So geht es für Apple nach dem iPhone-Boom weiter

Was dem Techkonzern die Quartalszahlen vermiest hat und überraschende Neuigkeiten, die es zwischen den Zeilen zu hören gab.

Beim iPhone gehts nach unten, bei den anderen Apple-Produkten nach oben.

Beim iPhone gehts nach unten, bei den anderen Apple-Produkten nach oben.

(Bild: Reuters Stephen Lam)

Rafael Zeier@RafaelZeier

Apples Quartalszahlen und vor allem die Umsatzrückgänge sind immer der ideale Zeitpunkt, um seine langgehegten Vermutungen bestätigen zu lassen. iPhones sind zu teuer, zu gross oder haben die falsche Farbe? Hier ist der Beweis!

Tatsächlich aber ist alles viel weniger spektakulär. Was Apple und anderen Techkonzernen die Bilanzen vermiest, sind in erster Linie zwei Entwicklungen. Da ist zum einen das schon lange erreichte, aber inzwischen nicht mehr zu übersehende Leistungsplateau bei Smartphones (Das Plateau ist erreicht).

Das erreichte Leistungsplateau ermöglicht billigere und teurere Handys gleichermassen und sorgt vor allem dafür, dass die Leute ihre Geräte länger behalten. Daher muss man schon ein sehr grosser Optimist sein, um zu glauben, dass sich Smartphone-Rekorde unendlich wiederholen und übertreffen lassen.

Viel wahrscheinlicher ist es, dass sich in den nächsten Jahren alles etwas beruhigen wird. Apple selbst dürfte die iPhone-Boomjahre als willkommenen Zuckerschock verbuchen.

Sorgenkind China

Die zweite Entwicklung lässt sich etwas salopp mit volkswirtschaftlichen Faktoren zusammenfassen. Aktuell geht es dabei vor allem um nicht mehr ganz so kauffreudige Chinesen, den starken Dollar und den Handelsstreit zwischen den USA und China.

Diese beiden Faktoren haben Apple-Chef Tim Cook und sein Finanzchef gegenüber Investoren dann auch immer wieder ins Feld geführt, wenn es darum ging, die aktuellen Quartalszahlen zu erklären.

Doch in Nebensätzen und zwischendurch gab es durchaus auch überraschende Neuigkeiten zu hören:

  • 900 Millionen iPhones:Apple nennt zwar keine konkreten Verkaufszahlen mehr, aber dafür hat der Konzern zum ersten Mal eine neue Kennzahl publiziert. Insgesamt 900 Millionen iPhones befänden sich weltweit im Einsatz. Wenn man bedenkt, dass es insgesamt 1,4 Milliarden Apple-Geräte sind, wird klar, welchen Stellenwert das iPhone für Apple hat.
  • Beliebtes XR: Im letzten Quartal hätte sich von den neuen drei iPhones das günstigste iPhone XR am besten verkauft. Auf Platz zwei liegt das grosse iPhone XS Max. Am wenigsten von den dreien hätte sich das iPhone XS verkauft. Aber wie gesagt, genaue Verkaufszahlen hat das Unternehmen keine genannt.
  • Zu teures iPhone? Auf die Frage, ob sich Apple nicht mit den hochpreisigen iPhones verspekuliert hätte, entgegnete Cook, in den USA seien die Preise genau richtig gewesen. Im Ausland hätte es aber wegen Wechselkursen und vor allem wegen weggefallener Subventionen durch Telecomfirmen Anpassungen gebraucht. Damit spielte er auf Umtauschaktionen und vereinzelte Preissenkungen an.
  • iPhone-Effekt:Abseits des iPhones hat Apple in allen Bereichen bessere Zahlen und sogar Rekorde vermeldet. Beim iPad gehts aufwärts, Macs wurden auch wieder mehr verkauft (wohl nicht zuletzt wegen des lang erwarteten Macbook Air), bei den Wearables (Uhren und Kopfhörern) gehts weiterhin steil nach oben, und auch die Services (also alle Einnahmen aus Abos und Verkäufen von Apps, Videos, Musik) konnten zulegen.
  • Rekord dank Streaming: Bei den Einnahmen aus dem Musikgeschäft vermeldete Tim Cook das beste Quartal seit der Einführung des iTunes Store vor 16 Jahren. Zu verdanken sei dieses Ergebnis vor allem den 50 Millionen Abonnenten von Apple Music. Da behaupte noch jemand, mit Streaming liessen sich Musik-Downloads nicht ersetzen.
  • Warten auf den Videodienst:Auf Apples Engagement im TV- und Videomarkt angesprochen, gab sich Tim Cook geheimniskrämerisch. Er sei noch nicht bereit, mehr dazu zu sagen. Nur so viel: Sie hätten viele sehr talentierte Leute unter Vertrag. Ob Apple tatsächlich schon im Frühjahr den eigenen Netflix-Konkurrenten vorstellt, wie vielerorts gemunkelt wird?
  • Erfolgreiche Uhren und Kopfhörer: Laut dem Finanzchef nähere sich die Wearables-Sparte (Uhr und Airpod-/Beats-Kopfhörer) inzwischen der Grösse einer Fortune-200-Firma. Zieht man die entsprechende Liste hinzu, entspräche das Firmen wie Novartis, Lockheed Martin oder HP.
  • Zukunftsmarkt Gesundheit: Was künftige Produkte, Märkte und Chancen angeht, gab sich Apple gewohnt zugeknöpft. Einzig in einem Bereich liess sich Tim Cook etwas in die Karten blicken. Als er über die Uhr und ihre Sensoren für Herzgesundheit und Stürze sprach, meinte er: «Wir stehen da noch ganz am Anfang und sehen erst langsam, was wir in diesem Bereich künftig für einen Beitrag leisten können.»

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