«Es wird eine Apple-Müdigkeit geben»

Der für die Empfangsprobleme des iPhone 4 verantwortliche Apple-Manager musste seinen Hut nehmen – ein weiteres Indiz, dass Apple unter einer Imagekrise leidet.

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Jan Knüsel

Mark Papermaster war Chefentwickler für die Hardware von Apples Mobilgeräten und damit auch verantwortlich für die Empfangsprobleme des iPhone 4. Nun musste er seinen Hut nehmen (baz.ch/Newsnet berichtete). Apple hatte Papermaster erst 2008 teuer von IBM abgeworben.

Umso mehr verdeutlicht der Rücktritt, wie stark «Antennagate» das kalifornische Unternehmen mittlerweile belastet. Trotz des blendenden Verkaufsstarts für das neue iPhone und das iPad nehmen die Negativmeldungen um Produktionsfehler, Sicherheitslücken, Datenschutzmissbrauch oder die Selbstmordserie von Arbeitern in einer chinesischen iPhone-Produktionsstätte kein Ende. Laut dem britischen Marktforschungsinstitut Yougov hat die Marke Apple in den letzten Monaten deutlich an Beliebtheit verloren.

Apples Image leidet

Wie die «Wirtschaftswoche» berichtet, wurde Apple im Juli noch mit 56 von 100 möglichen Punkten auf dem sogenannten Brandindex von Yougov bewertet. Zuvor lag dieser Wert noch auf stolzen 70 Punkten. Das iPhone erreicht gar nur noch 50 Brandindex-Punkte.

Damit bewegt sich Apples Smartphone auf dem Imageniveau von Nokia. Gerade unter den jungen Konsumenten erlebt das kalifornische Unternehmen einen Imageeinbruch: Bei den unter 30-Jährigen verzeichnet das iPhone noch 42 Brandindex-Punkte. Samsung, Sony Ericsson oder Blackberry haben das iPhone in der Beliebtheitsskala von Yougov bereits überflügelt.

Gleichzeitig ist Google mit dem Smartphone-Betriebssystem Android auf dem Vormarsch. Gemäss dem Marktforscher Canalys verzeichnete Android in den USA ein Wachstum von 851 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Claude Zellweger, kalifornischer Chefdesigner von HTC, wittert Morgenluft. Gegenüber dem «Handelsblatt» prophezeit er: «Es wird eine Apple-Müdigkeit geben, und sie wird von den USA ausgehen.»

Wer wird Nachfolger?

Mark Papermasters Nachfolger Bob Mansfield kommt nun die Aufgabe zu, die Apple-Produkte vor künftigen Peinlichkeiten zu bewahren. Bereits bei der kurz anberaumten Pressekonferenz von Mitte Juli, als Steve Jobs versuchte, die Wogen zu glätten, stand Mansfield und nicht Papermaster auf der Bühne. Die Öffentlichkeit kennt ihn nur über Videos auf der Apple-Website, in denen er – stets ein blaues Hemd tragend – regelmässig die neuen Mac-Produkte vorstellt, darunter auch das iPhone 4.

Als Hardware-Chef der Mac-Computer zeichnete er denn auch für einen Teil der neuen iPhone-Komponenten verantwortlich. So soll Mansfield den A4-Chip, den Touchscreen und das hochauflösende Display für das neue iPhone mitentwickelt haben. Laut Apple hat Mansfield, der 1999 zum Unternehmen aus Cupertino stiess, ein «Dutzend bahnbrechende Produkte» wie das iMac oder das Macbook Air mitentwickelt.

Als Mitglied der Geschäftsleitung wird Mansfield immer wieder zum Kreis der potenziellen Nachfolger von Steve Jobs gezählt. Als einer der wenigen Mitarbeiter ist Mansfield nicht Steve Jobs, sondern dem Leitenden Geschäftsführer Tim Cook unterstellt.

baz.ch/Newsnet

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