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Trumps Kehrtwende Donald Trump ist trotz Schutzmaske
im Kampfmodus

Der US-Präsident wirbt jetzt dafür, einen Mundschutz zu tragen. Als versöhnliche Geste an seine Gegner ist das aber nicht zu verstehen, Streit mit den Demokraten sucht er jetzt bei anderen Themen.

Hat zu den Maskenträgern gewechselt: US-Präsident Donald Trump, hier in einer Aufnahme vom 11. Juli.
Hat zu den Maskenträgern gewechselt: US-Präsident Donald Trump, hier in einer Aufnahme vom 11. Juli.
Foto: Tasos Katopodis (Reuters) 

Für die Komiker, für die Gastgeber der Late-Night-Shows und ganz allgemein für Freunde des absurden Theaters war Donald Trumps Auftritt eine Enttäuschung. Seit Dienstagabend sind die sogenannten Corona-Briefings zurück, in denen der amerikanische Präsident im Weissen Haus das Neueste in Sachen Pandemie verkündet. Ende April waren diese täglichen Erklärungen abgeschafft worden, was auch daran gelegen haben mag, dass sie eine Fundgrube waren für Menschen, die sich beruflich über Trump lustig machen.

Bei seinem Auftritt am Dienstag las der Präsident diszipliniert vom Blatt, er lobte sich auffallend wenig, und nach lediglich 27 Minuten war das Ganze schon wieder vorbei. «Wir werden das ziemlich oft machen», versprach Trump zum Abschied.

Corona «eine ernsthafte Bedrohung»

Im April hatten die Briefings noch bis zu zwei Stunden gedauert. Trump sprach über so ziemlich alles, versuchte das Virus kleinzureden oder schlicht wegzulügen und stellte unter anderem die Frage in den Raum, ob es eine gute Idee sein könnte, sich zur Bekämpfung des Virus Desinfektionsmittel zu spritzen. Nun räumte er erstmals öffentlich ein, dass das Coronavirus eine ernsthafte Bedrohung darstellt.

Täglich werden in den USA etwa 60’000 Menschen positiv getestet, es ist die höchste Rate an Neuinfektionen in der Welt. Mehr als 140’000 Amerikaner sind an den Folgen der Erkrankung gestorben. «Es wird vermutlich – unglücklicherweise – schlechter, bevor es besser wird», sagte der Präsident, eine für ihn ungewöhnliche Einlassung.

«Wenn Sie können, tragen Sie eine Maske»

In den vergangenen Tagen hatte Trump das Thema Maskentragen mehrmals rhetorisch umtänzelt. Manche sagten, schrieb er zum Beispiel auf Twitter, das Tragen von Masken sei patriotisch. Damit wollte er offenbar die Stimmung bei seiner Basis testen, die Masken überwiegend ablehnt und als Eingriff in Grundrechte ansieht. Der Test scheint zumindest nicht allzu negativ ausgefallen zu sein. Jedenfalls sagte Trump bei seinem Briefing: «Wenn Sie können, tragen Sie eine Maske.»

Zu einer derart deutlichen Aussage hatte der Präsident sich bisher nicht durchringen können. «Ich habe kein Problem mit Masken», sagte er nun und zeigte seine eigene – eine dunkelblaue Maske mit dem Präsidentensiegel. So weit, dass er sie aufsetzte, ging er allerdings nicht. «Ich trage sie bei mir», sagte er, «ich trage sie. Sie haben mich bei mehreren Gelegenheiten mit Maske gesehen, und das wird so bleiben.» Tatsächlich hat man Trump bisher bei exakt einer Gelegenheit mit Maske gesehen, als er vor kurzem ein Militärhospital in Maryland besuchte.

Biden bietet wenig Angriffsfläche

Die Rückkehr der Briefings ist ein Element der neuen Wahlkampfoffensive, die Trump gestartet hat. Zu Wochenbeginn hatte er angekündigt, Bundespolizisten in grossen Städten einzusetzen, um dort die öffentliche Ordnung aufrechtzuerhalten. Die meisten grossen Städte in den USA werden von demokratischen Bürgermeistern regiert, die den Einsatz von Bundespolizisten strikt ablehnen. Trump hat offenbar beschlossen, bewusst auf Konfrontationskurs zu den Städten zu gehen, die überwiegend ohnehin nicht für ihn stimmen. Diese Taktik mag auch der Tatsache geschuldet sein, dass sein demokratischer Herausforderer Joe Biden derzeit wenig Angriffsfläche bietet.

Die Rückkehr der Briefings lässt sich als Versuch Trumps interpretieren, das Momentum zurück auf seine Seite zu bringen. Gerade sein Umgang mit der Corona-Krise wird von vielen Amerikanern kritisch gesehen. Bewerteten im März immerhin noch 51 Prozent der Befragten seine Arbeit in Bezug auf die Pandemie positiv, waren es zuletzt gemäss einer Umfrage von ABC News und der «Washington Post» lediglich 38 Prozent. «Unser Ziel ist nicht bloss, die Pandemie zu managen», sagte Trump am Dienstag, «sondern, sie zu beenden.»

Aus «Glutfeuern» wurden «grosse Feuer»

Das klang schon fast wieder wie der alte Trump, der gesagt hatte, das Virus werde eines Tages einfach verschwinden. Doch insgesamt fand er tatsächlich einen anderen, einen neuen Ton. So räumte er zum Beispiel ein, dass es nicht nur vereinzelte «Glutherde» gebe, wie er zuletzt öfter gesagt hatte, sondern «Feuer» und «grosse Feuer». Florida befinde sich in einer wirklich schwierigen Situation, sagte er. Das war auch deshalb bemerkenswert, weil die Republikaner im August ihren Parteitag in dem Bundesstaat abhalten wollen. Bis vor kurzem schwebte Trump eine grosse, maskenfreie Versammlung vor.