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Unbelehrbarer TenniscrackDjokovic: «Ich würde es wieder tun»

Der Serbe sagt, er würde die Adria-Tour erneut veranstalten. Obschon er damit das Coronavirus verbreitete und auch er und seine Frau sich dabei ansteckten.

Arm in Arm: Novak Djokovic in Zadar mit Grigor Dimitrov (links), Viktor Troicki und Borna Coric (rechts). Alle vier wurden darauf positiv aufs Coronavirus getestet.
Arm in Arm: Novak Djokovic in Zadar mit Grigor Dimitrov (links), Viktor Troicki und Borna Coric (rechts). Alle vier wurden darauf positiv aufs Coronavirus getestet.
Foto: Keystone

Die New Yorker Tennis-Blase füllt sich zusehends mit Menschen. Inzwischen ist auch Novak Djokovic eingetroffen. Er haust während «Cincinnati», das nach Flushing Meadows gezügelt wurde, und des US Open in einem geräumigen Haus in der Nähe des Big Apple, fernab der Hektik von Manhattan. Um solche Zugeständnisse hatte der Serbe gekämpft, und er hat sie bekommen. Das Turnier braucht ihn in Abwesenheit von Roger Federer und Rafael Nadal dringend. Und um die «Geister-Turniere» zu lancieren, wurde er gebeten um ein Interview mit der «New York Times», mit dem renommierten Tennisreporter Christopher Clarey.

Er sei dankbar, könne er hier wohnen, in dieser idyllischen Atmosphäre, sagte er im Zoom-Gespräch. «Denn ich habe das Hotel gesehen, wo die meisten anderen Spieler untergebracht sind. Ich will nicht arrogant klingen, aber es ist hart für die meisten Spieler, nicht einmal ihr Fenster öffnen zu können, in ein kleines Hotelzimmer gepfercht zu sein.» Nur drei Männer schöpften die Option einer privaten Unterkunft aus dafür muss man auch das nötige Kleingeld haben. Denn sie müssen nicht nur ihre Bleibe finanzieren, sondern auch das «Wachpersonal», das rund um die Uhr sicherstellt, dass er die Tennis-Blase nicht verlässt. Der 33-Jährige ist ohne seine Familie angereist.

Natürlich musste sich Djokovic auch zur von ihm organisierten Adria-Tour vom Juni in Serbien und Kroatien äussern, die abgebrochen werden musste, weil sich mehrere Spieler und Angehörige mit dem Coronavirus infiziert hatten. Auch er und seine Frau. Die Sorglosigkeit, mit der die Tenniscracks aufgetreten waren, hatte für einen Sturm der Entrüstung gesorgt und Djokovic viel Kritik eingetragen. Trotzdem sagt er: «Wenn ich die Chance hätte, die Adria-Tour wieder zu organisieren, würde ich es erneut tun.» Ein bemerkenswerter Satz, der zeigt, wie uneinsichtig der Serbe ist.

«Ja, einige Dinge hätte man anders machen können», räumte er ein. «Aber werde ich nun ewig dafür beschuldigt werden, dass ich einen Fehler gemacht habe?» Er selber habe nur milde Symptome gehabt, während vier, fünf Tagen. Fieber habe er keines gehabt, aber er habe sich müde gefühlt und auch einen Geschmacksverlust gehabt. Weil er sich bei Wiederaufnahme des Trainings noch etwas ausgelaugt gefühlt habe, habe er alles durchchecken lassen. Sein Blut, seinen Urin, seinen Kot, und er habe auch ein Computertomogramm der Lunge machen lassen. Alles sei okay.

Skeptisch gegenüber Impfung

Seine eigene Einstellung zum Coronavirus oder zu einer Impfung habe seine Infektion nicht verändert, betonte er. Wenn eine Covid-19-Impfung obligatorisch gemacht würde für die Tenniscracks, müsste er eine schwierige Entscheidung treffen. Er sei nicht grundsätzlich gegen Impfungen, aber er wolle nicht gezwungen werden, seinem Körper etwas zuzuführen, das er nicht wolle. «Und wie erwarten wir, dass eine Impfung das Problem lösen soll, wenn sich das Virus ständig verändert, so wie ich das verstehe?» Er sehe das Coronavirus als vielleicht letzten Weckruf, fügte Djokovic an. «Ich glaube, dies ist eine gewaltige Transformationsphase für uns alle auf diesem Planeten.»

Ab Samstag, wenn das Hauptturnier von «Cincinnati» beginnt, kann Djokovic wieder sein Racket sprechen lassen. Was seine Kernkompetenz ist. In diesem Jahr hat er eine 18:0-Bilanz.

24 Kommentare
    Hans Klein

    Natürlich würde er es wieder machen. Er geht jetzt auch in das verseucheste Land um Tenis zu spielen. Oder, hätte er Federer und seine Fans fragen sollen?