Zum Hauptinhalt springen

Die flache Erde der kranken Kinder

Immer mehr Leute lassen sich von Fake News und Esoterikern beeinflussen und gefährden dabei ihre eigenen Kinder.

Immer mehr Leute stehen dem Impfen skeptisch gegenüber. Dabei setzen sie die eigenen und auch fremde Kinder grossen Gefahren aus, wie der aktuelle Fall einer Bieler Rudolf-Steiner-Schule zeigt.
Immer mehr Leute stehen dem Impfen skeptisch gegenüber. Dabei setzen sie die eigenen und auch fremde Kinder grossen Gefahren aus, wie der aktuelle Fall einer Bieler Rudolf-Steiner-Schule zeigt.

Autokindersitze, Velohelme, Arztkontrollen, Vitamintropfen, Fallschutzvorschriften, Jugendschutzgesetze, Tabakwerbesperre, Gitterbetten und Prügelverbot. Die Liste, wie man Kinder vor Gefahren schützen kann und sollte, teilweise sogar muss, ist endlos. Weil die Kleinsten noch nicht auf sich selber aufpassen können, sollen dies Eltern, Ärzte, eigentlich die gesamte Gesellschaft für sie tun. So weit ist man sich in der Schweiz weitgehend einig.

Anders verhält es sich beim Thema Impfen. Weil die Videoplattform Youtube keine Werbung mehr vor Clips von Impfgegnern schalten will, denen so unabsehbare Einnahmen entgehen, sehen Schweizer Experten die Demokratie in Gefahr. Das ist schwer zu verstehen, gerade, nachdem die Weltgesundheitsorganisation Impfgegner zur globalen Bedrohung erklärt hat.

Immer mehr Leute stehen dem Impfen skeptisch gegenüber. Esoteriker halten Krankheiten für wichtige Transformationsprozesse. Verschwörungstheoretiker glauben an ein abgekartetes Spiel zwischen Regierung, Pharmaindustrie und Aliens, die uns krank machen wollen. Es kursieren Gerüchte über Impfschäden wie Multiple Sklerose und Autismus, obwohl Studien die Vorwürfe längst entkräftet haben. Entsprechende Falschmeldungen werden vor allem über die sozialen Medien transportiert, wo Unwissende sie willig als Wahrheit annehmen. Auf demselben Weg verbreitet sich gerade die Überzeugung, die Erde sei eine Scheibe. So rasant, dass US-Wissenschaftler der Frage nachgingen, weshalb immer mehr Menschen die runde Form anzweifeln. Das Ergebnis: Youtube-Videos haben Leichtgläubige auf die Idee gebracht. Die Flacherdler, wie die Spinner genannt werden, sind zwar ein beängstigendes Phänomen und ein Beweis für die Macht von Fake News. Immerhin fügt ihr Irrglaube alleine anderen noch keinen Schaden zu.

Ignorante sind eine Gefahr

Impfgegner – darunter vermutlich auch zahlreiche Flacherdler – hingegen setzen die eigenen und auch fremde Kinder grossen Gefahren aus, wie der aktuelle Fall einer Bieler Rudolf-Steiner-Schule zeigt. Letzte Woche wurde bekannt, dass mehrere Kinder, die dort zur Schule gehen, an Masern erkrankt sind. Eine Krankheit, die auch Jahre nach der Infektion noch zum Tod führen kann. Für Babys unter einem Jahr, die noch nicht mit einer Impfung geschützt werden können, ist ein Kontakt mit einem erkrankten Kind lebensbedrohlich. Um sie und andere immunschwache Gruppen zu schützen, ist eine Durchimpfungsrate von 95 Prozent notwendig. Ignorante Eltern gefährden dieses Ziel zunehmend.

Dass die Plattformen Youtube und auch Pinterest darauf reagieren, ist verantwortungsvoll. Beide Unternehmen distanzieren sich von «schädlichen Inhalten», die zu «ernsthaften, körperlichen Schäden» führen können. Die Demokratie ist deswegen kaum in Gefahr, genauso wenig wie dadurch, dass man Tabakfirmen nicht erlaubt, mit rauchenden Kindergärtlern zu werben.

Immunologe Beda Stadler bringt es im Interview mit 20 Minuten auf den Punkt: «Man muss nicht alle Kinder impfen, nur die, die man behalten will.» Dem ist nichts hinzuzufügen.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch