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Nach SchockvideoDiskussion um höhere Strafen für Brückenspringer

Eine junge Frau springt von der Mittleren Brücke. Nur um Haaresbreite verfehlt sie dabei einen Mann im Wasser. Die Lebensrettungsgesellschaft warnt vor solchen illegalen Aktionen.

Während der Euro 08 war Brückenspringen in Basel geduldet, heute droht eine Busse. Vielen reicht das aber nicht.
Während der Euro 08 war Brückenspringen in Basel geduldet, heute droht eine Busse. Vielen reicht das aber nicht.
Foto: Dominik Plüss

Das Video kursiert seit einigen Tagen auf Whatsapp. Eine junge Frau im Bikini steht auf dem Geländer der Mittleren Brücke. Erst traut sie sich nicht so recht, dann lässt sie sich unter dem Gejohle ihrer filmenden Begleiter nach unten fallen. Keiner der Gruppe hat sich die Mühe gemacht, zu schauen, ob von oben Schwimmer näher kommen. Und prompt landet die Springerin fast auf dem Kopf eines unbeteiligten Mannes.

Das ist alles andere als harmlos, wie Philipp Binaghi von der Schweizerischen Lebensrettungsgesellschaft (SLRG) bestätigt. Er ist, wie viele andere, ebenfalls schockiert von dem Video, das mehrere Medien veröffentlicht haben. «Bei einem Sturz aus dieser Höhe ist beim Opfer mit sehr schweren Verletzungen bis hin zu Querschnittlähmung und Tod zu rechnen.» In Bern habe es vor einigen Jahren einen Fall gegeben, bei dem der Schwimmer in der Aare durch einen Springer tödlich verletzt wurde. «Und das war bei einem Steg, der deutlich niedriger ist als die Mittlere Brücke.»

«Die Folgen für die Getroffene wären verheerend und lebenslang. Wenn nicht tödlich.»

Nadine Ryser, Rheinschwimmerin

In Basel ist das Brückenspringen verboten, seit dem 1. Juli gibt es dazu sogar einen eigenen Eintrag im hiesigen Bussenkatalog. Wer es trotzdem tut, der muss mit einer Busse von 150 Franken rechnen, früher waren es 100 Franken. Doch auch die höhere Strafe hält die Menschen nicht davon ab, sich von der Mittleren Brücke oder der Johanniterbrücke zu stürzen. Videos auf sozialen Medien verstärken das Interesse offenbar noch.

Am Rhein sind am Dienstagnachmittag nur vereinzelt Badende. Bei allen ist das schockierende Video Thema. Eine ältere Frau sagt, sie und ihre Freunde seien früher auch gesprungen. «Aber wir hatten immer einen Späher dabei, der nach Schwimmern Ausschau hielt.» Zwei junge Frauen mit Schwimmsäcken sind unsicher, ob sie in den Rhein steigen sollen. Was, wenn wieder eine unvorsichtige Person springt und sie trifft? «Natürlich wäre es ein Riesenzufall», sagt eine von ihnen, sie heisst Nadine Ryser. «Aber die Gefahr ist offenbar real, und die Folgen wären wohl für die Getroffene verheerend und lebenslang. Wenn nicht tödlich.» Die andere wünscht sich eine klare Signalisation des Verbots auf den Brücken. Ausserdem deutlich höhere Strafen für Springer. Das wird auch online diskutiert: Die BaZ-Leser sind fast alle der Meinung, dass eine Busse für Aktionen, die andere so stark gefährden, zu wenig ist.

Auswärtige gehen oft mehr Risiken ein

Besonders Auswärtige wissen meist gar nichts vom Verbot, ausserdem kennen sie die Verhältnisse nicht. Das ist auch für sie selber gefährlich. «Man kann häufig nicht abschätzen, wie tief das Wasser ist, ob also die sogenannte Sprunggrube tief genug ist. Und auch der Temperaturunterschied beim Eintauchen ins kalte Wasser kann gefährlich sein», sagt Binaghi. Verbote wie in Basel gibt es bei weitem nicht überall in der Schweiz. Die Lebensrettungsgesellschaft rät dennoch grundsätzlich davon ab, in Fliessgewässer zu springen. «Man sollte das nur an dafür vorgesehenen Orten tun, etwa bei Sprungtürmen in Badis. Sonst gefährdet man sich und andere.»

Ob eine Warntafel oder ein Verbotsschild auf Basler Brücken Sinn machen würde, möchte Binaghi nicht beurteilen. Er verweist aber auf die sehr enge Zusammenarbeit der SLRG mit der Stadt Bern im Bereich Aareschwimmen. Mit dem Projekt «Aare You Safe?» habe man in der Vergangenheit online und auch vor Ort viele Menschen erreichen und für verschiedene Gefahren am und im Wasser sensibilisieren können. In diesem Jahr sind die Lebensretter unter dem Label «Corona-Sommer 2020» besonders aktiv. «Wir gehen davon aus, dass wegen der Einschränkungen viele Menschen den Sommer an Schweizer Gewässern verbringen», sagt Binaghi. Die SLRG berät und unterstützt Behörden, Sicherheitskräfte und Freiwillige, damit möglichst wenige Badeunfälle passieren. «Vielleicht wäre so etwas ja auch etwas für Basel.»

16 Kommentare
    Iris Pantaleoni

    Zum Wohle der vielen Rheinschwimmer, zu denen ich mich auch zähle, plädiere ich dafür an der Wettstein-, Mittleren- und Johanniterbrücke, Netze zu spannen!

    Verboten ist das Brückenspringen eh und höhere Bussen bringen nichts, denn wo kein Kläger, da kein Richter. Aber den Vorschlag von Frau Hanley würde ich auch sofort unterschreiben!