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Horsti und der Facebook-Sex

Vor «Randale und Zerstörung» bei öffentlichen Facebook-Partys hatte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) gewarnt. Nun hat ausgerechnet sein Parteichef Horst Seehofer ein solches Fest veranstaltet.

Vor «Randale und Zerstörung» bei öffentlichen Facebook-Partys hatte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) gewarnt. Nun veranstaltet ausgerechnet sein Ministerpräsident und Parteichef Horst Seehofer solch eine Fest für seine Facebook-Freunde. Doch im Münchner Nobelclub P1 ist Dienstagabend nichts von jenen feierwütigen Jugendlichen zu sehen, die schon so manche private Facebook-Party gesprengt haben. Im Gegenteil – bei Seehofers Party geht es so brav zu, dass es auch eine Feier der Jungen Union hätte sein können.

Einer der wenigen, die sich optisch abheben, ist der Student Ludwig Gengnagel. In die Unterlippe hat er sich zwei Ringe piercen lassen, die Arme sind bunt tätowiert. Der 26-Jährige hat eigentlich nichts mit der CSU am Hut, bei seiner Ankunft im P1 schwankt er zwischen Neugierde und Hohn. Ihn interessiere schon, was Seehofer da für eine Party organisiert habe. Aber andererseits sei es «lächerlich», dass sich ausgerechnet der bayerische Ministerpräsident an die Spitze der im sozialen Netzwerk aktiven Politiker stelle. «Man weiss ja auch, dass er rückwärtsgewandt ist.»

Abends füllt sich der Club etwas mehr

Dabei gibt sich der CSU-Chef in der Szene-Disko so betont locker wie es nur eben geht. Er ist nicht der Herr Seehofer, er ist der Horst, für manche sogar Horsti - der Ministerpräsident lässt sich munter duzen, in der Internet-Community werde sich schliesslich auch geduzt.

Ein bisschen ärgerlich für Seehofer ist, dass seinen Facebook-Freunden die Verbindlichkeit zu fehlen scheint. Als der CSU-Chef eineinhalb Stunden nach Partybeginn zu Fuss von der Staatskanzlei zum P1 läuft, zählt Polizeisprecher Wolfgang Wenger jedenfalls grosszügig durch: 350 Gäste drinnen, 150 Gäste draussen seien es - darunter allerdings 150 Journalisten und etliche CSU-Mitarbeiter. Im Verlauf des Abends füllt sich der Club etwas mehr - die meisten der 2561 angemeldeten Facebook-Nutzer kommen aber nicht.

Aus CSU-Sicht ist die Party dennoch kein Flop. Selten hat ein deutscher Spitzenpolitiker soviel Aufmerksamkeit bekommen für seine Internet-Aktivitäten. Statt nur über die Piraten wird im Netz auf einmal auch über den 62-jährigen Ingolstädter diskutiert. Inzwischen hat Seehofer bei der Zahl seiner Facebook-Freunde FDP-Chef Philipp Rösler und den SPD-Vorsitzenden Sigmar Gabriel hinter sich gelassen, die Grünen-Spitzenfrau Claudia Roth liegt in Reichweite. Die knapp 12'000 Facebook-Freunde Seehofers sind gemessen an den über 155'000 von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) allerdings immer noch vernachlässigbar.

Eine Pflichtübung

Für den ohne Krawatte erschienenen Seehofer ist Facebook ganz offensichtlich aber eine Pflichtübung. Er trägt seine Beiträge nicht mal selbst ein, das erledigt ein Mitarbeiter. Das erzählt Seehofer ganz freimütig auf der Bühne des P1. Dort fragt ihn eine junge Moderatorin keck, ob er von der Studie gehört habe, laut der ein Facebook-Eintrag ähnliche Hirnregionen anspricht wie Sex. «Das darfst Du einen über 60-Jährigen nicht fragen», sagt Seehofer.

Das «Du» ist beim Ministerpräsidenten an diesem Abend omnipräsent. Selbst dem Chef der bayerischen Piraten, Stefan Körner, bietet er in dem loungeartigen Biergarten des P1, in dem viele Korbsessel stehen und Kerzen Kuschelatmosphäre verbreiten, das Du an. Während die anderen bayerischen Oppositionsparteien Seehofers Party mit kritischen Fragen zu den Kosten für den Polizeischutz begleiteten, setzten sich Körner und ein paar andere Piraten auf die Gästeliste.

«Ich bleibe CSU»

Körner bringt Seehofer sogar ein Gastgeschenk mit. Der Oberpirat überreicht ihm einen Mitgliedsausweis der Piraten mit der Nummer 1337. Ein kleines, aber gemeines Geschenk: Unterschreibt der CSU-Chef und wird damit offiziell selbst Pirat, müsste die CSU ein Parteiausschlussverfahren gegen ihren Chef einleiten. Doch Seehofer tappt nicht in die Falle. «Ich bleibe CSU», sagt er. Und bald darf er für die Christsozialen wieder auf bewährtes Terrain: Die Termine für die Bierzelt-Saison stehen schon fest, sagt CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt.

AFP/rek

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