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Protestbewegung als «Facebook-Revolution»?

Die jüngsten Umsturzbewegungen im Nahen Osten sind nach Meinung der Politologin Cilja Harders Ausdruck einer neuen Form gesellschaftlicher Mobilisierung.

Die dezentral organisierten Demonstranten in Ägypten haben nach Einschätzung der Politologin Cilja Harders inzwischen «eine kritische Masse erreicht» - auch dank sozialen Netzwerken.
Die dezentral organisierten Demonstranten in Ägypten haben nach Einschätzung der Politologin Cilja Harders inzwischen «eine kritische Masse erreicht» - auch dank sozialen Netzwerken.

Die jüngsten Umsturzbewegungen im Nahen Osten sind nach Meinung der Politologin Cilja Harders Ausdruck einer neuen Form gesellschaftlicher Mobilisierung. «Die Bewegung in Kairo etwa ist sehr breit und hat keine hierarchischen Führungsstrukturen», sagte die Ägypten-Expertin der Freien Universität Berlin der Nachrichtenagentur DAPD. «Das macht sie attraktiv für junge Ägypter, die dem Regime Korruption vorwerfen.» Angesichts der Vernetzung zwischen den Demonstranten über soziale Online-Netzwerke und Handys sprach Harders von einer regelrechten «Facebook-Revolution».

«Das Spannende an den Protesten in Ägypten und Tunesien ist, dass die Opposition in beiden autoritären Staaten eigentlich strukturell sehr schwach ist», sagte Harders. Als Rückgrat der Protestbewegung sieht sie vor allem die junge, gebildete Mittelschicht, die nach politischen Mitsprachemöglichkeiten sucht.

Verschiedene Szenarien

Für die bisherige Zurückhaltung des Militärs in Ägypten sieht Harders zwei mögliche Gründe: «Entweder wir steuern auf ein iranisches Szenario mit viel Gewalt zu und auf einen letzten Versuch, alles niederzuknüppeln.» Oder aber das Militär verabschiede sich allmählich von Staatspräsident Hosni Mubarak, «so wie es sich zuvor bereits vom tunesischen Präsidenten Ben Ali verabschiedet hat». Die dezentral organisierten Demonstranten in Ägypten haben nach Einschätzung Harders inzwischen jedenfalls «eine kritische Masse erreicht», deren Proteste nur noch schwierig niederzuschlagen sind.

«Dass es so schnell gehen würde, war nicht klar»

Von der grenzüberschreitenden Folgewirkung der Auflehnung in Tunis wurde Harders nach eigenen Worten überrascht: «Dass das eine Katalysatorwirkung entfalten würde, habe ich vermutet. Dass es so schnell gehen würde, war nicht klar.» Jedoch hätten auch Zufälle und regionale Besonderheiten eine wichtige Rolle gespielt. So sei etwa der 25. Januar in Ägypten schon seit Jahren als Protesttag bekannt. Und die Demonstrationen im Jemen hätten auch mit dem Versuch der Staatsspitze zu tun, die Verfassung zu ändern, um Ali Abdullah Saleh eine lebenslange Präsidentschaft zu ermöglichen.

dapd/rek

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