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Food-Influencerin Diese Ernährungswissenschaftlerin begeistert Menschen weltweit

Fast 100’000 Menschen schauen hin, wenn Doris Flury aus dem Baselbiet etwas kocht oder backt. Die Influencerin spricht über den Umgang mit Social Media, das Muttersein und ihre Pläne in Basel.

Gesund soll es sein: Food-Influencerin Doris Flury zu Hause in Bottmingen bei der Arbeit.
Gesund soll es sein: Food-Influencerin Doris Flury zu Hause in Bottmingen bei der Arbeit.
Foto: Dominik Plüss 

Doris Flury wohnt in einer gepflegten Nachbarschaft in der Region Basel. Sie öffnet die Tür in Jeanshemd und schlichter Hose. «Hallo, ich bin Doris» – man ist offen, unkompliziert, per Du. Das Haus, dessen Einrichtung zwischen hochwertig stylish und gemütlich zu verorten ist, ist der Lebensmittelpunkt der 40-Jährigen. Hier wohnt und arbeitet sie.

Die drei Kinder im Alter von 4, 7 und 9 Jahren sind den ganzen Tag in einem Herbstlager, Flury hat also Zeit zu arbeiten. Sie ist auf diversen Social-Media-Plattformen präsent, seit neuestem auch auf Tiktok, wo sich vor allem jüngere User aufhalten. Ihr Content: gesund und familienfreundlich kochen und backen, Rezepte und Informationen zu Ernährung. Die in Österreich geborene Ernährungswissenschaftlerin hat unter anderem an der ETH studiert und danach im Lebensmittelbereich unter anderem in der Qualitätssicherung gearbeitet. Sie weiss, wovon sie spricht, wenn sie dazu motiviert, den Zuckerkonsum zu reduzieren oder auch mal pflanzliche Alternativen zu Milchprodukten zu verwenden.

Flury, die im Internet als «Mrs Flury» auftritt, hat 2015 mit Youtube-Videos begonnen. Das eigene Profil war damals weder auf Reichweite noch auf Profit ausgelegt, sondern eher eine Art Rezeptsammlung. «Ich koche und backe seit meiner Kindheit viel und probiere immer neue Sachen aus. In meinem Umfeld haben deshalb ständig Menschen nach meinen Rezepten gefragt. Nun konnten sie alle sehen, die interessiert waren.» Dazu gehörte eine immer grösser werdende Anzahl User. Mittlerweile hat sie 95’000 Abonnenten aus der ganzen Welt auf Youtube und fast noch einmal so viele auf Instagram.

Social Media als Beruf

Mit der steigenden Anzahl Klicks wurde das Hobby lukrativer. Firmen fragten an, ob Flury gegen Bezahlung ihre Küchengeräte vor der Kamera benutzen könnte. Bis dahin hatte ihr Equipment aus einer Schüssel, einem Schwingbesen, ein paar Kuchenformen und dem Handmixer aus ihrer Studentenzeit bestanden. Flury testet die Produkte zuerst, bevor sie sie empfiehlt. «Etwas mit meinem Gesicht und Namen bewerben, wovon ich wenig weiss oder was mich selber nicht überzeugt, das möchte ich nicht.» Sie hat es auch nicht nötig. Zu Beginn arbeitete sie noch in einem 50-Prozent-Pensum. Mittlerweile verdiene sie mit Social Media so viel, wie damals mit der Teilzeitstelle. «Nur, dass es heute ein Vollzeitjob ist», sagt sie und lacht.

Allein mit den Videos ist die Arbeit nicht getan. Die aufgebaute Community will gepflegt werden. Das Foto eines simplen Avocadobrotes mit Grillgemüse bekommt bei ihr 170 Kommentare. Dazu kommen persönliche Nachrichten und Fragen, auf die alle sie, wenn immer möglich, reagiert. «Ich schätze es als dreifache Mutter, dass ich flexibel und von daheim aus arbeiten kann. Aber die Kehrseite davon ist, dass die Arbeit halt immer präsent ist.» Wenn sie mit den Kindern Zeit verbringt, spiele das Handy aber nie die Hauptrolle, das komme dann am Abend wieder dran.

«Meine Kinder sind nicht der Content auf meinem Kanal.»

Sowieso trennt Flury Job und Privates viel deutlicher als viele Instagram-Mütter. Ganz kinderfrei ist jedoch auch ihr Kanal nicht. «Sie gehören zu mir, kochen und backen auch gern mit mir, daher sind sie auch manchmal zu sehen», sagt sie. «Aber sie sind nicht der Content, nicht das Produkt», sagt sie. «Es gibt natürlich Mütter, die gern über das Stillen oder schlaflose Nächte sprechen oder die Community bei Beziehungsproblemen um Rat bitten . Ich hätte damit aber nicht das Gefühl, einen Mehrwert zu bieten.» Dennoch werde auch sie mal online kritisiert. Manchmal, weil sie ein Rezept «falsch» dargestellt habe, manchmal aber auch wegen ihres Verhaltens. Als sie die Familie ihres Mannes in den USA besuchte, empörten sich einige darüber, dass sie trotz des Klimaproblems ein Flugzeug besteigt. «Ich bin kein perfekter Menschen, nur weil ich im Internet präsent bin», sagt sie dazu.

Ein eigenes Café in Basel

Sie freut sich aber, wenn sie Menschen inspirieren kann, bewusster und nachhaltiger zu leben. Sie nimmt beispielsweise oft das Velo, verzichtet seit ihrer Studentenzeit auf Fleisch und versucht Food Waste zu minimieren. Ein Thema, das ihre Follower besonders stark bewegt, ist eine gesunde Kinderernährung. Flury gibt dann gern Tipps wie: «Man muss das Rüebli einfach immer wieder anbieten. Bei uns stehen immer Obst und Gemüse auf dem Tisch.» Grundsätzlich sei sie aber sehr undogmatisch. «Als Ernährungswissenschaftlerin weiss ich, dass es tatsächlich bei allem auf die Dosis ankommt.» In ihren Kuchen und Desserts darf schon mal Zucker drin sein, wenn auch in reduzierter Menge. «Meine Familie ist mein Testpublikum. Die sagen mir dann, wenn etwas nicht süss genug ist.»

Den Usern scheint es zu schmecken. Viele geben positive Rückmeldungen auf die Rezepte, zudem wächst die Anzahl Follower stetig. Doch Flury will mehr. Gerade ist sie dabei, eine Linie mit eigenen Produkten zu entwickeln. So gibt es aktuell vegane Proteinpulver. In Planung sind auch gesunde Energieriegel. Und Flury möchte das Business noch mehr aus dem Internet in die reale Welt holen. «Mir schwebt ein Ort in Basel vor, wo man mich treffen und meine Produkte und Kreationen probieren und kaufen kann. So eine Art Mix aus Shop und Café.»