Suchergebnisse manipuliert? EU ermittelt gegen Google

Die EU-Kommission hat ein Kartellverfahren gegen den IT-Konzern eröffnet. Grund sind Klagen anderer Online-Suchdienste, dass sie benachteiligt seien. Google wehrt sich gegen die Vorwürfe.

Muss sich gegen Klagen anderer Online-Suchdienste wehren: Online-Konzern Google.

Muss sich gegen Klagen anderer Online-Suchdienste wehren: Online-Konzern Google.

(Bild: Keystone)

Die EU-Kommission hat ein Kartellverfahren gegen Google eröffnet. Der Internet-Konzern steht im Verdacht, Suchergebnisse manipuliert und so Mitbewerber benachteiligt zu haben, wie die Kommission am Dienstag in Brüssel mitteilte.

Derzeit keine Verstösse nachgewiesen

Grund sind Klagen anderer Online-Suchdienste, dass sie sowohl bei den bezahlten als auch den unbezahlten Suchergebnissen benachteiligt seien. Demnach hat Google womöglich die Seiten anderer spezialisierter Suchdienste bei seinen Suchenergebnissen vorsätzlich zu weit unten und seine eigenen Dienste zu weit oben angezeigt. Google-Konkurrenten hätten zudem geklagt, dass die Angebote des Konzerns vor anderen stünden.

Ein Google-Sprecher erklärte am Dienstag, dass das Unternehmen stets daran arbeite, «das Richtige für unsere Nutzer und unsere Branche zu tun». Er fügte hinzu: «Natürlich gibt es immer auch Möglichkeiten für weitere Verbesserungen - wir werden daher eng mit der Kommission zusammenarbeiten, um etwaige Bedenken auszuräumen.»

Bei der Suche nach Informationen bietet die Suchmaschine von Google zwei verschiedene Arten von Ergebnissen an. Dabei handelt es sich zum einen um unbezahlte Suchergebnisse und zum anderen um Werbung von Drittanbietern, die oberhalb oder auf der rechten Seite von Google-Suchergebnissen gezeigt werden.

Unbezahlte Suchergebnisse herabgestuft?

Die EU-Kommission will den Angaben zufolge konkret untersuchen, ob Google eine marktbeherrschende Stellung in der Online-Suche missbraucht haben könnte, indem es möglicherweise unbezahlte Suchergebnisse von mit seinen Diensten in Wettbewerb stehenden Diensten in der Rangfolge herabgestuft und den Ergebnissen seiner eigenen Suchdienste einen bevorzugten Rang eingeräumt hat.

Die Untersuchung der Kommission werde sich zudem auf Vorwürfe konzentrieren, dass Google Werbepartnern möglicherweise so genannte «Ausschliesslichkeitsverpflichtungen» auferlegt und sie dadurch daran gehindert hat, bestimmte Arten konkurrierender Werbung auf ihren Webseiten nicht zu schalten. Darüber hinaus will die Kommission das Bestehen etwaiger Beschränkungen für die Übertragbarkeit von Daten aus Online-Werbekampagnen auf konkurrierende Online-Werbeplattformen untersuchen.

Bereits gegen Microsoft vorgegangen

Falls die Wettbewerbshüter im Laufe des Verfahrens ihre Vorwürfe erhärten können, droht Google eine hohe Strafe. Derzeit könnten aber noch keine Verstösse gegen das europäische Wettbewerbsrecht nachgewiesen werden, so die EU-Kommission. Der Fall habe aber nun Vorrang.

Laut den entsprechenden Wettbewerbsregeln dürfen Unternehmen, die einen grossen Teil des Marktes kontrollieren, diese Position nicht zum Schaden von Konsumenten und Konkurrenten ausnutzen. Im vergangenen Jahrzehnt war die Kommission gegen den Software-Giganten Microsoft vorgegangen und hatte Strafen in Milliardenhöhe verhängt. Auch dem Chip-Hersteller Intel wurde eine Milliardenstrafe aufgebrummt.

rek/dapd/afp

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