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Skandal am US OpenDjokovics fataler Wutausbruch

Der Serbe trifft mit einem Ball unabsichtlich eine Linienrichterin am Hals und wird disqualifiziert. Er stürmt darauf ohne Worte von der Anlage und erklärt sich erst Stunden später.

Djokovic trifft mit einem Ball unabsichtlich eine Linienrichterin.

Das ungewöhnlichste US Open wird immer skurriler: Alles hatte auf einen Sololauf von Novak Djokovic hingedeutet, nun ist er disqualifiziert. Was war passiert? Der Serbe war sichtlich entnervt, nachdem er im Achtelfinal gegen den Spanier Pablo Carreño Busta bei 5:4 drei Breakchancen zum Gewinn des ersten Satzes verpasst hatte. Im folgenden Game liess er sich bei eigenem Aufschlag bei 0:30 nach einem Sturz an der Schulter behandeln, musste daraufhin aber das Break zum 5:6 hinnehmen.

Sichtlich frustriert, schoss er einen Ball nach hinten, ohne zu schauen. Nicht besonders scharf, und sicher nicht in der Absicht, jemandem zu schaden. Doch der Ball traf eine Linienrichterin unglücklicherweise am Hals, sie sank sofort zu Boden. Der erschrockene Djokovic eilte zu ihr, um zu sehen, wie es ihr geht. Sie blieb eine Weile liegen, dann stand sie auf und verliess die Arena. Immer noch unter Schock, wie es schien.

Der Schweizer Supervisor Andy Egli und Soeren Friemel, der Tournament Referee, kamen auf den Court, es entbrannten längere Diskussionen. Djokovic versuchte, seine Disqualifikation noch abzuwenden, gab sich reuig. Am Netz redete er länger auf Friemel ein, der ihm beizubringen versuchte, dass er keinen Spielraum habe. Nach einigen Minuten wurde die Disqualifikation offiziell verkündet. Den Verantwortlichen blieb gemäss Regelbuch gar keine andere Wahl. Der Serbe schüttelte Carreño Busta die Hand und verliess die Arena. Er ist erst der fünfte Spieler, der in der Profiära an einem Grand Slam disqualifiziert wurde. Den Anfang machte 1990 am Australian Open der Amerikaner John McEnroe.

Alle Entschuldigungen nützten nichts:
Alle Entschuldigungen nützten nichts:
keystone-sda.ch
Die Weltnummer 1 wurde vom US Open ausgeschlossen.
Die Weltnummer 1 wurde vom US Open ausgeschlossen.
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Novak Djokovic und die sichtlich geschockte Linienrichterin nach dem Vorfall.
Novak Djokovic und die sichtlich geschockte Linienrichterin nach dem Vorfall.
Foto: Keystone
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Das Turnier veröffentlichte darauf ein Statement, in dem es festhielt: «In Übereinstimmung mit dem Grand-Slam-Regelwerk hat der Tournament Referee Novak Djokovic nach seiner Handlung, einen Ball absichtlich oder fahrlässig innerhalb des Spielfelds zu schiessen ohne Rücksicht auf die Folgen, vom US Open ausgeschlossen. Aufgrund dieses Verstosses verliert Djokovic alle Ranglistenpunkte, die er beim US Open erzielt hat, und wird mit einer Geldstrafe in Höhe des beim Turnier gewonnenen Preisgeldes belegt, zusätzlich zu allen Geldstrafen, die im Zusammenhang mit dem Vorfall verhängt wurden.»

Fatale Monate für Djokovic

Das Jahr, das für Djokovic mit dem Titel am Australian Open so gut begonnen hatte, hat sich für ihn damit sehr ungünstig entwickelt. Zuerst geriet er in die Schlagzeilen, weil er in seinen Video-Unterhaltungen behauptet hatte, man könne schmutziges Wasser mit positiven Gedanken reinigen. Dann das Desaster mit seiner Adria-Tour, die abgebrochen werden musste, weil sich mehrere Spieler mit Covid-19 angesteckt hatten – Djokovic und seine Frau Jelena inklusive. Nun die Disqualifikation in New York, wo der Turniersieg für ihn in seiner blendenden Form fast nur noch Formsache schien.

Der Serbe hatte keine Lust, sich für den Vorfall zu erklären, verliess die Anlage in Flushing Meadows, ohne an der obligaten Pressekonferenz teilzunehmen. Dies kostet ihn 20’000 Dollar Busse, was er verschmerzen wird. Mehr weh wird ihm tun, dass er in New York eine goldene Chance verpasst hat. Er bleibt einstweilen bei 17 Grand-Slam-Titeln hinter Rafael Nadal (19) und Roger Federer (20). Weiter geht es Ende Oktober mit dem French Open, wo der Serbe wieder teilnehmen wird.

Flushing Meadows wird nun sehr interessant: Erstmals seit dem US Open 2014, als Marin Cilic im Final Kei Nishikori schlug, wird man einen neuen Grand-Slam-Sieger sehen. Wer von den Jungen ist bereit, diese Chance zu packen?

40 Kommentare
    Hannah Arendt

    Mir bestätigt dieser Vorfall eines, Corona verändert alles. Djokovic ist nur ein Beispiel was für Emotionen freigesetzt werden wenn Menschen unter Druck die Kontrolle verlieren. Es kann zwar immer mal passieren, aber in der heutigen Zeit passiert es täglich. Seien es die Klima- oder Coronoleugner, seien es die Verschwörungstheoretiker oder eben auch Sportler. Vieles wird noch folgen. Es ist keine gute Zeit und es gibt kein zurück zu früher. Die US-Open hätten nicht stattfinden dürfen, auch Fussballspiele mit Publikum werden noch mehr Gewaltausbrüche zur Folge haben. Ob auf oder neben dem Platz. Es ist eindeutig zu früh, wir haben noch nicht gelernt mit dem Virus zu leben. Aber solange der schnöde Mammon unser Götzenbild bleibt ist keine Besserung in Sicht. Gelassenheit, Besonnenheit, Umsicht und Solidarität wäre die Devise, stattdessen herrscht Aggressivität, Egoismus und Hass.