«Ein Team von bestens ausgebildeten Affen»

Google verschreckt Anleger und weckt unangenehme Erinnerungen an den Facebook-Börsengang. Kurzzeitig brach auch noch Googles Videoportal Youtube zusammen. Was ist los in Mountain View?

Hat sich für die Panne mit der vorzeitigen Veröffentlichung des aktuellen Quartalsberichts entschuldigt: Google-Chef Larry Page.

Hat sich für die Panne mit der vorzeitigen Veröffentlichung des aktuellen Quartalsberichts entschuldigt: Google-Chef Larry Page.

(Bild: Reuters)

Die Aktie fiel am Donnerstag zeitweise mehr als zehn Prozent, nachdem der Internetgigant – Stunden eher als geplant – einen Gewinneinbruch um 20 Prozent ausgewiesen hatte (baz.ch/Newsnet berichtete).

Als ob der Internetkonzern Google nicht schon genug Ärger am Hals gehabt hätte, da brach auch noch sein Videoportal Youtube zusammen. Am Donnerstagabend Schweizer Zeit war beim Aufrufen der Website nur eine Fehlermeldung zu sehen: «500 Internal Server Error. Etwas ist falsch gelaufen. Ein Team von bestens ausgebildeten Affen ist ausgesandt worden, um die Situation unter Kontrolle zu bringen.» Nach wenigen Minuten lief Youtube wieder.

Schwache Zahlen

Das Kerngeschäft Werbung wuchs langsamer und erstaunte Investoren, die vom Internetriesen ein rapides Wachstum gewohnt sind. Auch beim Umsatz blieb der Konzern deutlich unter den Erwartungen. Die Kalifornier machten ihren Dienstleister RR Donnelley für die Panne verantwortlich, bestätigten die Zahlen aber.

Der chaotische Verlauf weckte Erinnerungen an das Facebook-Debüt, bei dem technische Pannen Anleger ebenfalls verunsichert hatten und zu deutlichen Verlusten führten. Börsianer hätten zuerst die Aktien verkauft und erst dann Fragen gestellt, hiess es von Händlern. Die Zahlen seien zwar schwach, aber nicht so schlecht, wie sie auf den ersten Blick erschienen seien.

Analysten zeigten sich dennoch enttäuscht: Das Kerngeschäft habe sich deutlich verlangsamt, das sei schockierend, so ein Experte. Offenbar würden die Nutzer mehr und mehr ohne Google suchen – etwa mit Apps auf Smartphones.

Weniger Werbeeinnahmen

Google hat wie viele andere Internetunternehmen Probleme, den raschen Nutzerumschwung weg von festen Geräten hin zu Smartphones und Tablet-Computern aufzufangen. Das macht sich in der Bilanz bemerkbar: Werbekunden zahlen wesentlich weniger für Anzeigen auf den Mobilgeräten als auf herkömmlichen PCs.

Der durchschnittliche Preis, den Google von Werbekunden pro Klick erhielt, fiel gegenüber dem Vorjahr um 15 Prozent. Im Vergleich zum Vorquartal stand ein Minus von drei Prozent. Der für Internetkonzerne entscheidende Wert fiel bereits das vierte Quartal in Folge.

Unter dem Strich brach der Gewinn im dritten Quartal auf 2,18 Milliarden Dollar ein. Ohne bestimmte Sonderposten verdiente Google demnach 9.03 Dollar je Anteilsschein – deutlich weniger als die von Analysten erwarteten 10.65 Dollar. Der Netto-Umsatz betrug 11,3 Milliarden Dollar. Zudem macht der erst vor kurzem erworbene Handyhersteller Motorola Mobility weiter Verluste.

Larry sagt sorry

Die frühzeitige Veröffentlichung sorgte für Erstaunen. Google erklärte, das damit beauftragte Unternehmen RR Donnelley habe die Erklärung ohne Freigabe abgeschickt. Ursache sei vermutlich menschliches Versagen gewesen, sagte der Chef der Firma, Tom Quinlan, dem «Wall Street Journal». Es werde noch untersucht, was genau passiert sei.

Das Dokument war offensichtlich noch nicht versandfähig. Im zweiten Absatz der Presseerklärung war ein Feld freigelassen, in das ein «Zitat von Larry» eingefügt werden sollte. Gemeint war offenbar Konzernchef Larry Page.

Dieser hat sich umgehend für die Panne mit der vorzeitigen Veröffentlichung des aktuellen Quartalsberichts entschuldigt. Er bedauere das Durcheinander, sagte Page in einer Telefonkonferenz nach US-Börsenschluss am Donnerstag.

Die Aktie drehte in New York teilweise ganze Indizes und zog Technologiewerte mit nach unten. Das Papier ging mit einem Minus von acht Prozent bei 695 Dollar aus dem Handel.

rek/sda

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