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Leitartikel zu den Basler WahlenDiese Mischung stimmt nicht

Nach welchen Kriterien wählt, wer keiner Partei angehört? Format, Auftreten, Standfestigkeit und Gestaltungswillen sind wichtig. Und da mangelt es bei der aktuellen Regierung da und dort.

Wer soll für die nächsten vier Jahre die Geschicke des Kantons leiten? Der erste Wahlgang findet am 25. Oktober statt.

Foto: dd
Wer soll für die nächsten vier Jahre die Geschicke des Kantons leiten? Der erste Wahlgang findet am 25. Oktober statt.

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Ich bin politisch neutral, gehöre keiner Partei an und bin niemandem verpflichtet. Ich bin Basler Bürger, 58 Jahre alt, hier aufgewachsen und war nie in einem anderen Kanton wohnhaft. Ende vorletzter Woche lagen die Wahlunterlagen in meinem Briefkasten. Als Staatsbürger und überzeugter Demokrat stehe ich in der Pflicht, mich aktiv an dieser Wahl Ende Monat in den Regierungsrat zu beteiligen.

Früher war das einmal so: Ich habe mich mehrmals bei Regierungsratswahlen mehr oder weniger blindlings für den Vorschlag der SP entschieden. So einfach ist das nicht mehr.

Ich will Ihnen sagen, weshalb. Es gibt zwei Gründe: die Migrationspolitik und den Wandel der Partei. In meiner Wahrnehmung hat diese Basler SP nichts mehr mit einer Arbeiterpartei zu tun. Es ist eine SP der Gymnasiallehrer und der moralisch erhabenen Besserwisser, die leider keine abweichende Haltung ertragen, vor allem wenn es um die Ausländerinnen und Ausländer geht.

Doch ich stehe bei diesem wichtigen Thema zu meiner Meinung: Wenn über ein Drittel der Bevölkerung nicht mehr von hier ist, stimmt meines Erachtens die Mischung nicht mehr. 37 Prozent sind zu viel. So drohen unsere Werte, unsere Ideen, unsere Traditionen zu sehr verwässert zu werden. Etwa 25 Prozent aus dem Ausland Zugezogene, das wäre perfekt.

Amerikanisch statt Baseldytsch

Das sollte man sagen dürfen, und das sollte respektiert werden. Ich wohne im Gellert. Auf dem Weg zum Tram höre ich bald öfter Englisch beziehungsweise Amerikanisch als Baseldytsch. Und für mein Gefühl ist auch der Sättigungsgrad, was unsere nördlichen Nachbarn anbetrifft, erreicht. Ganz generell und unabhängig von der Herkunft: Mit 37 Prozent aus anderen Ländern und Kulturen bin ich schlicht nicht mehr glücklich hier.

Warum ich trotzdem Tanja Soland (45) und mindestens einen weiteren SP-Vertreter wählen werde: weil es mich entsetzt, wie locker und ungehemmt sich der Reichtum hierzulande in gewissen Kreisen automatisch multipliziert, während andere, die täglich hart arbeiten, mehr schlecht als recht über die Runden kommen. Wofür braucht ein Mensch oder eine Familie Milliarden auf dem Konto? Was zum Teufel kauft man sich damit?

Hier braucht es in meinen Augen ein Korrektiv. Nicht gerade nach kommunistischer Manier, aber wie bei der Ausländerzahl ein Vorgehen mit Augenmass. Wie gesagt: Zweimal SP ist zwingend. Aber sieben sollen es insgesamt sein. Wer also sind die fünf anderen? Da nur eine Mischung aus Kandidatinnen und Kandidaten aller Parteien Sinn macht, zählen für mich der Leistungsausweis und der persönliche Eindruck. Damit meine ich: Hat der zu Wählende oder hat die zu Wählende das Format für das Amt? Das Auftreten, die Standfestigkeit, die Ausstrahlung, den Gestaltungswillen?

Nach diesen Kriterien bemessen, ist für mich klar, dass ich weder Baschi Dürr noch Elisabeth Ackermann meine Stimme geben kann. Bei Dürr fehlt mir vor allem Standfestigkeit. Bei Ackermann Format und vor allem Gestaltungswille.

Eymann und Keller

Deshalb habe ich mir am Donnerstag vorletzter Woche das Podiumsgespräch mit Esther Keller und Stephanie Eymann in der Druckereihalle des Ackermannshofs angehört. Und hatte richtig Freude. Esther Keller scheint eine konkrete Vorstellung zu haben, was sie als Regierungspräsidentin anders machen würde als Ackermann. Und sie bringt für ihr Alter 36 Jahre bereits einen erstaunlichen Leistungsausweis mit. Sie kann reden, sie hat Charme, und sie hat Humor. Aber wie stehts bezüglich Lebenserfahrung und Reife für dieses schwierige, anforderungsreiche Amt? Könnte sie sich gegen eine etablierte Chefbeamtenmannschaft, die ihr womöglich alles andere als hold ist, auch durchsetzen?

Stephanie Eymann (41), da müsste ich mich schwer täuschen, hat das Format, den Gestaltungswillen und auch das notwendige sichere Auftreten. Und sie müsste ja nicht unbedingt ins Präsidialdepartement, oder? Jemand habe sie gefragt, erzählt sie mir, ob sie denn die Wahl nicht annehmen würde, wenn sie zwar gewählt würde, aber nicht als Regierungspräsidentin. Sie habe sich empört, sagt sie. Zu Recht. Was wäre denn das für ein Demokratieverständnis?

Bleiben Conradin Cramer (41) und Lukas Engelberger (45). Und bleibt vor allem Stefan Suter (56). Ja, ich denke dieser SVP-Quereinsteiger mit seiner langjährigen Erfahrung als Strafverteidiger gehört ins Rathaus. Und ja, ich denke, die beiden anderen sind der Aufgabe im Grunde gewachsen. Aber es täte beiden gut, sie würden noch mehr Kante zeigen und etwas staatsmännischer werden.

Sieben sind es

Wer jetzt aufmerksam gelesen und mitgerechnet hat, wird realisieren, dass ich meine sieben Favoriten beisammen habe. Wobei ich nicht verraten habe, welcher der beiden SP-Kandidaten bei mir Gnade findet. Lassen wir das offen. Und bei Frau Kaufmann muss ich mich entschuldigen, ich habe sie schlicht und einfach nicht auf dem Radar.

Insgesamt hat mich als normalen Stimmbürger die Basler Regierung in den letzten vier Jahren nicht überzeugt. Ich habe sie nie als Team wahrgenommen, ich sehe keine grossen Pflöcke, die sie eingeschlagen hat. Nirgends. Einigkeit demonstriert man noch am ehesten, wenn es darum geht, kritische Fragen der Journalisten abzublocken.

Ein paar alte Wirkungslose, Wegverbauer und Wankelmütige weg, ein paar Neue mit neuem Elan rein. Und endlich jemand ins Präsidialdepartement, der oder die den Willen hat, daraus wirklich das zu machen, was der Verfassungsrat einst wollte: ein Querschnittsdepartement, das die grossen Linien vorgibt. Das wärs.

37 Kommentare
    Rudi Buchmann

    Die SP Basel-Stadt tritt mit dem Slogan "modern, offen, sozial" an. Zumindest kann man sich schon fragen, was man darunter versteht. Wer ist moderner, John F. Kennedy oder Donald Trump? Jetzt werden viele Linke sagen: Kennedy. Doch ist das wirklich objektiv? Trump braucht modernste Medizin, modernste Medien, etc. etc., wieso soll dann Kennedy moderner sein? Mit anderen Worten, dieser Slogan ist äusserst subjektiv gefärbt. Wen soll man dann wählen, wenn bei smartvote die geringste Übereinstimmung mit den Spitzenkandidaten der SVP herauskommt? Ja genau, die EVP. Mit ihnen habe ich sehr viel Übereinstimmung. Aber gewählt habe ich dann doch andere. Solche, die auch selber denken. Bei der SP ist dieser Anteil auch vorhanden, jedoch nur sehr gering - ganz objektiv betrachtet.