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Yahoo-Chefin mit Millionen-Lohn begrüsst

Marissa Mayer erhält von ihrem kriselnden Arbeitgeber ein 56 Millionen Dollar schweres Beteiligungspaket. Derweil heizt die 37-jährige Schwangere die Debatte um berufstätige Mütter in den USA an.

Das Webunternehmen Yahoo ...
Das Webunternehmen Yahoo ...
Keystone
... wurde 1994 von David Filo (links) und Jerry Yang ins Leben gerufen (3. März 1997).
... wurde 1994 von David Filo (links) und Jerry Yang ins Leben gerufen (3. März 1997).
Keystone
Fünf Chefs in fünf Jahren: Yahoo bleibt eine Baustelle.
Fünf Chefs in fünf Jahren: Yahoo bleibt eine Baustelle.
AFP
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Der kriselnde Internet-Konzern Yahoo begrüsst seine neue Chefin Marissa Mayer mit einem Millionengehalt und der Aussicht auf Aktien im Wert von mehreren Dutzend Millionen Dollar. Das Grundgehalt der 37-Jährigen wurde auf eine Million Dollar festgesetzt, doppelt so viel kann sie noch zusätzlich als Bonus verdienen.

Ein Vielfaches mehr kann Mayer aber in den kommenden Jahren mit Yahoo-Aktien einstreichen, wie aus am Donnerstag veröffentlichten Konzernunterlagen hervorgeht. Allein der Wert der jetzt fest zugesagten Beteiligungspakete addiert sich auf 56 Millionen Dollar, von denen ein Teil allerdings erst über die nächsten fünf Jahre fällig wird.

In fünf Jahren 120 Millionen Dollar?

Zudem kann sich die bisherige Google-Managerin Hoffnung auf eine jährliche Aktienprämie im Wert von mindestens 12 Millionen Dollar machen. Damit könnte sie in fünf Jahren insgesamt auf rund 120 Millionen Dollar kommen.

Auf Mayer, die im Oktober ihr erstes Kind erwartet, kommt aber auch viel Arbeit zu. Yahoo kämpft schon seit Jahren ohne durchschlagenden Erfolg gegen den stetigen Rückgang der Werbeerlöse. Im vergangenen Quartal stagnierte der Gesamtumsatz bei 1,2 Milliarden Dollar.

Der Gewinn fiel um 4 Prozent auf 227 Millionen Dollar. Das lag an hohen Aufwendungen für den Umbau der Firma, den noch Mayers geschasster Vorgänger Scott Thompson angestossen hatte. Rund 2000 von vormals 14'000 Arbeitsplätzen fallen weg.

Von Google gekommen

Der Chefjob bei Yahoo gilt als einer der schwierigsten in der Internet-Branche und ist zugleich ein Schleudersitz: Carol Bartz wurde nach zwei Jahren wegen Erfolglosigkeit gefeuert, Thompson stolperte nach einigen Monaten über einen gefälschten Lebenslauf.

Mayer stand noch nie an der Spitze eines Unternehmens: Bei Google prägte sie zunächst lange das Suchmaschinengeschäft und war zuletzt für Karten und lokale Dienste zuständig.

Die Nachricht von der neuen Frau an der Spitze des Internetriesen Yahoo kam fast zeitgleich mit der Nachricht, dass die Topmanagerin hochschwanger ist. Sie erwarte im Oktober einen Jungen, kündigte Marissa Mayer im Kurznachrichtendienst Twitter an. Damit heizte die 37-Jährige die Debatte um berufstätige Mütter und die Frage nach der Vereinbarkeit von Kind und Karriere in den USA wieder an. «Mein Mutterschutzurlaub wird nur ein paar Wochen dauern, und ich werde durcharbeiten», versicherte Mayer im Magazin «Fortune», als ob sie die Yahoo-Aktionäre beruhigen wolle, dass ihre Mutterschaft ihr als Konzernchefin nicht im Weg stehen wird. Denn angesichts des stetigen Niedergangs von Yahoo seit den Glanzzeiten um die Jahrtausendwende steht Mayer vor einer Mammutaufgabe.

«Sie wird unzählige Frauen inspirieren»

Spontane Glückwunsche im Internet liessen die enttäuschenden Unternehmenszahlen kurz vergessen. «Lasst uns hoffen, dass sie Unternehmen dazu inspiriert, bessere Möglichkeiten für alle berufstätigen Mütter zu schaffen», twitterte Schauspielerin Mia Farrow – Mutter von 13 eigenen und adoptierten Kindern.

«Sie wird unzählige Frauen im Hightech-Bereich und darüber hinaus inspirieren», twitterte die Professorin der Princeton Universität, Anne-Marie Slaughter. Die zweifache Mutter hatte vor kurzem die Debatte um Kind und Karriere mit einem Artikel angestossen, indem sie fragte, ob arbeitende Mütter wirklich «alles haben» können. Slaughter selbst hatte ihren Top-Job im US-Aussenministerium an den Nagel gehängt, um mehr Zeit für die Familie zu haben.

Kritik von jungen Müttern

Ernüchternde Worte dagegen kamen von Diana Limongi, einer jungen Mutter aus New York, die zum Thema Mutterschaft bloggt. Mit ihrer Ankündigung, den Job trotz Kind nicht vernachlässigen zu wollen, verkenne Mayer «eine Realität, die wir akzeptieren und mit der wir uns arrangieren müssen: Babys brauchen Fürsorge, und Mütter brauchen Zeit zur Erholung und um bei ihren Babys zu sein».

Mit Mayer rückt bereits der fünfte Chef innerhalb eines Jahres an die Yahoo-Spitze - aber nicht der erste mit Kindern. Auch Ex-Konzernchefin Carol Bartz hat drei Kinder. Sie musste im September den Hut nehmen, nachdem es ihr nicht gelungen war, das Ruder im schwächelnden Unternehmen herumzureissen.

Von Tagesstätte können viele nur träumen

Nur 19 der bei «Fortune» aufgeführten 500 US-Spitzenunternehmen werden von Frauen geleitet - das ist «ein neuer Rekord», wie das Magazin meint. Zwar sind viele dieser Frauen Mütter, von der Einstellung einer Konzernchefin kurz vor der Geburt war aber noch nie die Rede. Laut der Gründerin der Webseite für berufstätige Mütter Bluesuitmom.com, Maria Bailey, werden Mütter in Vorstandsetagen noch immer als Novum angesehen.

Von den 34 Millionen US-Müttern mit Kindern unter 18 Jahren arbeitet laut US-Statistikamt knapp die Hälfte in Voll- oder Teilzeit. Dabei können nur wenige von Kindermädchen oder Tagesstätte oder der Babyausstattung träumen, die Mayer zum Start von ihren neuen Kollegen erhielt. Mit ihrem zu erwartenden Gehalt wird sich Mayer um die Finanzierung der Kinderbetreuung keine Sorgen machen müssen.

USA: Einziges westliches Land mit unbezahltem Mutterschutz

Laut US-Gesetz können Frauen zwölf Wochen unbezahlten Mutterschutzurlaub nehmen - und das nur, wenn sie bereits mindestens ein Jahr in einem Unternehmen mit mehr als 50 Mitarbeitern beschäftigt sind. In Deutschland dürfen werdende Mütter in den letzten sechs Wochen vor der Entbindung und acht Wochen danach nicht beschäftigt werden; im Anschluss können sie in Elternzeit gehen. Zudem erhalten deutsche Mütter und Väter, die ihre Arbeit aussetzen, bis zu 14 Monate Elterngeld.

Die USA sind das einzige westliche Land mit unbezahltem Mutterschutz. Und: Die Beschwerden von Schwangeren bei der US-Kommission für Gleichstellung am Arbeitsplatz sind in den vergangenen zehn Jahren um 35 Prozent gestiegen, sagt Sarah Crawford von National Partnership for Women and Families. «Wir hoffen, dass Yahoo mit Mayer zum Vorreiter für eine familienfreundliche Unternehmenspolitik wird.»

sda/afp/rek

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