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Rio als ein einziges Elendsquartier

Brasilien streitet sich mit Google. Grund: Rio de Janeiro werde auf Google Maps in ein falsches Licht gerückt. Der Internetgigant gelobte Besserung.

Google sah sich in den letzten Tagen mit Kritik aus Brasilien konfrontiert. Der Grund: Google Maps, der Kartendienst des Internetgiganten, stelle die Metropole Rio de Janeiro als eine Anhäufung von Elendsvierteln, sogenannten Favelas, dar.

Konkrete Vorwürfe erhob als erstes die renommierte brasilianische Tageszeitung «O Globo» (Artikel online nicht verfügbar). Das Blatt bemängelte, dass kleine unbekannte Favelas die gleiche optische Präsenz hätten, wie bekannte Wohnviertel. Als Beispiel: Dem Elendsviertel Favela Humaita wird auf Google Maps gleich viel Bedeutung zugemessen, wie dem benachbarten Mittelschichtsviertel Humaita. Letzteres sei jedoch viel bedeutsamer und deshalb sei eine Gleichstellung keinesfalls gerechtfertigt, so die grösste Tageszeitung Brasiliens.

600 Favelas eingezeichnet

Gewisse, für die Stadt repräsentative Viertel, seien sogar ganz weggelassen. Cosme Velho, von wo aus der Touristentransport zur bekannten Jesus Statue verkehrt, fehlt gänzlich. Insgesamt kennzeichnet Google Maps rund 600 Favelas in Rio de Janeiro. Die Zeitung warnt, die Karte zeichne ein falsches Bild von der Stadt. Es entstehe der Eindruck, dass Rio nicht mehr sei, als eine Anhäufung von Favelas.

Auch Antonio Fiueira de Mello, Tourismusdirektor von Rio de Janeiro, enervierte sich ob der Darstellung: «Diese Karte ist absurd», sagte er gegenüber «O Globo». Google Maps reagierte in der Zwischenzeit und versprach, die Karte werde angepasst, schreibt die BBC. Die Favels sollen zwar weiterhin alle ersichtlich sein, es werde aber deren Schriftgrösse heruntergesetzt. Somit seien sie erst durch näheres Zoomen ersichtlich.

Als Grund für Über-Präsenz der Elendsviertel gab der Internetkonzern an, dass eine Einheimische die Karte erfasst habe. Deshalb habe wohl die fehlende Distanz gefehlt. Google hätte jedoch niemals die Absicht gehabt, die Stadt zu diffamieren. Es ist nicht die erste Fehldarstellung, die sich Google leistet. Im Jahr 2009 deklarierte das Unternehmen die deutsche Stadt Endem als holländische Ortschaft. Oder im November 2010 verursachte Google gar einen Länderkonflikt zwischen Nicaragua und Costa Rica, weil die Grenze falsch gezogen war.

Google verspricht Abänderung

Google betont derweil, sie arbeite weiter daran, die Karten möglichst präzise darzustellen. Gemäss einer Erklärung scheue sich Google auf dem Weg dorthin nicht, nach Richtungsangaben zu fragen. Nach dem Prinzip der Online-Enzyklopädie Wikipedia will das Unternehmen aus dem kalifornischen Mountain View die «Weisheit der Masse» nutzen, um seine Geo-Dienste im Internet noch interessanter zu machen.

Mit einer «Mapmaker»-Funktion sollen Nutzer ihre bevorzugten Restaurants oder Parks in der Nachbarschaft eintragen, oder etwa, ob es entlang der Strassen im eigenen Viertel brauchbare Radwege gibt. Nach einer Prüfung auf Plausibilität hin würden die Angaben veröffentlicht und somit auch für andere Nutzer der Google-Dienste einsehbar.

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