Fünf Sachen, die wir lieber hätten als ein Apple-Netflix

Der iPhone-Konzern steigt ins Film- und Serien-Geschäft ein. Wir hätten da ein paar bessere Vorschläge.

Bringt Apple ein weiteres Netflix oder doch etwas ganz anderes?

Bringt Apple ein weiteres Netflix oder doch etwas ganz anderes?

(Bild: Keystone)

Rafael Zeier@RafaelZeier

Es muss 2015 an der Apple Entwicklerkonferenz gewesen sein. Ausgelaugt von zwei Stunden Live-Tickerei, kam ich zusammen mit Tausenden Besuchern aus der Halle und lief ausgerechnet einem brasilianischen TV-Team in die Arme. Und stimmte auch noch zu, ein Interview zu geben.

Ein paar Fragen zu iOS 9 und zum neuen Musik-Streaming-Dienst Apple Music würde ich ja wohl beantworten können. Doch es kam anders.

«Sind Sie enttäuscht, dass Apple keinen Video-Streaming-Dienst vorgestellt hat?», fragte der Reporter gleich als Erstes. Die Frage hatte ich weder erwartet, noch war mir bewusst, dass das überhaupt durch die Gerüchteküche gegeistert wäre.

Mein Antwort damals (mit reichlich Verzögerung und Verwunderung): «Nein. Erstens habe ich nicht damit gerechnet, und zweitens gibt es da ja schon reichlich Alternativen.»

Der Streamingdienst kommt

Ja und heute? Apples Video- und Streaming-Ambitionen sind ein offenes Geheimnis. Mit der Ankündigung einer Präsentation für den 25. März mit dem Titel «It's show time!» dürften auch noch die letzten Zweifel ausgeräumt worden sein. Der Video-Streaming-Dienst mit reichlich eigenen Inhalten kommt.

Mehr weiss man aber nicht. Was wird er kosten, gibt es nebst Eigenproduktionen auch andere Inhalte, wie harmoniert er mit Konkurrenten wie Netflix, Amazon oder HBO, in welche Länder kommt er und auf welche Geräte?

Dass Apple voll auf Services und Abos setzt, ist aus unternehmerischer Sicht sehr leicht nachzuvollziehen. Ich als Nutzer habe allerdings auch Jahre nach dem TV-Interview kein weiteres Netflix auf der Wunschliste.

Darum hier fünf Sachen, die mir lieber wären als ein Apple-Netflix:

Keine amerikanischen Verhältnisse

Die TV-Landschaft im Streaming-Zeitalter gleicht zusehends der amerikanischen TV-Landschaft im Vordigital-Zeitalter. Die Rede ist von Bundles, und bei jeder neue Serie muss man schauen, bei welchem Anbieter es die nun gibt. «Game of Thrones» ist dort, «House of Cards» da und die kommende «Herr der Ringe»-Serie wieder bei einem anderen Dienst, das wird schnell teuer, nervig und mühsam. Viel lieber als einen weiteren Kauf-Kanal hätte ich von Apple eine Lösung für diesen sich abzeichnenden Abo-Horror. Anders als die Plattenfirmen werden sich Filmstudios und TV-Stationen aber mit Händen, Füssen und Juristen gegen so ein Angebot wehren. Oder?

Bessere Apps für den Apple TV

Verglichen mit dem ersten Wunsch ist dieser geradezu bescheiden: Als Apple 2015 den neuen Apple TV (die kleine schwarze Box) vorstellte, standen Apps im Zentrum. Apps seien die Zukunft des TV, verkündete Tim Cook. Doch bis heute klappt das nur so halb. Anders als fürs iPhone scheinen sich die App-Entwickler nicht so wirklich für die TV-Box begeistern zu können. Die paar Apps, die es gibt, sind nicht annähernd so gut wie ihre Gegenstücke auf dem iPhone oder iPad. Hier sollte Apple noch mal einen Anlauf nehmen und die Entwickler motivieren, der Plattform noch mal eine Chance zu geben. Aber dazu müsste sich Apple auch selbst noch mal einen Ruck geben. In der Schweiz zum Beispiel fehlt Siri nach wie vor auf dem Apple TV. Und verglichen mit der Konkurrenz ist die Box alles ander als ein Schnäppchen.

Ein zweiter Anlauf für Games

Bei der Präsentation des Apple TV 2015 standen Spiele im Zentrum. Es sah ganz so aus als würde Apple dem damals schwächelnden Nintendo den Rang ablaufen und den Erfolg der Wii-Konsole wiederholen: einfache, familienfreundliche Spiele mit intuitiver Bedienung, die gerade Nicht-Gamer ansprechen. Doch das Gegenteil passierte: Gute Spiele für die an sich leistungsfähige TV-Box fehlen nach wie vor. Die Fernbedienung eignete sich denkbar schlecht für Spiele, und speziell lizenzierte Kontroller muss man von Drittanbietern kaufen. Stattdessen lässt Nintendo mit der Switch-Konsole Apple alt aussehen. Ständig kommen neue Spiele (egal ob Blockbuster oder kleine Indie-Titel) hinzu. Mit etwas mehr Mut zum Risiko hätte Apple damals Nintendo diesen Markt wegschnappen können. Doch stattdessen zeigt nun Nintendo, wie man ein Tablet und eine TV-Box zu einem sehr unterhaltsamen und lukrativen Ganzen kombiniert, was doch genau Apples Stärke wäre. Apples Spiele-Strategie braucht also dringend einen Neustart. Schliesslich nennt Netflix heute nicht mehr Piraterie als grössten Konkurrenten, sondern Computerspiele.

Ein TV

Ja, ja, die Gerüchte um den iTV sind alle im Sand verlaufen. Sicher hat Apple daran herumexperimentiert. Vielleicht hat auch mal jemand einen iMac-Prototyp mit einem Fernseher verwechselt. Fest steht: Ein Fernsehgerät von Apple hat es dann doch nie gegeben. Aber das muss ja nicht so bleiben. Seit Jahren überlege ich an einem neuen Fernseher herum und kann mich für nichts begeistern. Entweder sind sie hässlich, haben schreckliche Software drauf, oder sie sind ein Datenschutzrisiko. Ein TV ohne all den Ärger liesse sich sicher für einen Apple-typischen Aufpreis verkaufen?

Das Apple-Mega-Abo

Den letzten Wunsch habe ich hier schon mal geäussert: ein Rundum-Sorglos-Apple-Abo. Bei Apple fangen sich die Abos an zu häufen: Eins für Musik, eins für Cloud-Speicher, und bald kommt noch eins für Video und News hinzu. Zudem gibt es in den USA noch das iPhone Upgrade Program, das einem gegen eine Monatsgebühr jährlich das neuste iPhone garantiert. Warum nicht für die treusten Kunden all diese Abos zu einem Mega-Abo bündeln? Da könnte Apple gleich auch noch Apps einschliessen. Als Nutzer zahlt man einen Monatsbeitrag und Apple verteilt das Geld dann (je nachdem wie oft Apps genutzt wurden) an die Entwickler. Da Apple zusehends Services und nicht mehr Geräte in den Vordergrund rückt, wäre es nichts als konsequent, alle Apple-Angebote als Service neu zu definieren.

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