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Verschwörungstheoretiker hetzen gegen Filmer von Nizza

Reporter Richard Gutjahr filmte den Anschlag in Nizza und war auch beim Amoklauf in München vor Ort. Dieser Zufall führt zu abstrusen Theorien.

14. Juli 2016: Ein Attentäter fährt mit einem LKW in eine Menschenmasse und tötet 84 Personen.
14. Juli 2016: Ein Attentäter fährt mit einem LKW in eine Menschenmasse und tötet 84 Personen.
Andreas Gebert, Keystone
22. Juli 2016: Ein 18-jähriger Mann schoss in und vor dem Olympia-Einkaufszentrum in München auf Passanten. Er tötete neun Menschen.
22. Juli 2016: Ein 18-jähriger Mann schoss in und vor dem Olympia-Einkaufszentrum in München auf Passanten. Er tötete neun Menschen.
Sven Hoppe, Keystone
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Am 14. Juli machte der Journalist Richard Gutjahr mit seiner Familie Ferien in Nizza und wurde plötzlich vom Augenzeugen zum Berichterstatter des Anschlags. Gutjahr begann von seinem Balkon aus zu filmen; seine Aufnahmen wurden weltweit bekannt.

Gutjahrs Aufnahme vom 14. Juli 2016 in Nizza: Das Video verbreitete sich in Windeseile. (Quelle: Youtube)

Kurz nach Nizza kam es beim Olympia-Einkaufszentrum in München erneut zu einer grauenvollen Tat, und erneut war Gutjahr – unterwegs zu seinem Arbeitgeber, dem Bayerischen Rundfunk – anwesend. «Stehe vor dem #OEZ», twitterte der Blogger. «Zufällig?», lautete eine Reaktion der Twitter-Gemeinde. Auf zahlreichen Online-Plattformen wurde diese Frage mit «Nein» beantwortet. Ein gefundenes Fressen für Verschwörungstheoretiker.

Mit Israelin verheiratet

Genährt wird die Verschwörung nicht nur dadurch, dass Gutjahr bei beiden Ereignissen vor Ort war, sondern auch, weil er seit 2007 mit einer ehemaligen israelischen Knesset-Abgeordneten und Geheimdienstoffizierin verheiratet ist.

Seitdem wird Gutjahr bezichtigt, er sei ein Mossad-Agent, vorabinformiert gewesen, gar Drahtzieher der Anschläge. An vorderster Front rückte die Internetseite «Kopp Online» den Reporter in die Nähe des israelischen Geheimdienstes. Eine Schlussfolgerung des Autors Gerhard Wisnewski als Beispiel lautet: «Immerhin kann man nun behaupten, dass der rasende Reporter Gutjahr den Geheimdiensten nahesteht – sogar sehr nahe. Ja, wahrscheinlich liegt er sogar mit ihnen in einem Bett. Also embedded, sozusagen.»

Nach wochenlangem Schweigen hat sich Gutjahr entschieden, über seine Erfahrungen zu reden. Gegenüber der «Süddeutschen Zeitung» sagte Gutjahr, dass es die «Mossad-Connection» schon nach Nizza gab, aber nach München sei es erst richtig losgegangen. «Mittlerweile gibt es mehr als 120 Videos über mich, meine Tochter und meine Frau. Es werden wöchentlich mehr», erzählt der Journalist.

Kritik an Youtube

Wie die SZ schreibt, erhalte Gutjahr Drohungen, per E-Mail, Twitter, Youtube-Videos und Facebook. In den Youtube-Videos würden praktisch alle Aussagen von Gutjahr und seiner Tochter analysiert. Entstanden sei ein Brei aus Unterstellungen, Zahlen und Halbwissen. Mit dem Argument des Urheberrechts habe Gutjahr versucht, die Videos sperren zu lassen. Einige Videos wurden gelöscht, Nutzerkonten gesperrt. Doch nicht dauerhaft.

Nach Angaben der Video-Plattform seien nach Prüfung der Beiträge keine konkreten Drohungen gegen Gutjahr festgestellt worden. Folglich wurden Nutzerkonten, auf denen er verleumdet wurde, wieder entsperrt. Gutjahr bezeichnet die Aktion von Youtube als feige; denn er glaube nicht, «dass man da nicht noch mehr machen könnte».

Wenn es wie bei Urheberrechtsverletzungen von Musiklabels um Geld gehe, lege Youtube das Gesetz sehr eng aus. Üble Nachrede und Verleumdung interessierten das Unternehmen anscheinend wenig, lautet seine Kritik. «Sie machen ja weiterhin Geld mit diesen Videos.»

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