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Warum Skype so begehrt war

Es ist ein Geschäft, das weltweit Millionen Fans gefunden hat: die Telefonie über das Internet. Skype ist der grösste Profiteur dieser Branche - und ist deshalb schon seit seiner Gründung heiss begehrt.

Dem einstigen Start-up Skype ist ein Milliardendeal geglückt. Der Verkauf an den US-Konzern Microsoft ist ein Coup für die Skandinavier. Schon früh formulierten sie ihren Plan: «Wir wollen die Art und Weise verändern, wie Menschen kommunizieren.»

Microsoft blättert 8,5 Milliarden US-Dollar für Skype hin. Dabei bietet das erst acht Jahre alte Unternehmen im Prinzip bloss eines: deutlich günstigere Gespräche, als sie übers klassische Telefonnetz möglich sind. Aber das vor allem auch mit Bild - Kameras in Laptops und Handys oder auf den Bildschirmen machen das möglich. Mehr als eine halbe Milliarde Nutzer hat Skype schon überzeugt. All das weckt Begehrlichkeiten, von denen vor allem die diversen Investoren etwas haben dürften, die Skype heute in ihren Händen halten.

Ursprünglich war geplant, Skype noch in diesem Frühjahr an die Börse zu bringen. Dies hat sich nun erledigt. Die Investoren dürften sich die Hände reiben. Sie sind in der noch jungen Skype-Geschichte ohnehin nur wenige von vielen bisherigen Eigentümern: Schon 2005, nur zwei Jahre nach der Gründung des Unternehmens, verkauften Zennström und Friis ihr Unternehmen an Ebay – und erhielten von der Auktionsplattform knapp zwei Milliarden Euro.

Facebook und Google gehen leer aus

Schon in den vergangenen Wochen machte das Gerücht die Runde, dass Google und Facebook eifrig um Skype buhlten. Das hätte zu beiden mindestens so gut gepasst wie zu Microsoft: Google hat mit «Google Voice» zwar zum Marktführer eine Konkurrenz aufgezogen, kann aber nicht mit Nutzern glänzen. Eine Integration der ausgereiften Plattform wäre zudem ein Gewinn im fortlaufenden Kampf um Geschäftskunden, denn Google bietet E-Mail, Kalender und sonstige Plattformen für Selbstständige bis hin zu Konzernen an. Sie alle setzen in ihrem geschäftlichen Alltag auf Telefon-, insbesondere aber auf Videokonferenzen. Skype kann das und hilft, dabei die Kosten zu drücken.

Das soziale Netzwerk Facebook wiederum bringt inzwischen mehr als eine halbe Milliarde Menschen auf der Welt zusammen, darunter gut jeden zweiten Internetnutzer, der sich aus Deutschland ins weltweite Datennetz einwählt. Doch während Facebook seinen Nutzern mit Bravour ermöglicht, sich mit flinken Textnachrichten über den Alltag und das Neueste auszutauschen, fehlt Facebook die fast selbstverständliche Funktion, dafür auch auf die Stimmen und Gesten seiner Nutzer zu setzen. Da Microsoft dem sozialen Netzwerk Skype weggeschnappt hat, darf damit gerechnet werden, dass Facebook rasch eine eigene Plattform startet und so nicht zuletzt auch Skype Konkurrenz macht.

Skype steht unter massivem Beschuss

Unabhängig von der Frage, welcher Partner für Skype der beste gewesen wäre, war immerhin klar: Eine Fusion mit einem grossen Partner war dringend nötig. Skype ist heftig umkämpft - und das nicht nur von «Google Voice». Auch der IT-Konzern Apple macht Skype zu schaffen und hat nach seinen Computern konsequent auch alle Mobilgeräte von iPhone über iPad bis hin zum Musikspieler iPod mit Programmen wie «Face Time» und «iChat» ausgestattet. Sie bieten, womit Skype lockt: kostenfreie Gespräche in Ton und Bild. Damit wirbt Apple offensiv.

Hinzu kommt, dass viele Mobilfunkbetreiber wie die Deutsche Telekom und Vodafone das sogenannte Voice-over-IP (VoIP), also Verbindungen von einem Skype-Gerät zum nächsten, sperren und für die Nutzung Zuschläge von monatlich bis zu 15 Euro verlangen. Damit wollen die Konzerne verhindern, dass ihnen Umsätze mit Gesprächen entgehen, wenn die Kunden merken, dass sie mit einer üblichen Datenflatrate auch kostenfrei über Dienste wie Skype plaudern können. Zusätzlich nimmt der einstige Bedarf an günstigen oder kostenfreien Gesprächen ab, weil sich in der Mobiltelefonie preiswerte Flatrates durchsetzen.

Für Microsoft ist Skype ein grosser Gewinn

Skype ist zweifellos an Wachstumsgrenzen gestossen, ein Partner musste dringend her. Warum wird es zu aller Überraschung ausgerechnet Microsoft? Und das auch noch für eine horrende Summe? Microsoft kann Skype jedenfalls gut gebrauchen, etwa um sein Kommunikationsprogramm Outlook als Teil des Office-Pakets für Unternehmen aufzuwerten und mit zeitgemässen Features für den Austausch in Echtzeit auszustatten.

Der Kundenstamm von Skype könnte ausserdem helfen, dem «Windows Live Messenger» zu neuer Popularität zu verhelfen, mit dem Microsoft eine Konkurrenz zu Skype aufgezogen hat. Eine Integration bietet sich überdies in das bisher erschreckend erfolglose Engagement auf dem Markt der Betriebssysteme für Handys und Tablet-PCs an, für das Microsoft seit Kurzem mit dem Gerätehersteller Nokia kooperiert.

Hype um Skype

Wie Apple für «Face Time» könnte auch Microsoft Voice-over-IP für seine Geräte freischalten lassen – und Mobilfunkbetreiber mit exklusiven Vertriebspartnerschaften ködern. Skype würde so seinen Bremsklotz auf dem Wachstumsmarkt der Smartphones mit einem Schlag loswerden.

Für Microsoft ist der neuerliche Hype um Skype jedenfalls alles andere als bloss eine Überraschung, sondern vor allem dringend nötige Strategie. Skype kostet den Softwarekonzern aus Redmond zwar sehr viel Geld – auch weil die teils halboffiziellen Verhandlungen mit Facebook und Google den Preis nach oben getrieben haben dürften. Microsoft kann sich gleichwohl für die Zukunft rüsten, in der Mobilität und Kommunikation stetig an Wert gewinnen.

dapd/bru

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