Googles amerikanisches Street-View-Desaster

Der Suchmaschinenkonzern bekommt wegen seiner datensammelnden Autos auch im Heimatland Ärger: Die US-Regulationsbehörde FCC hat eine Untersuchung eingeleitet.

Muss sich erklären: Google-Chef Eric Schmidt.

Muss sich erklären: Google-Chef Eric Schmidt.

(Bild: Reuters)

Die US-Telekommunikationsbehörde (FCC) hat eine Untersuchung gegen den Internetriesen Google eingeleitet. Die Behörde prüft, ob das Unternehmen gegen US-Gesetze verstossen hat, als es Tausende E-Mails, Passwörter und andere private Daten sammelte, die über ungesicherte WLAN-Anschlüsse verschickt wurden. Die Daten waren während der Kamerafahrten für den Dienst Street View aufgefangen worden.

Verfrühtes Aufatmen

Erst vor zwei Wochen hatte die US-Handelsbehörde (FTC) ihrerseits Untersuchungen zu dem Fall abgeschlossen. Es blieb bei einer Kritik an Google. Die Untersuchung durch die FCC, die seit Mittwoch läuft, soll klären, ob Google gegen ein US-Gesetz verstossen hat, das die unbefugte Veröffentlichung oder Nutzung von Daten, die über Funknetze abgefangen wurden, verbietet.

Google hat nach eigenen Angaben etwa 600 Gigabyte Daten gesammelt. Die Daten sollen umgehend gelöscht werden, sobald das Unternehmen in allen 30 Ländern eine entsprechende Genehmigung erhält.

Ärger auch in Japan

Nicht nur im Heimatland hat Google derzeit Probleme mit den Behörden: Die japanische Justiz hat wegen eines unerlaubt im Internet veröffentlichten Videos am Sitz des Internetriesen Google in Tokio mehrere Nutzerdaten beschlagnahmt. Einem Bericht des öffentlichen TV-Senders NHK zufolge leitete die Staatsanwaltschaft Ermittlungen ein, um diejenigen zu finden, die den Film auf die Internetplattform Youtube stellten.

Das Video zeigt den Zusammenstoss eines chinesischen Fischerbootes mit zwei japanischen Patrouillenbooten Anfang September nahe einer umstrittenen Inselkette, der zu einer schweren diplomatischen Krise zwischen beiden Ländern geführt hatte. Google ist Eigentümer von Youtube. NHK zufolge wurde der 44-minütige offenbar von der Küstenwache gestohlene Film vor vier Tagen bei Youtube eingestellt.

Ermittler sind scharf auf IP-Adressen

Japan bestätigte die Echtheit der Aufnahmen, die bislang nur die japanische Regierung, Sicherheitsbeamte und einige Abgeordnete sehen durften. Die Ermittler wollen nun sämtliche IP-Adressen der Nutzer von Youtube untersuchen, um herauszufinden, wer das Video ins Internet stellte. Google selbst wollte sich zu dem Fall nicht äussern.

Nach dem Zusammenstoss der Boote hatte die japanische Marine den Kapitän und seine Mannschaft festgenommen. Nach harschen Reaktionen aus China wurde die Mannschaft einige Tage später wieder freigelassen, der Kapitän aber blieb noch einige Wochen lang in Gewahrsam. Inzwischen ist er auch wieder in China.

rek/dapd/afp

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