«Endlich ist die Zwangsbox abgeschafft»

Hintergrund

Der grösste Schweizer Kabelnetzbetreiber UPC Cablecom ermöglicht es, künftig auch ohne Set-Top-Box oder Smartcard Digital-TV zu empfangen. Von Telecom-Experte Ralf Beyeler kommt viel Lob – und etwas Kritik.

«Erfreulich, dass der Druck des Wettbewerbs zu diesem Schritt geführt hat»: UPC Cablecom schafft die Set-Top-Box (Bild) ab.

«Erfreulich, dass der Druck des Wettbewerbs zu diesem Schritt geführt hat»: UPC Cablecom schafft die Set-Top-Box (Bild) ab.

(Bild: Keystone)

Reto Knobel@RetoRek

«UPC Cablecom kündigt die grösste Umstellung der Schweizer TV-Landschaft seit der Einführung des digitalen Fernsehens an», heisst es in einer Medienmitteilung von Cablecom. Die digitale Grundverschlüsselung werde aufgehoben, digitales Fernsehen zum Standard für alle Haushalte.

«Zum 1. Januar 2013 werden die 55 beliebtesten TV-Programme neu unverschlüsselt und damit ohne Zusatzgerät in allen Haushalten frei digital empfangbar sein», heisst es weiter. Von den 55 Kanälen sind – je nach Region und Verfügbarkeit – bis zu 19 Sender in HD-Qualität.

Wer das vier Franken teure digitale Grundangebot «Mini» mit 55 Kanälen bereits jetzt abonniert habe, erhalte ab 2013 ein ausgebautes Programm mit 70 Sendern. Voraussetzung für den Empfang der Digitalkanäle sei ein TV-Gerät mit integriertem Empfangsgerät (DVB-C-Tuner).

Vereinbarung mit dem Preisüberwacher

Die Kosten für das digitale Einstiegsangebot entfallen künftig. Allerdings steigen die Kosten des Kabelanschlusses: Bisher bezahlte ein Haushalt für das digitale Grundangebot von UPC Cablecom monatlich 31.40 Franken (27.40 für den Kabelanschluss plus 4 Franken Abonnementsgebühr für Digital-TV). Ab 1. Januar kostet der Kabelanschluss 28.40 pro Monat, ab 2014 29.05 Franken.

Die neuen Konditionen wurden laut Unternehmensangaben im Rahmen einer Vereinbarung mit dem Preisüberwacher Stefan Meierhans festgelegt, welche die Ende 2012 auslaufende Regelung ablösen wird.

Die Cablecom-Neuerung bringt in den Augen von Meierhans einen «substanziellen Mehrwert» für die Grundangebotskunden, die auf digitales Fernsehen umsteigen. Dies sagte der Preisüberwacher der Nachrichtenagentur SDA. Der Wegfall der Set-Top-Box führe zudem zu einem Stromspareffekt. Insgesamt sei die Preiserhöhung des Kabelanschlusses vertretbar.

«Dem digitalen Fernsehen gehört die Zukunft»

Das Digitalfernsehen habe sich in den letzten Jahren deutlich gegenüber dem herkömmlichen Fernsehen durchgesetzt, so UPC Cablecom. Mittlerweile werde in rund 80 Prozent der 3,2 Millionen Schweizer Haushalte digital ferngeschaut. «Neu sind in der monatlichen Abonnementsgebühr bereits die beliebtesten TV-Programme (inklusive HD) inbegriffen. Dieses Angebot wird unverschlüsselt übertragen, so dass die Set-Top-Box oder Digicard (CI+) dafür nicht mehr benötigt wird. Damit stellt UPC Cablecom auf einen Schlag sämtliche 1,8 Millionen angeschlossenen Haushalte auf digitales Fernsehen um», heisst es im Communiqué weiter.

Das bisherige analoge Grundangebot mit 36 Sendern will UPC Cablecom beibehalten. Aber wohl nicht mehr allzu lange: Aufgrund der Tatsache, dass immer mehr Personen digital fernschauen, nehme die Relevanz des analogen Fernsehens ab, so ein Konzernsprecher. Darum sei eine künftige Reduktion absehbar. «Dem digitalen Fernsehen», sagt Firmenchef Eric Tveter, «gehört die Zukunft.»

Lob...

Der Verzicht der UPC Cablecom auf die Verschlüsselung ihres digitalen Fernsehens wird von Telecom-Experte Ralf Beyeler von Comparis.ch begrüsst: «Endlich hat UPC Cablecom die Zwangsbox abgeschafft. Erfreulich ist, dass der Druck des Wettbewerbs zu diesem Schritt geführt hat.»

UPC Cablecom hat laut Beyeler heute noch 840'000 Kunden, die ausschliesslich analoges Fernsehen empfangen. «Viele dieser Kunden dürften ein neueres TV-Gerät haben und nun fast automatisch von digitalem Fernsehen und besonders von HD-Qualität profitieren – ohne einen Vertrag abzuschliessen.»

...und Kritik vom Experten

Allerdings müsse man abwarten, ob UPC Cablecom ihre Kunden behalten könne. Denn die Massnahme habe aus Konsumentensicht zwei Haken. «Zum einen können die Kunden Sat 1 und Pro 7 nicht in HD empfangen. Zum anderen ist der Preis hoch: UPC Cablecom hat im Vergleich zu anderen Kabelnetzbetreibern sehr hohe Grundgebühren. Viele regionale Kabelnetzbetreiber verlangen bloss zwischen 10 und 20 Franken.»

baz.ch/Newsnet

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