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Osama Bin Laden verschickte Tausende E-Mails

Nur mündlich per Kurier kommuniziert? Falsch: Osama Bin Laden benutzte das Internet, ohne Spuren zu hinterlassen. Mit Geduld und Disziplin – und mit einer Sicherheitsschlaufe.

Im Innern der Villa: Videoaufnahmen des Fernsehsenders ABC zeigen ein Schlafzimmer von Osama Bin Ladens Unterschlupf. (2. Mai 2011)
Im Innern der Villa: Videoaufnahmen des Fernsehsenders ABC zeigen ein Schlafzimmer von Osama Bin Ladens Unterschlupf. (2. Mai 2011)
Keystone
Das Schlafzimmer mit einem grossen Bett hat nur eine Reihe schmaler Fenster.
Das Schlafzimmer mit einem grossen Bett hat nur eine Reihe schmaler Fenster.
Keystone
Einer der Söhne Osama Bin Ladens, Omar Bin Laden, in Saudiarabien im Jahr 2007.
Einer der Söhne Osama Bin Ladens, Omar Bin Laden, in Saudiarabien im Jahr 2007.
Reuters
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Terror-Chef Bin Laden verzichtete auf Telefon- und Internetanschluss. Mit seinen Anhängern pflege er aber trotzdem einen intensiven E-Mail-Wechsel, ohne dass die US-Geheimdienste seinen Aufenthaltsort ermitteln konnten. Sein System war mühsam und langsam, aber es funktionierte – viele Jahre lang.

Wie Bin Laden arbeitete, erfuhr die Nachrichtenagentur AP von einem Mitarbeiter der Terrorabwehr und einer zweiten Person, die mit den Ermittlungen vertraut ist. Die Versuche westlicher Geheimdienste, ihm im Internet auf die Spur zu kommen, liess Bin Laden ins Leere laufen. Sein System beruhte auf Disziplin und Vertrauen. Aber zurück blieb auch ein riesiges Archiv von einem umfangreichen E-Mail-Wechsel mit Tausenden Mitteilungen und Hunderten Mail-Adressen, das die USA nun durchforsten. Es fiel ihnen in die Hände, als Bin Laden bei der Kommandoaktion Anfang des Monats in seinem Haus erschossen wurde.

Kuriere und USB-Sticks

Bin Laden tippte seine Nachrichten auf einem Computer ohne Internetanschluss, speicherte sie dann auf einem USB-Stick und gab diesen einem vertrauenswürdigen Kurier. Der fuhr dann in ein weiter entferntes Internet-Cafe, wo die Nachrichten auf einem Computer in die E-Mails kopiert und abgeschickt wurden. Umgekehrt kopierte der Kurier auch E-Mails an Bin Laden auf den USB-Stick und brachte sie dem Al-Qaida-Führer.

Es war eine langsame Methode, aber sie wurde so akribisch durchgeführt, dass Geheimdienstexperten immer noch staunen, dass Bin Laden es so lange Zeit durchhielt. Die USA hatten schon immer vermutet, dass Bin Laden über Kuriere kommunizierte, aber sie hatten nicht mit einem solchen Umfang gerechnet, wie er jetzt deutlich wurde. Die Kommandoeinheit stellte in Bin Ladens Haus rund hundert USB-Sticks sicher.

Fahnder hoffen auf Nervosität bei Terroristen

Da die Al-Qaida-Mitglieder immer wieder ihre E-Mail-Adressen wechseln, ist unklar, wie viele nun noch aktiv sind. Aber die zahlreichen gefundenen Adressen und Telefonnummern dürften zu etlichen Verfügungen bei Internet-Providern führen, um dem Al-Qaida-Netzwerk auf die Spur zu kommen.

Bislang sind die Ermittler bei der Analyse der Daten wohl noch auf keine neuen Terrorpläne gestossen, aber die gefundenen Daten zeigen doch, dass Bin Laden deutlich länger aktiv in die Al-Qaida-Planungen involviert war, als bislang vermutet wurde. Aber der Datenfund wird auch dazu führen, dass die Terroristen jetzt ihre Vorgehensweise ändern müssen, was sie vielleicht zu Fehlern zwingt und ihre Entdeckung erleichtert.

dapd/rub

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