Zum Hauptinhalt springen

Assange veröffentlicht Dokumente ungeschwärzt

Nach der schweren Datenpanne um geheime US-Depeschen hat Wikileaks-Gründer Julian Assange die Flucht nach vorn angetreten. Er hat 250'000 heikle Botschaftsakten gleich selber ins Netz gestellt – ungeschwärzt.

Kann zur angeblichen Vergewaltigung befragt werden: Julian Assange vor dem Prozess. (24. Februar 2011)
Kann zur angeblichen Vergewaltigung befragt werden: Julian Assange vor dem Prozess. (24. Februar 2011)
Keystone
Kämpfte mit allen Mitteln gegen seine Auslieferung: Julian Assange.  (7. Februar 2011)
Kämpfte mit allen Mitteln gegen seine Auslieferung: Julian Assange. (7. Februar 2011)
Keystone
Hoffte vergeblich darauf, dass er nach Australien zurückkehren kann.  (7. Februar 2011)
Hoffte vergeblich darauf, dass er nach Australien zurückkehren kann. (7. Februar 2011)
Reuters
1 / 4

Über seine Enthüllungsplattform Wikileaks ist seit der Nacht ein kompletter Datensatz mit mehr als 250'000 Dokumenten abrufbar. Damit sind nun auch die Namen von Informanten der US-Botschaften öffentlich, die teilweise sensible Informationen lieferten.

Ursprünglich hatten Wikileaks-Gründer Julian Assange und seine Medienpartner wie «Der Spiegel» sich darauf geeinigt, die Namen von Informanten, deren Sicherheit durch eine Veröffentlichung gefährdet werden könnte, zu schwärzen. Allerdings geriet die verschlüsselte Datei mit den ungeschwärzten Namen in Umlauf.

Ausserdem veröffentliche der britische Journalist David Leigh in einem Buch über Wikileaks das Passwort zur Entschlüsselung der Botschafts-Telegramme. Der Mitarbeiter der britischen Zeitung «The Guardian» hatte die sensiblen Daten von Wikileaks erhalten, als die Enthüllungsplattform und der «Guardian» noch in einer Medienpartnerschaft verbunden waren. Nach mehreren kritischen Artikeln im «Guardian» über die Vergewaltigungsvorwürfe gegen Assange brach diese Kooperation jedoch auseinander.

Gegenseitige Vorwürfe

Inzwischen überziehen sich Leigh und Assange gegenseitig mit Vorwürfen. Leigh rechtfertigte am Donnerstag die Veröffentlichung des Passworts in seinem Buch mit dem Hinweis, er sei davon ausgegangen, dass es damals nur für wenige Stunden gültig gewesen sei. Die verschlüsselte Datei mit den 250'000 US-Depeschen kursiert schon seit geraumer Zeit im Netz. Ein Mitarbeiter von Assange soll sie am 7. Dezember 2010 über die Filesharing-Website Pirate Bay über das Bittorrent-Protokoll verbreitet haben.

An diesem Tag hatte sich Assange in London der Polizei gestellt, nachdem wegen der Vergewaltigungsvorwürfe in Schweden mit einem Haftbefehl nach ihm gesucht wurde. Die über Bittorrent verteilte Datei konnte mit dem Passwort entschlüsselt werden, das Assange dem «Guardian»-Journalisten Leigh genannt und dieser später in seinem Buch veröffentlicht hatte.

Die Medienpartner von Wikileaks verurteilten die Veröffentlichung ungeschwärzter US-Diplomatendepeschen durch die Enthüllungsplattform scharf. Sie bedauerten die Entscheidung von Wikileaks, die unbearbeiteten Depeschen zu veröffentlichen, hiess es in einer gemeinsamen Erklärung, die die Zeitungen «Guardian», «New York Times» und «El País» sowie das Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» veröffentlichten.

Interner Streit bei Wikileaks

Der Streit über den Umgang mit den sensiblen Daten aus dem US-Aussenministerium führte auch zum Bruch zwischen Wikileaks-Gründer Julian Assange und Daniel Domscheit-Berg. Der deutsche Netzaktivist war einst ein enger Mitarbeiter von Assange und trat mit ihm monatelang bei öffentlichen Präsentationen der Enthüllungsplattform gemeinsam auf.

Nach dem Bruch des Vertrauensverhältnisses warf Domscheit-Berg dem Wikileaks-Gründer einen viel zu sorglosen Umgang mit den geheimen Daten vor.

So sei Assange «zu faul» gewesen, für die Übergabe der Daten an die ausgewählten Medienpartner eigene Versionen der verschlüsselten Datei mit jeweils individuellen Passwörtern anzulegen. Assange wiederum beschuldigt Domscheit-Berg, selbst entscheidend zum Leck der Daten beigetragen und in seinem Wikileaks-Buch sensible Interna ausgeplaudert zu haben.

SDA/kpn

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch