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Buechloch in ReinachDiese Waldlichtung hält die Bevölkerung in Atem

Seit Jahren scheitert die Gemeinde bei der Bebauung des Areals. Jetzt sollen fünf Mehrfamilienhäuser für Ruhe sorgen. Die Kritiker aber bleiben laut.

Am 7. März stimmt Reinach über den Quartierplan Buch-Hain ab.
Am 7. März stimmt Reinach über den Quartierplan Buch-Hain ab.
Foto: Pino Covino

In Reinach schlägt es fünf vor zwölf: In rund zwei Wochen stimmt die Baselbieter Gemeinde über den Quartierplan Buch-Hain und somit bereits zum siebten Mal über ein Bauprojekt auf dem Areal Buechloch ab. Wohl zu keiner anderen Waldlichtung haben die Bewohnerinnen und Bewohner ein solch emotionales Verhältnis. Dies hat sich in den vergangenen Monaten abermals gezeigt.

Auf dem brachen, 9818 Quadratmeter grossen Gebiet an der Grenze zu Therwil möchte die Gemeinde in den nächsten Monaten fünf ovale Gebäude mit rund 40 Wohnungen und einer Tiefgarage bauen. Durch ihre besondere Form und «den Fassaden in naturnaher Optik», wie es in der lokalen Abstimmungszeitung heisst, würden sich die Gebäude gut in die Umgebung eingliedern. Doch das Bauprojekt ist hoch umstritten.

2014 krachend gescheitert

Ein Blick in die Vergangenheit zeigt indes, dass die Debatten um das Buechloch schon immer polarisiert haben. Bereits in den 80er-Jahren wollte die Gemeinde auf dem Areal, das sich unmittelbar neben einem Naturschutzgebiet befindet, bauen. Doch sie scheiterte damals, wie auch bei allen folgenden Plänen, an der Urne. Zuletzt stimmten die Stimmbürger 2014 mit 73 Prozent gegen ein 40 Meter hohes Hochhaus.

Wegen des Totalabsturzes warfen die damaligen Landbesitzer den Bettel hin und verkauften das Areal vor rund fünf Jahren an die Fagus Immobilien AG aus Luzern. Diese entwarf ein moderateres Projekt, über das nun am 7. März abgestimmt wird.

Vielleicht gerade wegen der vergangenen Ereignisse ist der Reinacher GLP-Einwohnerrat und Präsident des Komitees «Pro Buch-Hain», Christoph Layer, guten Mutes, dass das Projekt dieses Mal durchkommt. «Bei der jetzigen Planung stand vor allem auch der Natur- und Landschaftsschutz im Vordergrund», erklärt er. Die Gebäude seien im Vergleich zu 2014 nur noch bis zu 17,5 Meter hoch und würden lediglich 17 Prozent der Baufläche einnehmen. Das restliche Gebiet wäre für grosszügige Grünflächen reserviert.

Dem widersprechen die Kritiker vehement. Ihnen ist der vorgebrachte Quartierplan zu umweltschädlich und die Informationen zum Projekt zu fehlerhaft. Katrin Joos, Einwohnerrätin der Grünen und Mitglied des Referendumskomitees, bemängelt, dass die auf der überbaubaren Fläche aneinander gedrängten Mehrfamilienhäuser nur wenig Raum für die Natur lassen würden. Die Bauten seien im Aussenraumkonzept falsch dargestellt: «Ein Drittel der Fläche darf wegen Waldabstandsvorschriften gar nicht überbaut werden.» Wenn man die drei Meter tiefen Holzverkleidungen rund um die Gebäude, in denen Lauben und Balkone stehen, dazurechnen würde, bliebe faktisch kein Platz mehr für Wiesen zwischen den Bauten.

Direkt bei der Waldlichtung Buechloch hängen diverse Abstimmungsempfehlungen.
Direkt bei der Waldlichtung Buechloch hängen diverse Abstimmungsempfehlungen.
Foto: Pino Covino

SP ist gespalten

Im Unterschied zu vergangenen Urnengängen geht es aktuell aber nicht um die Frage, ob gebaut werden kann, sondern wie. Denn bei einem Nein an der Urne käme aller Voraussicht nach ein vereinfachter Quartierplan zur Anwendung. Aus Sicht der Bauherren hätte dies den Vorteil, dass besagter Plan nicht referendumsfähig wäre. Wenn die Bauherren den vereinfachten Plan nicht annehmen würden, könnten sie einen neuen Quartierplan ausarbeiten oder versuchen, das Land zu verkaufen.

Für die Kritiker des Projekts wäre ein vereinfachter Quartierplan die bessere Variante: Es dürfte dann nur noch 13,5 Meter hoch gebaut werden, die Anzahl Wohnungen pro Haus wäre stärker limitiert, und die Dimension der Tiefgarage liesse sich auch reduzieren, sagt Joos.

Die Befürworter des Projekts wollen eine weitere Abstimmungsschlappe jedoch tunlichst vermeiden. Auch weil beim vereinfachten Verfahren mehr Land verbaut würde, obwohl die Gebäude etwas weniger hoch wären, wie Layer sagt. Das aktuell vorliegende Projekt sei auch aus naturschutzrechtlicher Sicht zu favorisieren.

Es wird spannend sein, zu sehen, wer am Schluss das Rennen in Reinach machen wird. Momentan sieht es aus, als könnte auf dem Buechloch nach rund 70 Jahren tatsächlich gebaut werden. Denn im Einwohnerrat wehrten sich nur die Grünen, die auch das Referendum ergriffen haben. Alle anderen Parteien sind im Pro-Komitee vertreten, wobei das Lager der Sozialdemokraten gespalten ist.

27 Kommentare
    PhL

    Die jeweils abgebildete Wiese gehört bereits zur Nachbargemeinde Therwil. Zudem ist das fragliche Grundstück keine Brache, da auf ihm aktuell eine hübsche Villa steht. Weshalb ein Gebäude das in etwa der Baumhöhe entspricht als Hochhaus bezeichnet wird, verstehe ich nicht.

    Reinach bezeichnet sich gerne aks 'Stadt vor der Sradt' aber die Distanzen sind doch eher dlrfluch. Obwohl das Grundstück am Dorfrand liegt sind es zur Teamhaltestell Lochacker bloss 500 m, das Einkaufszentrum 'Mischeli' ist noch näher, ganz zu Schwigen von den Primar und Sekundarschulen die noch näher liegen.

    Die ovale Bauform finde ich interessant und viel spannender als die häufig gebauten eintönigen kubistischen Häuser oder Mehrfamilienhäuserzeilen.

    Vor den geplanten Liegenschaften hat es den Bach und mit dem nicht bebaubaren Abstand ein kleines Gehölz.