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Ein Schweizer macht Google Konkurrenz

Von Luzern aus verantwortet Bernard Lukey die europäischen Geschäfte von Yandex, der russischen Antwort auf Google. Der Waadtländer zählt bereits zu den 100 einflussreichsten Unternehmern in Russland.

Kenner von zwei Welten: Bernard Lukey in Montreux. (15. Juli 2013)
Kenner von zwei Welten: Bernard Lukey in Montreux. (15. Juli 2013)
Keystone

Seine Familie war oft auf der Flucht: Die Grossmutter emigrierte wegen der Revolution von Odessa nach Berlin. Im Zweiten Weltkrieg flüchtete die Familie nach Österreich und dann in die Schweiz. So wurde Bernard Lukey 1969 in Blonay VD geboren.

Von der russischen Geschichte und Kultur fasziniert, lernte der studierte Politologe die Sprache von Puschkin. Er trat in die Dienste von Nestlé, wo er 1996 beim Moskauer Ableger des Nahrungsmittelmultis anheuerte.

«In den ersten beiden Jahren ist die Gesellschaft enorm gewachsen», erzählt Lukey. «Dann hat die Abwertung des Rubel 1998 die Situation total verändert. Die Preise für Importgüter stiegen über Nacht um 200 Prozent.» Nestlé sei trotzdem geblieben und habe vermehrt lokal zu produzieren begonnen.

Investitionen in Internetfirmen

Im Jahr 2000 wechselte Lukey zu einem der grössten Fonds des Landes für Investitionen in nicht-kotierte Firmen. Dieser besass unter anderem die russische Internetsuchmaschine Yandex. Zugleich setzte Lukey auf den Onlinehandel und investierte in das damalige Jungunternehmen Ozon. Die Firma aus St. Petersburg gilt heute als russisches Amazon.

Um bei seinen kleinen Kindern zu sein, ging Lukey 2002 zurück nach Blonay VD, zur Nestlé-Tochter Nespresso. Vier Jahre später zog es Lukey wieder in den Osten und die Familie siedelte nach Moskau über.

Lukey übernahm die Leitung von Ozon, welche, dem Beispiel von Amazon folgend, die Produktpalette rasant ausweitete. «Der russische Markt ist speziell, wegen der langsamen Post und weil die Russen nicht mit Kreditkarten bezahlen», erklärt Lukey.

Einziger Ausländer in Top 100

Deshalb baute Ozon ein eigenes Verteilnetz auf und führte das Prinzip «Cash on delivery» ein, also die Barbezahlung bei der Warenübergabe. Angesichts des Erfolgs, nahm das Magazin «Kommersant» Lukey 2010 in den Kreis der 100 einflussreichsten Patrons in Russland auf, als einzigen Ausländer auf der Liste.

Während Lukey Präsident von Ozon blieb, stiess er 2011 zur Internetsuchmaschine Yandex, wo er in Luzern eine Schweizer Filiale eröffnete und Generaldirektor für Europa wurde.

Die ausserhalb des russischen Sprachraumes noch wenig bekannte Firma war Ende der 1990er-Jahre von Arkadi Volozh gegründet worden. Volozh ist inzwischen Milliardär und Yandex hat nach eigenen Angaben als weltweit viertgrösste Internetsuchmaschine in Russland einen Marktanteil von 62 Prozent. Das Unternehmen ist an der New Yorker Börse Nasdaq kotiert, ihre Marktbewertung ist 2012 um 44 Prozent auf 947 Millionen Dollar gestiegen.

In Russland benutzen täglich 12 Millionen Internetsurfer die Suchmaschinen mit ihren Karten, Wörterbüchern und weiteren Diensten. Einnahmen generiert sie vornehmlich aus Anzeigen, die mit Suchbegriffen verbunden werden, wie Lukey erklärt.

Neue Märkte

Von Luzern aus will Lukey ausserhalb Russland expandieren und auch europäische Kunden gewinnen, beispielsweise Unternehmen aus Tourismus, Luxusgüterindustrie und Handel.

Neben Russland würden nur drei Länder im Suchmaschinengeschäft nicht von Google dominiert: In China ist Baidu Marktführer, in Südkorea Naver und in Tschechien Cessna. Yandex könne sich weltweit als ernstzunehmender Konkurrent von Google positionieren, sagt Lukey. Derzeit werde etwa der türkische Markt getestet.

SDA/kle

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