Auch Merkel von Hackerangriff betroffen

Private Chats, Briefe und Adresslisten von deutschen Politikern sollen im Internet aufgetaucht sein. Wer hinter der Attacke steht, ist noch unklar.

Hunderte deutsche Politiker wurden Opfer eines Hackerangriffs. (Archiv)

Hunderte deutsche Politiker wurden Opfer eines Hackerangriffs. (Archiv)

(Bild: Keystone Silas Stein)

Unbekannte haben persönliche Daten und Dokumente von Hunderten deutschen Politikern, anderen Prominenten und Journalisten im Internet veröffentlicht. Sprecher des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) und des Bundesamts für Verfassungsschutz (BFV) sagten der Nachrichtenagentur AFP am Freitag, die Behörden seien mit dem Vorgang befasst. Auch Angela Merkel ist augenscheinlich von dem Cyberangriff betroffen. Es seien aber keine sensiblen Daten des Kanzleramts veröffentlicht worden. Das sagte Vize-Regierungssprecherin Martina Fietz am Freitag. Das gelte auch für die Kanzlerin.

Ein BSI-Sprecher sagte AFP, seine Behörde prüfe den Vorgang in Zusammenarbeit mit weiteren Behörden «intensiv». Das BFV sichtet derzeit das veröffentlichte Material, wie eine Sprecherin AFP sagte. Das Nationale Cyber-Abwehrzentrum übernahm den Sprechern zufolge die zentrale Koordination zu dem Fall.

Die unbekannten Datendiebe veröffentlichten Links zu ihrer Beute über den Kurzbotschaftendienst Twitter. Unter anderem sind dort E-Mail-Adressen und eine Faxnummer von Merkel zu finden. Inwieweit die Daten allesamt authentisch sind, blieb zunächst unklar. Offenbar sind von dem Hackerangriff alle im Bundestag vertretenen Parteien mit Ausnahme der AfD betroffen, also CDU/CSU, SPD, Grüne, Linke und die FDP.

Auch Kreditkarteninformationen veröffentlicht

Neben privaten Chats, abgelichteten Personalausweisen und Briefen wurden dem RBB und der «Bild»-Zeitung zufolge auch Kreditkarteninformationen veröffentlicht. Auch fänden sich parteiinterne Dokumente wie interne Kommunikation und Adress- und Mitgliederlisten in dem Material. Verbreitet worden seien die Daten bereits vor Weihnachten, bemerkt worden sei dies aber erst am Donnerstagabend, berichtete der RBB.

Unter den Opfern des Hackerangriffs sind der «Bild»-Zeitung zufolge auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, die Moderatoren Jan Böhmermann und Christian Ehring, Bands und Künstler wie der Deutsch-Rapper Materia und die Band K.I.Z sowie Journalisten von ARD und ZDF. Der Zeitung zufolge kamen die Angreifer unter anderem bei Grünen-Chef Robert Habeck, SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil und Ex-SPD-Chef Sigmar Gabriel an besonders viele sensible Daten.

Erste Untersuchungen bei den betroffenen Parteien hätten ergeben, dass sich die Hacker möglicherweise Zugang über das E-Mail-Programm Outlook verschafften, schrieb die «Bild»-Zeitung weiter. Das BSI teilte auf Twitter mit, das Regierungsnetz sei nach bisherigen Erkenntnissen nicht betroffen.

Die «Heilbronner Stimme» berichtete, erste Bundestagsabgeordnete hätten wegen des Datendiebstahls Anzeige erstattet. Es gebe grossen Unmut, dass die Informationen über den Angriff nicht vom BSI oder vom Bundesamt für Verfassungsschutz an die Fraktionen herangetragen worden sei, sondern sie zuerst von Bürgern und dem Chaos Computer Club darauf aufmerksam gemacht worden seien. Einige Abgeordnete hätten intern bereits in den vergangenen Wochen über Hackerangriffe berichtet, unter anderem auf Facebook-Konten.

In der Vergangenheit hatte es bereits mehrmals Hackerangriffe auf deutsche Politiker gegeben. Auch das besonders geschützte Regierungsnetz wurde erfolgreich angegriffen.

sep/afp

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