemie hat Trump nicht gewarnt. Er tat, als ob ihn das alles nichts angehe. Als sich im März das Virus auch in den USA ausbreitete, sagte er an einer Medienkonferenz: «Ich übernehme überhaupt keine Verantwortung.» Das ist eine seiner seltenen ehrlichen Aussagen. Sie bringt seine Präsidentschaft auf den Punkt. Die US-Bürgerinnen und US-Bürger haben am 3. November eigentlich keine Wahl.