Des Schweizers liebstes Hobby

Wer verdient mehr als ich? Die App «1:12» beantwortet diese wichtige Frage. Und beruhigt das schlechte Gewissen.

Was verdienen sie wohl im Vergleich zu Ueli Maurer? Arbeiter auf einer Baustelle in Zürich.

Was verdienen sie wohl im Vergleich zu Ueli Maurer? Arbeiter auf einer Baustelle in Zürich.

(Bild: Keystone Gaëtan Bally)

Wer in der Schweiz leben darf, ist privilegiert. Soziale Sicherheit, guter Lebensstandard – und trotzdem schielen Herr und Frau Schweizer lieber neidisch über den Gartenzaun, als sich des Lebens zu freuen. Wie viel verdiene ich im internationalen Vergleich? Wie viel sahnen die Topmanager ab, was Bundesrat Ueli Maurer? Das sind doch die wirklich drängenden Fragen des Alltags. Antworten liefert nun auch das Smartphone: mit der App «1:12».

Den Anstoss für die Idee lieferte natürlich die gleichnamige Volksinitiative, die am 24. November zur Abstimmung kommt. Ihr Ziel ist, dass in einem Unternehmen der höchste Lohn nicht höher als das Zwölffache des niedrigsten sein darf. Die App setzt nun das eigene Einkommen ins Verhältnis mit jenem anderer. Eine Spielerei.

Mit Federer vergleichen

Viel preisgeben muss man von sich selbst nicht. Nur der Bruttolohn ist erforderlich, damit man sich vergleichen kann. Zur Auswahl stehen sechs Kategorien: Demografie, Berufsbranchen, Ausbildungsgrad, Kader/Manager, Prominenz und Ländervergleich.

Am meisten seriösen Aufschluss bieten sicher die Quervergleiche mit den anderen Berufsgruppen, denn die Daten basieren auf jenen des Bundesamts für Statistik. Wer seinen Neid schüren möchte, stellt sein Salär jenem von Grossverdienern wie den Stars Roger Federer, Madonna oder Robert Downey jr. gegenüber.

Spiel mit gutem Zweck

Die App ist genau für jene Kritiker ideal, die in der Rezension monieren, die statistischen Zahlen stimmten nicht genau: Hauptsache, lästern. Und auch der Preis von einem Franken für die App ist gerechtfertigt, denn der Erlös geht komplett an die Helvetas. Für den Fall, dass jemand angesichts des eigenen Wohlstands ein schlechtes Gewissen bekommt, den bringt «1:12» direkt mit einer Hilfsorganisation in Verbindung. Somit verfolgt diese Spielerei sogar noch einen guten Zweck.

Basler Zeitung

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