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Wikipedia hüllt sich in Schwarz

Die englischsprachige Version der Internet-Enzyklopädie steht für 24 Stunden im Zeichen des Protests gegen geplante Urheberrechtsgesetze in den USA. Zahlreiche weitere Internetseiten sind ebenfalls offline.

«Stellen Sie sich eine Welt ohne freies Wissen vor»: So begrüsst Wikipedia seine Besucher heute. (Bild: Screenshot)
«Stellen Sie sich eine Welt ohne freies Wissen vor»: So begrüsst Wikipedia seine Besucher heute. (Bild: Screenshot)

Der eintägige Internetstreik aus Protest gegen ein geplantes US-Gesetz zu Netzsperren für die Durchsetzung des Urheberrechts hat begonnen. Die englischsprachige Version des Online-Lexikons Wikipedia ging um Mitternacht US-Ostküstenzeit vom Netz.

Auch einige andere populäre Websites schlossen sich der Aktion an. So hat die US-amerikanische Version von Google eine Protestbotschaft angebracht. Auch Reddit und Cheezburger wollten sich der Aktion anschliessen. Bei Wikipedia wird statt der üblichen englischsprachigen Inhalte eine dunkle Seite mit einer Erklärung angezeigt.

Ganz vom Netz ging auch das populäre Netzwelt-Blog Boing Boing. Die Homepage der Blog-Plattform WordPress war voller schwarzer Blöcke mit der Aufschrift «zensiert». Auch Reddit und Cheezburger solidarisierten sich mit den Protestlern.

Wikipedia-Gründer Jimmy Wales warnte vor «neuen Werkzeugen für die Zensur» von Webseiten in den USA. Mehr als 1800 freiwillige Mitarbeiter des Internet-Lexikons entschieden sich den Angaben zufolge nach einer Online-Diskussion zu dem beispiellosen Schritt.

Internet- vs. Filmindustrie

Mit dem 24-stündigen Blackout erreichen die Proteste von Netzaktivisten und Internet-Wirtschaft ihren Höhepunkt. Auch Branchen-Schwergewichte wie Facebook hatten sich im Vorfeld offen auf die Seite der Kritiker gestellt.

In einem offenen Brief hatten die Gründer von Internetriesen wie Google, Twitter, Wikipedia und Yahoo! sich bereits vergangenen Monat besorgt über die Gesetzesvorhaben gezeigt. Damit könne die US- Regierung das Internet anhand von Techniken zensieren, die auch von Staaten wie China, Malaysia und Iran angewandt würden, hiess es.

Dagegen unterstützt etwa der US-Filmverband MPAA die Gesetzespläne. Medienmogul Rupert Murdoch wetterte über den Kurznachrichtendienst Twitter, Google sei selbst «führend bei Piraterie» und die Sperrung von Inhalten jetzt schon ein gängiges Mittel, das keine Zensur nach sich ziehe. Die Filmbranche leidet ebenso wie die Musikindustrie seit Jahren unter der Verbreitung von Raubkopien über das Internet.

Kampf der Piraterie

Die Kritik richtet sich gegen den Stop Online Piracy Act (SOPA) und den Protect IP Act (PIPA), die derzeit im Repräsentantenhaus beziehungsweise im Senat zur Abstimmung stehen. Beide Gesetzesvorhaben widmen sich der Bekämpfung der Internetpiraterie.

So sollen Internetseiten, denen Urheberrechtsverstösse zur Last gelegt werden, auf eine schwarze Liste gesetzt werden können. Auch soll der Zugang zu ausländischen Webseiten verhindert werden, die illegale Raubkopien anbieten.

Beanstandet wurden die Gesetzesinitiativen auch von der US- Regierung unter Präsident Barack Obama. Dieser hat im Repräsentantenhaus aber keine Mehrheit mehr hinter sich.

SDA/rub

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