Zum Hauptinhalt springen

Forscher lassen Dampf ab

Die ETH Zürich und die Universität Groningen haben ein Computermodell entwickelt, mit dem sich die öffentliche Meinungsbildung nachvollziehen lässt.

Warum bilden sich Gruppen mit unterschiedlichen Haltungen? Informatiker präsentieren ein realitätsnahes Modell. Als Inspiration diente ihnen die Art, wie bei der Kondensation von Wasserdampf Tröpfchen entstehen.
Warum bilden sich Gruppen mit unterschiedlichen Haltungen? Informatiker präsentieren ein realitätsnahes Modell. Als Inspiration diente ihnen die Art, wie bei der Kondensation von Wasserdampf Tröpfchen entstehen.

Wie sich die öffentliche Meinung bildet, ist oft schwierig nachzuvollziehen. Wegen der gegenseitigen soziale Beeinflussung nähern sich die Meinungen von Menschen an, wie die ETH Zürich am Montag mitteilte. Trotzdem bilden sich immer wieder Gruppen mit völlig unterschiedlichen Haltungen, etwa wenn es um Impfungen oder Atomkraft geht.

Bislang gelang es Wissenschaftlern nicht, dieses Phänomen mit Computersimulationen auf befriedigende Art abzubilden. Doch nun stellt ein Forschungsteam um Dirk Helbling, Professor für Soziologie an der ETH Zürich, im Fachmagazin «PLoS Computational Biology» ein realitätsnahes Modell vor. Als Inspiration diente dem Team die Art, wie bei der Kondensation von Wasserdampf Tröpfchen entstehen.

Hilfe aus der Physik

Die Forscher bedienen sich dazu eines Vorgangs aus der Physik: Wenn sich Wasserdampf abkühlt und dabei Tröpfchen bildet, wirken zwischen nahe beieinander liegenden Wassermolekülen stärkere Kräfte als zwischen weiter entfernten. Im Modell der Forscher hängt die Interaktion von Personen vom gegenseitigen Abstand im Meinungsraum ab.

Daneben sind aber auch Zufallsschwankungen bei der Meinungsbildung berücksichtigt. Die Forscher nahmen zum Beispiel an, dass das Bedürfnis nach Individualität steigt, wenn es viele Gleichgesinnte gibt. Wenn also zu viele Menschen die gleiche Meinung haben, nimmt ein Einzelner oft eine andere Position ein, um sich von der Masse abzuheben.

Bedrohter Pluralismus

Laut den Forschern zeigt das Modell auf, dass Meinungsvielfalt, wie sie für unsere Gesellschaft typisch ist, aus vielen Konstellationen entstehen kann. Es mache aber auch deutlich, dass der Pluralismus praktisch ständig bedroht ist von der Monokultur auf der einen und einem Zustand fehlender sozialer Normen und Regeln auf der andern Seite.

Gerade die Globalisierung und neuen Informationsmittel könnten den Herdentrieb in Zukunft verstärken, befürchten die Forscher. Nicht nur Medien und Werbung sondern auch das Internet gebe ständig Empfehlungen, was wir hören, sehen oder denken sollten.

SDA/rek

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch