Zum Hauptinhalt springen

Die schmutzigen Tricks von Franz-Josef Gemein

Eine Facebook-Seite wird für die nordrhein-westfälische CDU zur Hypothek, weil ihr Gründer, ein ehemaliger Sprecher von Angela Merkel, die amtierende Ministerpräsidentin denunziert. Die Aktion wird zum PR-Desaster.

Geschmacklos: Sujet der Schmutzkampagne gegen Hannelore Kraft. Bild: Facebook
Geschmacklos: Sujet der Schmutzkampagne gegen Hannelore Kraft. Bild: Facebook

In sieben Wochen wird in Nordrhein-Westfalen gewählt. Für die Parteien gilt das Bundesland als das wichtigste. Dementsprechend rüsten sie sich für den Wahlkampf. Kaum hat dieser aber begonnen, gibts schon einen ersten Skandal. Wie das «Handelsblatt» und der Branchendienst Meedia berichten, sorgt eine Facebook-Seite für ein kleines Beben im bürgerlichen Lager der CDU.

Grund ist eine Facebook-Seite mit dem Namen «Weniger Kraft». Sie tauchte Anfang der Woche im Netz auf und diffamiert die amtierende SPD-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft. Die Macher zeigten Fotos, die alles andere als schmeichelhaft sind. So war ein Stinktier mit dem Slogan «AbwehrKraft» zu sehen. Aber auch ein Bild von Kraft wurde publiziert, welches die Politikerin mit offenem Schädel und Luftblasen zeigte. Dazu der Spruch: «Ohne Köpfchen bleibt nur die Kraft.»

Ehemaliger Sprecher von Merkel gründete Facebook-Seite

Für Schlagzeilen sorgt die Kampagne in diesen Tagen in den deutschen Medien, weil offenbar ein ehemaliger Sprecher von CDU-Chefin Angela Merkel, Franz-Josef Gemein, hinter der Aktion stecken soll. Gemein ist heute Inhaber der Werbeagentur Friedsam & Gemein mit Sitz in Wiesbaden.

Doch die CDU soll nichts mit der Kampagne am Hut haben. Gemein hat offenbar aus eigenen Interessen gehandelt. Ein Vertreter der NRW-CDU liess via Twitter verlauten, dass die Partei mit der «Weniger Kraft»-Kampagne nichts zu tun habe. «Wir lassen prüfen, ob man juristisch dagegen vorgehen kann», erklärte eine Sprecherin auf Nachfrage von «Handelsblatt online».

Blogger brachten Affäre ins Rollen

Für die CDU ist der Schaden nämlich angerichtet und ein PR-Desaster. In Blogs wird eifrig spekuliert, ob nicht die CDU hinter der Kampagne stecke. Die Affäre war durch Blogger ins Rollen gebracht worden. «Indiskretion Ehrensache» und «Ruhrbarone» hatten die Facebook-Kampagne aufgegriffen und die CDU als Urheber der Kampagne vermutet, weil die Werbeagentur in ihrer Kundenliste die CDU Deutschland aufführte. Diesen Kundenhinweis auf die CDU hat Werbeagentur-Inhaber Franz-Josef Gemein am Mittwoch von der Website genommen, wie er «Handelsblatt online» gegenüber zugab.

Für den prominenten Blogger und Journalisten Thomas Knüwer ist indes klar, dass hier möglicherweise der Stil schmutziger US-Wahlkämpfe kopiert werden soll: «Für die Drecksarbeit wird jemand ausserhalb der Partei losgeschickt – und dann wäscht man sich die Hände in Unschuld.»

Update: Inzwischen ist hat Gemein die geschmacklosen Bildern auf seiner Facebook-Seite entfernt. Offenbar hat der Druck aus CDU-Kreisen und der Blogosphäre ein Umdenken bewirkt. Gemein kündigt einen Relaunch der Seite an und schreibt: «Wir haben verstanden und denken neu nach.»

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch