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Kampf gegen AutoimmunkrankheitenDieses Startup will unheilbaren Krankheiten den Garaus machen

Die Basler Firma Polyneuron Pharmaceuticals will Autoimmunerkrankungen mithilfe von «Antibody-Catch» zu Leibe rücken. Nicht nur der CEO, auch Investoren sind optimistisch.

«Vielleicht profitiert dereinst einer meiner Freunde von den Wirkstoffen»: Ruben Herrendorff, CEO des Basler Start-up-Unternehmens Polyneuron Pharmaceuticals.
«Vielleicht profitiert dereinst einer meiner Freunde von den Wirkstoffen»: Ruben Herrendorff, CEO des Basler Start-up-Unternehmens Polyneuron Pharmaceuticals.
Bild: zVg

Wer seine Sensibilität an Armen und Beinen verliert, Nervenschmerzen verspürt oder die Koordination bis zur Gehbehinderung verliert, leidet möglicherweise an einer Neuropathie. Unter diesem Nervenleiden versteht man eine Vielfalt von Erkrankungen, die bis heute häufig nicht zufriedenstellend therapierbar, geschweige denn heilbar sind. Diese Krankheiten schreiten in vielen Fällen langsam voran, und die Betroffenen werden im täglichen Leben zunehmend eingeschränkt. Zuletzt sind sie auf vollständige Unterstützung angewiesen. Die Behandlungen, die heute zur Verfügung stehen, wirken meist wenig und können teilweise schwere Nebenwirkungen hervorrufen. Eine dieser Nervenkrankheiten ist die sogenannte Anti-MAG-Neuropathie.

Wenn Menschen an Muskelschwäche leiden, zumeist zuerst einseitig in einem Arm oder Bein, kann es sich um eine selten vorkommende, aber letztlich ebenso unheilbare Neuropathie handeln. Dabei können sich Feinmotorik, Greifvermögen und präzise Bewegungen verschlechtern. Diese Krankheit heisst Multifokale Motorische Neuropathie (MMN). Auch sie ist bislang nicht heil-, aber immerhin teilweise behandelbar.

Spin-off der Uni Basel

Das Basler Start-up-Unternehmen Polyneuron Pharmaceuticals mit seinen aktuell 15 Mitarbeitenden hat sich aufgemacht, Autoimmunkrankheiten den Garaus zu machen. Der heutige CEO und Pharmazeut Ruben Herrendorff hat die Firma 2014 als Spin-off des Departements für pharmazeutische Wissenschaften der Universität Basel gegründet. Mit von der Partie waren der aktuelle Chief Scientific Officer Pascal Hänggi sowie die beiden Professoren Beat Ernst und Andreas J. Steck, Spezialisten für autoimmun bedingte Nervenleiden.

Die Ursache der Erkrankungen liegt im körpereigenen Immunsystem, das mittels Zellen und Antikörpern Teile des eigenen Körpers bekämpft – in diesem Falle das periphere Nervensystem. Dabei entstehen chronisch entzündliche Prozesse. Weltweit sind derzeit 5 bis 8 Prozent der Bevölkerung von ungefähr 80 bis 100 verschiedenen Autoimmunkrankheiten betroffen. Sie bilden nach Herz-Kreislauf- und Tumorerkrankungen die dritthäufigste Erkrankungsgruppe. Am häufigsten treten Schuppenflechte, rheumatoide Arthritis und Schilddrüsenerkrankungen auf.

Das Zauberwort

Wie will Ruben Herrendorff diesen Autoimmunkrankheiten zu Leibe rücken? Das Zauberwort heisst «Antibody-Catch». Diese Technologie soll die schädlichen Antikörper gezielt binden und unschädlich machen, ohne gleichzeitig das Immunsystem zu hemmen. Ein erster Wirkstoff befindet sich bereits in der klinischen Phase. «Im letzten Jahr haben wir die Zulassung für eine Studie unseres ersten Produktes (gegen die eingangs erwähnte Anti-MAG-Neuropathie) erhalten. Ein zweites Produkt (gegen MMN) und eine bestimmte Form von Guillain-Barré-Syndrom (akutes Nervenleiden mit fortschreitenden Lähmungen innerhalb von Stunden bis Tagen) nähert sich der klinischen Anwendung», sagt Herrendorff.

Dass Polyneuron viel zugetraut wird, davon zeugen die bisher überzeichneten Finanzierungsrunden. Investoren haben das im Technologiepark Basel ansässige Start-up bislang mit 39,6 Millionen Franken finanziert. Überdies hat Venturelab, eine nationale Initiative für unternehmerische Ausbildung, Polyneuron auf eine Liste mit den 25 meistversprechenden Schweizer Start-ups gesetzt, die älter als fünf Jahre alt sind. Jüngst hat sich auch die an der Schweizer Börse kotierte HBM Healthcare Investments in die Reihe der Geldgeber eingereiht. Den 25 Start-ups wird das Potenzial zugesagt, künftig mit mehr als einer Milliarde Franken bewertet zu sein.

Medikamente gegen seltene Erkrankungen (Orphan Deseases) erhalten von den Behörden häufig früher als andere die Marktzulassung. Studien an Patienten dürfen früher durchgeführt werden. Die Entwicklung eines Medikaments kostet deshalb auch weniger. «Das macht seltene Indikationen für kleine Unternehmen wie uns attraktiv», sagt Herrendorff. «Vielleicht profitiert dereinst einer meiner Freunde von den Wirkstoffen von Polyneuron.» Der begeisterte Sportler leidet unter der Immunerkrankung rheumatoide Arthritis. Immerhin gibt ihm ein Cocktail aus Medikamenten, darunter auch Kortison, Lebensqualität zurück. Aber das kann nicht der Weisheit letzter Schluss sein. Schön, wenn es Herrendorff und Co. gelänge, den Auslöser auch dieser und anderer Autoimmunkrankheiten zu finden und zu zerstören. «Das dauert aber noch einige Jahre», dämpft Ruben Herrendorff kühne Erwartungen.

2 Kommentare
    Reto Huber

    Bitte sein Geschlecht Mann in den Fokus rücken. Macht ihr bei frauen auch, also los.