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Warum ich mir Klingeltöne zurückwünsche

Laut vibrierende Handys und Smartwatches sind unserem Autor ein tägliches Ärgernis. Doch Besserung ist endlich in Sicht.

Von wegen «tonlos»: Auch ohne Klingeltöne können einem Smartphones gehörig auf den Wecker gehen.
Von wegen «tonlos»: Auch ohne Klingeltöne können einem Smartphones gehörig auf den Wecker gehen.
Reuters

Wie konnten wir nur? Als Kinder liebten wir es, Insekten zu fangen und in Joghurtbecher zu sperren. Ich erinnere mich noch gut an dieses verzweifelte Gesumme, das von den Bechern noch verzerrt und verstärkt wurde.

Auch Jahrzehnte später vergeht kaum ein Tag, an dem ich mich nicht an die armen Wespen, Fliegen oder Bremsen erinnere. Nein, nicht wegen des schlechten Gewissens, sondern weil ständig irgendwo ein Handy vibriert.

Gar nicht «tonlos»

Immer wenn ein Handy auf einer Tischplatte so gar nicht «tonlos» auf einen Anruf oder eine Nachricht hinweist, höre ich sie wieder, die Insekten im Joghurtbecher: «Lass mich raus! Lass mich bitte raus!»

Während in der Autoindustrie Sounddesigner an Motorengeräuschen feilen, kleben Smartphonehersteller das Vibrationsmodul einfach dort ins vollgepackte Gehäuse, wo es noch ein bisschen Platz hat. Dass das Handy danach surrt und sich im schlimmsten Fall von der Tischplatte vibriert, wird in Kauf genommen. Schliesslich interessiert sich kein Kunde vor dem Kauf für diese Kleinigkeit. Grosse Bildschirme, ausdauernde Akkus und vor allem gute Kameras sind da viel interessanter.

Sehnsucht nach dem Klingelton

Das Vibra-Gesurre geht mir derart auf den Wecker, dass ich mich hin und wieder beim Wunsch ertappe, Klingeltöne kämen wieder in Mode. Dann erinnere ich mich allerdings an den Klingeltonanbieter Jamba und verwerfe den Gedanken schnell wieder.

Zur Verteidigung der Handyhersteller muss man anfügen, dass nicht alle Geräte gleich grässlich surren. Apples iPhones sind in den letzten Jahren weniger aufdringlich geworden. Kommt dazu, dass Apples teure iPhones im Gegensatz zu günstigeren Konkurrenzprodukten in der Regel in einer Schutzhülle stecken. Das dämpft das Gesurre zusätzlich.

Ich selbst habe bei meinem Telefon alle Geräusche und auch Vibrationen deaktiviert. Wehe, ein Testhandy aktiviert nach ein paar Stunden oder nach einem Neustart heimlich den Vibra-Alarm!

Wildes Gesurre und Geblinke am Handgelenk

Schlimmer noch als bei Smartphones ist das Gesurre und Vibrieren bei Smartwatches. Man möchte meinen, bei einem Gerät, das die Kundinnen und Kunden am Körper tragen, würden sich die Ingenieure etwas mehr Mühe geben. Von wegen! Was ich da schon erleben musste.

Statt mich am Morgen sanft und geräuschlos zu wecken, wurde ich schon von mehreren Testuhren von wildem Gesurre und Geblinke aufs Unsanfteste aus dem Schlaf gerissen. Die schlimmsten Übeltäter waren so laut, dass sogar meine Frau mitgeweckt wurde. Da hätte ich genauso gut einen normalen Wecker stellen können. Das wäre sogar noch bedeutend angenehmer gewesen.

Aber auch tagsüber traue ich des Öfteren meinen Ohren und Nerven nicht. Bei manchen Wearables fühlt es sich jedes Mal, wenn eine Benachrichtigung eintrifft, an, als hätte ich mir einen Joghurtbecher mit einer Wespe drin ans Handgelenk geschnallt. Nein, tragbar sind diese Wearables im übertragenen Wortsinn nicht.

Lösung in Sicht

Bis jetzt ist mir in meinen zahlreichen Tests erst ein Gerät begegnet, das mich nicht mit Geräuschen und Benachrichtigungen nervt: die Apple Watch. Die Vibrationen fühlen sich nicht wie solche an und klingen auch nicht wie ein Insekt im Joghurtbecher.

Das verantwortliche Modul, das auch in neuen iPhones und einigen Macbooks steckt, nennt Apple Taptic Engine. Was wie Marketingspruch klingt, ist tatsächlich eine andere Technologie. Kurz erklärt, funktionieren gängige Vibrationsmodule wie Bohrmaschinen, bei denen am Bohrer ein Holzklotz mitdreht. So kommt das Gerät ins Zittern. Die Taptic Engine dagegen nutzt, ähnlich wie ein Lautsprecher, Magnete, um eine Masse hinund herzubewegen, und erzeugt so dieses deutlich präzisere und auf der Haut nahezu geräuschlose Klopfgefühl.

Befindet sich die Uhr nicht am Handgelenk erkennen das die Sensoren und die Taptic Engine wird automatisch deaktivert. So rasselt oder rumpelt es auch nicht, wenn die Uhr gerade auf dem Ladedock ist oder einfach nur auf dem Tisch liegt.

Wenn nur alle Hersteller diese bis anhin unterschätzte Technologie einsetzen und weiter verbessern würden. Dann wäre hoffentlich bald Schluss mit diesem nervigen Gesurre, und ich würde nicht länger an die armen Insekten im Joghurtbecher erinnert.

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