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Daten im Kommandobunker

Ein ehemaliger atomsicherer Bunker der Schweizer Armee dient heute als Datencenter. Redaktion Tamedia konnte die Anlage in Attinghausen UR besichtigen. Auch andere Bunker werden als Rechenzentrum genutzt.

Blick auf den Bunkereingang. Die Anlage wurde zuletzt von der Schweizer Luftwaffe genutzt, 2007 aber an Radix verkauft. Seit Januar 2011 nutzt das Unternehmen Teile der Anlage als Datencenter.
Blick auf den Bunkereingang. Die Anlage wurde zuletzt von der Schweizer Luftwaffe genutzt, 2007 aber an Radix verkauft. Seit Januar 2011 nutzt das Unternehmen Teile der Anlage als Datencenter.
Anatol Heib
Schiessscharte aus Armeezeiten.
Schiessscharte aus Armeezeiten.
Anatol Heib
Überall sind Überwachungskameras angebracht.
Überall sind Überwachungskameras angebracht.
Anatol Heib
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Der IT-Dienstleister Radix betreibt hier in einem Bunker seit 2011 ein Rechenzentrum, wo Firmen ihre Daten speichern können. Medien hatten am Mittwoch die Gelegenheit, die Anlage zu besichtigten. Die Armeeführung installierte hier nach dem Zweiten Weltkrieg einen geheimen Kommandoposten, den Bunker K7 der Schweizer Luftwaffe. Er wurde 270 Meter tief in den Berg gebaut und erstreckt sich über drei Komplexe zu je drei Etagen.

Der Bunker gilt als atomsicher und auch sonst hat die Schweizer Armee beim Bau dafür gesorgt, dass die Anlage den hohen Sicherheitsansprüchen genügt. Auch heute sind die Sicherheitsmassnahmen hoch. Erst nach drei Schleusen gelangt man überhaupt ins Innere. Die ganze Anlage wird mit Videokameras überwacht. Auch andere Unternehmen wie zum Beispiel die Siag Secure Infostore AG betreiben in Bunkern Rechenzentren (siehe Infobox).

Bunker für acht Millionen Franken angepasst

Die Fläche umfasst 20'000 Quadratmeter, 8000 davon werden von Details als Datencenter genutzt. Vier Angestellte tun hier ihren Dienst. Der Umbau für die IT-Zwecke hat acht Millionen Franken gekostet. Radix hat den Bunker 2007 gekauft. Was man dafür bezahlt hat, wollte CEO Stéphan Grouitch am Rundgang nicht verraten. Greenbyte.ch berichtete im November 2011, dass es «mehr als eine Million» gewesen sei.

Das Datencenter wird mit kalter Bergluft gekühlt. Der Bunker hat direkten Anschluss ans Grundwasser. In zwei Wasserbecken wird das Kühlwasser für die Serverräume gesammelt. Strom kauft Radix nur aus Wasserkraft.

Auf der Europakarte existiert die DDR noch

Es ist kühl im Bunker, der schon 70 Jahre alt ist. Die Anlage ist geprägt von langen Gängen. Viele Räume sind leer, wir gehen an tonnenschweren Stahltüren vorbei, die sogar einen Atomschlag aushalten sollen, entdecken eine Post, laufen durch eine grosse Küche und landen schliesslich auch in der Kommandozentrale. Hier ist die Zeit stehen geblieben: Auf den grossformatigen Landkarten sind Einheiten platziert, auf der Europakarte existiert sogar noch die DDR und das geteilte Berlin.

In einem anderen Raum steht eine speziell gesicherte, abhörsichere Kommunikationsbox – der direkte Draht zum Bundesrat. Im Bunker mit eigener Wasserversorgung und Luftzirkulation könnte man über Monate überleben. Sogar ein kleines Spital ist vorhanden und man ist auch gegen Angriffe vor chemischen Waffen geschützt. Alle diese militärischen Bereiche werden nicht direkt genutzt, aber in Schuss gehalten.

Tief im Innern der Anlage befinden sich schliesslich die Serverräume. Derzeit nutzen in dieser Anlage 25 Kunden die Datenspeicherdienste von Details. Das Unternehmen hat vor allem Grossfirmen im Visier, so befinden sich unter den Kunden eine Grossbank, ein internationaler Pharmakonzern. Namen will man keine nennen. 125 Server sind derzeit in Betrieb.

Die Luftfeuchtigkeit ist hier im Gegensatz zu anderen Bunkeranlagen kein Problem. Bereits in den 60er-Jahren wurden hier von der Armee Flugabwehr-Grossrechner und digitale Daten und gelagert, entsprechend gut ist die Infrastruktur der gesamten Anlage.

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