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Der neue Drogenschwarzmarkt im geheimen Internet

Das nächste «Silk Road»? Ein neuer Drogenmarkt öffnet seine Pforten im Hinterhof des Internets. Ein Augenschein.

Elegant und voller Drogen: So sieht die Front des Schwarzmarkts aus. (30.04.2015)
Elegant und voller Drogen: So sieht die Front des Schwarzmarkts aus. (30.04.2015)
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Das Internet ist ein faszinierender und schillernder Ort, ein Ort, der durch seine anarchistischen Strukturen und die nahezu komplette Rechtsfreiheit immer wieder eigene Fabeln spinnt. Eine dieser Fabeln ist die vom Deep Web, manchmal auch Hidden Web, also «verstecktes Netz» genannt.

In diesem Versteck tagen die Sündenkönige des Internets, illegale Geschäfte haben Hochkonjunktur, die Kriminalität blüht – genauso wie die Fantasie derjenigen, die davon erzählen, und manche schwärmen sogar. Ob zum Beispiel die Geschichten von geheimen Staatsdokumenten, die im Deep Web herumschwirren, wahr und ob diese Dokumente, falls sie denn existieren würden, authentisch sind, ist kaum zu klären. Und kann man wirklich einen Auftragsmörder bequem per Internet bestellen?

Das Erbe des Schreckenspiraten

Eine der wahren Geschichten aber handelt vom Schreckenspiraten Roberts, «Dread Pirate Roberts». Der Amerikaner Ross Ulbricht, einer der Inhaber dieser angeblich kollektiven Identität (siehe Box), sitzt mittlerweile hinter Schloss und Riegel. Wegen liberalideologisch gefärbter Tätigkeiten, die plötzlich im Mörderischen endeten – Silk Road heisst beziehungsweise hiess das Drogenimperium von Ulbricht und möglichen Komplizen. Die Inhaftierung des Drogenbarons war ein regelrechter Coup der Polizei. Und programmatisch für das Drogen-Ricardo. «Egal, ob man DPR inhaftiert oder nicht, Silk Road wird immer weiterbestehen», hiess es in den einschlägigen Online-Communitys.

Die kollektive Identität des «Dread Pirate Roberts» «Dread Pirate Roberts» ist eine kollektive Identität, inspiriert vom Mantel-und-Degen-Film «Die Braut des Prinzen». Roberts ist im Film ein legendärer Pirat, der auf allen Weltmeeren gefürchtet ist. Roberts ist allerdings kein einzelner Mann, sondern verschiedene Piraten, die diesen Titel, diese Identität, dem nächsten weitergeben. «Niemand fürchtet sich vor ‹Dread Pirate Westley›», verrät einer der Protagonisten des Films im Laufe der Geschichte. Vor «Dread Pirate Roberts» aber schon – diesen berüchtigten Ruf wollten sich Ulbricht und mögliche andere Betreiber zunutze machen. Beweise für mehrere Betreiber konnten bislang aber nicht erbracht werden.

Und obwohl momentan keine Version von Silk Road online ist, trifft diese Prophezeiung mindestens für die Idee dahinter zu. Absolem, benannt nach der blauen, Wasserpfeife rauchenden Raupe aus «Alice im Wunderland», ist der neuste Drogenumschlagplatz im Netz. Und vielleicht das nächste richtig grosse Ding, sind doch die User vom Programmcode dahinter begeistert: «Das könnte der eine sein, Leute. Ich kann bis jetzt keine Fehler finden», kommentiert einer, «Irrsinnig raffiniert», ein anderer.

Mit wenigen Klicks und verschlüsseltem Geld

Noch ist Absolem, offiziell seit vorgestern online, relativ leer. Heroin, Kokain oder LSD ist noch nicht im Drogenkatalog verfügbar. Wer sich mit Cannabis oder halluzinogenen Pilzen eindecken will, wird aber schon nach Sekunden fündig. Verschiedene Verkäufer bieten ihre Waren feil – inklusive Dosierungsangaben, Beschreibungen zur Wirkung und so weiter.

Besonders beliebt – und einfach erhältlich – ist Cannabis. (Screenshot)
Besonders beliebt – und einfach erhältlich – ist Cannabis. (Screenshot)

Wie bei Ebay oder Ricardo können die Händler bewertet werden. So wollen Betreiber und Community die Qualität der Drogen sicherstellen. Mit Bitcoins, einer elektronisch verschlüsselten Währung, bezahlen die Kunden vollkommen anonym, trotzdem natürlich mit gewissem Risiko. Schummrige Gassen und gestreckte Stoffe müssen die willigen Konsumenten nicht auf sich nehmen – einer der Hauptgründe, warum diese Art von Onlinemärkten derart boomt.

Nicht der einzige Schwarzmarkt

Mit einem normalen Browser kann Absolem – und generell das Deep Web – nicht angesteuert werden. Dazu braucht man einen speziellen Browser, der an der University of Cambridge entwickelt und von mehreren Abteilungen des US-Militärs unterstützt wurde. Der Browser anonymisiert Verbindungsdaten – kein Wunder also, dass Kriminalität in diesem Netzwerk floriert.

Absolem ist aber nicht der einzige Schwarzmarkt. Auch Märkte wie Alpha Bay, Agora oder Blackbank verkaufen allerlei Tand, allerdings mit Fokus auf Pharmazeutika und Chemikalien. Viele verschiedene Schwarzmärkte für Drogen? Und dann noch an einem derart obskuren Ort im Internet – gibt es da überhaupt eine Nachfrage? Ja. Blackbank zum Beispiel erreichte vor knapp zwei Wochen erstmals die Schranke von 100'000 Mitgliedern. Zum Vergleich: Das ist ungefähr die ganze Bevölkerung der Stadt Winterthur.

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