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FCB-SpielerverträgeDie Zeit wird knapp

Nach den bereits bestätigten Abgängen von Kuzmanovic und Bua geht es für Basels Sportchef Ruedi Zbinden nun darum, die Mannschaft über den 30. Juni hinaus und bis zum Saisonende zusammenzuhalten.

Basels Sportchef Ruedi Zbinden hat bis zum 30. Juni noch einige Aufgaben zu erledigen.
Basels Sportchef Ruedi Zbinden hat bis zum 30. Juni noch einige Aufgaben zu erledigen.
Foto: Urs Lindt (Freshfocus)

Ruedi Zbinden wollte das alles ja eigentlich gar nicht. Als es vor einem Jahr darum ging, einen Nachfolger für Marco Streller zu finden, hat man sich beim FC Basel daran erinnert, dass der Chefscout zu Zeiten von Christian Gross und Gigi Oeri schon mal Sportchef war. Nur halt ohne offiziellen Titel. Zbindens erste Reaktion lautete: «Nein, danke. Lieber nicht.» Erst als ihn mehrere Mitarbeiter darum gebeten haben, den Posten anzutreten, hat er zugesagt.

Die, die damals auf ihn zugekommen sind, haben sich wahrscheinlich gedacht: Der Ruedi, der kann das, der hat in seiner Karriere schon so viel erlebt. Und ganz ehrlich, was hätte einen wie ihn überraschen sollen, der beim FCB in den letzten fast 40 Jahren alles gemacht hat, ausser vielleicht den Bus zu fahren?

Doch dann kam Corona, dann kam ein Rekordverlust von fast 20 Millionen Franken – und plötzlich ist Zbinden in einer Situation, bei der er vor einem Jahr sicher abgesagt hätte, wenn er sie hätte kommen sehen.

Er muss jetzt Verträge um zwei Monate verlängern, weil die alte Saison, die längst hätte beendet sein sollen, weit in den August hineinragt und dann fast nahtlos in eine neue Spielzeit übergeht. Und während ihm in den letzten drei Monaten mehr oder weniger die Hände gebunden waren, eilt es plötzlich.

Der 30. Juni rückt immer näher. Zbinden läuft die Zeit davon.

Die wichtigste Personalie haben er und der FCB geklärt: Marcel Koller bleibt bis zum Ende der Saison. Und es ist bereits klar, dass neben Zdravko Kuzmanovic auch Kevin Bua den Verein in ein paar Tagen verlassen wird. Das entlastet zwar die Lohnkosten, aber plötzlich haben die Basler ein ganz anderes Problem: Sie haben kaum noch Spieler, um sich seriös mit der Meisterschaft oder der Europa League zu beschäftigen.

Das ist das Spannungsfeld, in dem sich Zbinden und der FCB gerade befinden: irgendwo zwischen finanziellen Grenzen, sportlichem Anspruchsdenken und vertraglichen Zwängen.

In den ersten zwei Spielen nach der Pause hat Arthur Cabral zwei Tore erzielt. Hat sich mit seinen insgesamt zwölf Toren nun auch sein Vertrag mit dem FCB automatisch verlängert?
In den ersten zwei Spielen nach der Pause hat Arthur Cabral zwei Tore erzielt. Hat sich mit seinen insgesamt zwölf Toren nun auch sein Vertrag mit dem FCB automatisch verlängert?
Foto: Freshfocus
Edon Zhegrova fehlt derzeit verletzt. Obwohl der Club die Option nicht gezogen hat, wollen die Basler den Flügelspieler halten.
Edon Zhegrova fehlt derzeit verletzt. Obwohl der Club die Option nicht gezogen hat, wollen die Basler den Flügelspieler halten.
Foto: Freshfocus
Als Absicherung für die kommenden zwei Monate könnte er noch bleiben. Darüber hinaus hat er aber kaum eine Zukunft beim FCB.
Als Absicherung für die kommenden zwei Monate könnte er noch bleiben. Darüber hinaus hat er aber kaum eine Zukunft beim FCB.
Foto: Freshfocus
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Im Fall von Arthur Cabral hat sich die Frage angeblich erübrigt, ob der Brasilianer nun bleibt oder nicht. Mit seinem zwölften Tor hat der Stürmer offenbar jene Marke erreicht, bei der die eingebaute Übernahmeoption automatisch aktiviert wird. Das berichten brasilianische Medien und auch Informationen dieser Zeitung. Zbinden lässt ausrichten, dass es sich dabei um falsche Angaben handle.

Rund 4,5 Millionen Euro sollen fällig sein. Das ist eine Summe, die sich die Basler im Moment eigentlich nicht leisten können. Aber als man Cabral im August verpflichtet hat, stand man wohl etwas unter Druck: Albian Ajeti war eben erst zu West Ham gewechselt, Ricky van Wolfswinkel verletzt und der FCB brauchte dringend einen Ersatz hinter Kemal Ademi – so merkwürdig das aus heutiger Sicht auch klingt.

Bei Edon Zhegrova kämpft man ebenfalls um dessen Verbleib. Die offizielle Frist hat man verstreichen lassen. Aber geschlossen ist das Kapitel nicht. Zhegrova, heisst es, würde gerne bleiben und hat zuletzt sogar seinen Agenten gewechselt. Aber in Genk rechnet man mit seiner Rückkehr. Und nach den Auftritten des 21-Jährigen dürfte es weitere Interessenten geben, die weniger auf ihre Ausgaben achten müssen als der FCB.

Bleiben noch Van Wolfswinkel, Ramires und Bergström, drei Spieler, ohne die die Basler lange Zeit durch die Saison gekommen sind. Aber ohne Zhegrova und Kuzmanovic und Bua und Van Wolfswinkel und Zuffi ist Koller plötzlich froh über jeden, der ihm für die Spiele nach dem 30. Juni noch zur Verfügung steht.

Die Basler versuchen, alle Spieler mindestens für die nächsten Wochen zu halten. Bei Van Wolfswinkel und Ramires könnte man sich sogar vorstellen, dass sie noch eine weitere Saison bleiben. Im Fall des Holländers auch zu tieferen Konditionen als bisher. Und bei Ramires wäre dessen Club aus Bahia wahrscheinlich sogar froh, wenn der 19-Jährige bleiben könnte: In Brasilien ist auf unbestimmte Zeit nicht an Fussball zu denken.

All das muss in den nächsten Tagen geklärt werden. Und dann geht es ja im Grunde direkt weiter für Zbinden und sein Team. Es könnte schliesslich sein, dass die Basler schon in wenigen Wochen einen Ersatztorhüter, zwei neue Innenverteidiger sowie ein paar Flügelspieler benötigen. Mal ganz abgesehen von einem Trainer, der das Team betreut, von dem im Moment noch völlig unklar ist, wie es in die neue Saison starten wird.