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Mein Monat mit dem iPad Pro

Kantiges Design, schnellere Chips, neues Zubehör und kein Homeknopf. Wie schlägt sich das neue iPad im Langzeittest?

Vor einem Monat hat Apple das neue iPad Pro vorgestellt. Auf dem Papier ist es, alle Veränderungen zusammengerechnet, das grösste Update, welches das Apple-Tablet seit seiner Lancierung 2010 erfahren hat.

Wir haben das iPad Pro (ab 899 Franken) schon nach ein paar Tagen einem ersten Test unterzogen. Dabei liessen sich ein paar Fragen, etwa zur Akkuleistung, noch nicht abschliessend beantworten. Doch nun, nach einem Monat, ist es Zeit, diese zu klären.

Die wichtigsten Erkenntnisse und Beobachtungen im Überblick:

Design: Das kantigere Design macht das neue iPad Pro zum schönsten iPad seit dem ersten. In der Hand liegt es bequem. Einzig wenn es flach auf dem Tisch liegt, ist es etwas schwieriger, es aufzunehmen. Die grösste Schwierigkeit ist aber eine andere: Die zwei neuen Grössen liegen näher beieinander. Das grössere Modell ist nämlich durch den eingesparten Homeknopf deutlich kleiner geworden. Das kleinere Modell dagegen hat nun einen grösseren Bildschirm im selben Gehäuse. Selbst hat sich der Autor trotz anfänglicher Bedenken zum ersten Mal mit einem grösseren iPad anfreunden können, da es noch in die Umhängetasche passt, knapp als handlich durchgeht und der grosse Bildschirm einfach unwiderstehlich ist. Gerade wer viel damit arbeitet, sollte nicht voreilig zum kleineren greifen. Aber es empfiehlt sich dringend, vor einem Kauf beide in einem Laden in die Hand zu nehmen. Übrigens: Obwohl das Tablet hauchdünn ist, hat es sich – entgegen alarmistischer Youtube-Videos – kein bisschen verbogen.

Bedienung:Das vom iPhone X bekannte Entsperren per Gesicht, «tap to wake» (Bildschirm antippen, um einzuschalten) und die Wischgesten gefallen auf dem Tablet noch besser als auf dem Telefon. Egal, wie man das neue iPad in die Hand nimmt, es funktioniert. Trauere ich auf dem iPhone gelegentlich dem Fingerabdrucksensor nach, tu ich das auf dem iPad keine Sekunde. Nicht zuletzt weil ich mir in der Vergangenheit nie ganz sicher war, ob der Knopf nun gerade links, rechts, oben oder unten ist. Nun weist ein Pfeil darauf hin, falls man die Kamera gerade mit der Hand verdeckt. Die neuen Gesten tragen auch dazu bei, dass man selbst beim grösseren Modell die Maus nicht vermisst und es selbst im Laptop-Modus mit etwas Übung bequem und ohne Anstrengung per Touchscreen bedienen kann.

Stift: Die grösste Verbesserung findet sich beim Stift. Der wird nun magnetisch am Tablet befestigt und automatisch geladen. So ist der Stift immer einsatzbereit. Dank einer flachen Kante rollt er auch nicht mehr weg. Trotzdem ist das Verlustrisiko nicht komplett gebannt. So zuverlässig er auch hält, fällt er unweigerlich ab, wenn man etwa in der Tasche wühlt und nicht aufpasst. Gefährlich ist es im Alltag, wenn man das Tablet hochheben will und den Stift zu fassen bekommt. Auf den Stift muss man nicht zuletzt wegen des hohen Preises (150 Franken) also weiterhin aufpassen. Aber da er so viel besser geworden ist, tut man das nun deutlich lieber und lässt ihn nicht zu Hause liegen. Übrigens: Den neuen Touch-Knopf zum Wechseln von Farben oder zum Aktivieren des Radiergummis habe ich bisher kaum genutzt, da die Funktion in meiner wichtigsten Stift-App Onenote noch nicht unterstützt wird.

Tastatur: Bescheidener fallen die Verbesserungen bei der Tastaturhülle (ab 200 Franken) aus. Die schützt nun auch die Rückseite, wirkt aber dadurch noch mal wuchtiger als das Vorgängermodell. Besonders schön ist sie auch nicht. Schon nach wenigen Tagen wirkte die langweilig schwarze Gummi-Oberfläche arg mitgenommen. Inzwischen weist sie bereits mehrere unschöne Dellen und einen kleinen Riss auf. Zu dem Preis hätte man von Apple wirklich deutlich mehr erwarten können. Im Alltag kommt es zudem trotz reichlich Übung immer wieder vor, dass man die falsche Seite aufklappt und statt des Bildschirms die Rückseite des Tablets zu sehen bekommt. Hoffnung auf gute Dritt-Tastaturen sollte man sich keine grossen machen. Nicht einmal Logitech hat etwas in die Richtung angekündigt. Da Apple den Tastatur-Anschluss bei den neuen iPads von der Unterkante auf die Rückseite verschoben hat, wird es für Zubehörhersteller noch mal schwieriger, eigene Tastaturen und vor allem Ladedocks herzustellen. Aber mindestens eine Leder-Option von Apple sollte doch drinliegen. Das schöne neue iPad hätte es wahrlich verdient.

Tempo:Die Chips sind rasend schnell. Und deutlich schneller als bei allen früheren iPads. Im Alltag fällt das aber nur auf, wenn man komplizierte Bildmontagen berechnen lässt oder Videos schneidet. Wirklich auszahlen wird sich der neue Prozessor erst in den nächsten Jahren. Denn auch dann wird das iPad Pro immer noch schnell genug sein.

Akku:Das Akkuwunder bleibt leider aus. Das Tablet hält immer noch länger durch als die meisten Laptops, und das Ladegerät kann man gut zu Hause lassen. Aber deutlich besser als andere iPads fühlt es sich nicht an. Aber hey, 12 Stunden (Apple verspricht 10) sind nicht zu verachten, wie kürzlich an einem langen Kongresstag wieder beobachtet:

USB-C:Dass man nun fast alle Geräte direkt anschliessen kann, ist sehr komfortabel. Selbst habe ich schon Fotokameras, Monitore, Netzwerkkabel und ein altes DJ-Mischpult erfolgreich damit verbunden.

Dass man aber keine Festplatten oder USB-Sticks per USB-C anschliessen kann, ist ein übler Verstolperer von Apple. Bitte nachbessern!

Software: Hier ist leider alles beim Alten geblieben. Immerhin nutze ich dank dem grösseren Bildschirm nun häufiger zwei oder gar drei Apps parallel. Die grossen Verbesserungen kommen aber wohl erst im nächsten Sommer/Herbst mit iOS 13. Die tolle Hardware macht aber schon jetzt Lust auf mehr. Viel mehr!

Insgesamt hat sich der sehr positive erste Eindruck im vergangenen Monat Tag für Tag bestätigt. Sofern Microsoft nicht noch ein Wunder-Surface aus dem Hut zaubert (oder eine Überraschung passiert), wird das neue iPad Pro auch in einem Jahr noch mein Lieblings-Computer sein.

Noch zwei Randnotizen:

Die Notlösung:Da ich auf iOS gerade im Browser ein paar wenige Arbeitsschritte nicht erledigen kann, die auf einem Windows-PC oder Mac ohne Probleme gingen, habe ich das ausrangierte Macbook meiner Frau zu einem Heim-Server umfunktioniert. Da kann ich nun mit der Screens App von überall drauf zugreifen und alle Arbeiten erledigen, mit denen iOS noch Probleme hat. Es ist übrigens erstaunlich, wie gut sich macOS per Touchscreen bedienen lässt. Gerade im Vergleich zum für Touchscreens optimierten Windows 10 ist der Komfort-Rückstand deutlich kleiner als erwartet.

Alternativen: In der Regel sind bei Apple die Vorgängermodelle immer eine gute Budget-Empfehlung. Dieses Mal ist das weniger empfehlenswert als sonst. Das letztes Jahr lancierte iPad Pro mit einem 10,5-Zoll-Bildschirm ist zwar weiterhin erhältlich. Allerdings kostet es in der günstigsten Variante nun statt 750 Franken neu 720 Franken. Der Rabatt ist doch ziemlich dünn ausgefallen. Zumal es die günstigste Variante des neuen 11-Zoll-iPads teilweise bei Aktionen schon für 810 Franken gibt. Deutlich empfehlenswerter ist da das iPad (ohne Pro). Das findet man in der günstigsten Variante für 350 bis 300 Franken. Wer sparen möchte oder einfach nur ein iPad ohne das Neuste vom Neuen möchte, ist damit sehr gut beraten. Wer ein Tablet will, aber nicht auf die Möglichkeiten eines Desktop-Betriebssystems verzichten möchte, sollte sich Microsofts Surface-Geräte anschauen. Aber Vorsicht: Die 2018er-Modelle kommen wohl erst 2019 in die Schweiz.

Haben Sie fragen zu den neuen iPads? Unser Autor beantwortet sie gerne (und fast rund um die Uhr) auf Twitter.

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