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UnternehmergesprächeDie Zeichen der Zeit erkannt

Das Baselbieter Uhrenunternehmen Grovana hält sich über Wasser – auch dank dem Verkauf von Corona-Schutzmasken.

Christopher Bitterli, CEO und Verwaltungsratspräsident des Familienunternehmens Grovana in der Baselbieter Gemeinde Tenniken.
Foto: Felix Erbacher

Das waren noch goldene Zeiten, als die Baselbieter Uhrenfabrik Grovana ihre Kunden während der Baselworld an einem doppelstöckigen Stand auf einer Fläche von 250 Quadratmetern grosszügig empfangen konnte. Inzwischen ist die Edelmesse gestorben. Aber auch wenn sie noch existieren würde, sie hätte wegen der Corona-Krise in diesem Jahr nicht stattfinden können.

Zum Glück hat Christopher Bitterli, der CEO und Verwaltungsratspräsident des Familienunternehmens, schon vor drei Jahren die Zeichen der Zeit erkannt und einen eigenen Onlineshop, Grovana.ch, aufgebaut. Ausserdem wurde jüngst ein Grovana-Shop auf Amazon.de livegeschaltet. Noch aber entfallen rund 70 Prozent des Verkaufs auf den stationären Handel und 90 Prozent auf den Export.

Im Frühjahr kam es mit Corona und dem Lockdown für die Baselbieter knüppeldick: «Wir wurden innerhalb weniger Stunden von der Pandemie betroffen. Die Auslieferungen kamen sofort zum Erliegen. Von Ende März bis Ende April ging praktisch nichts mehr», sagt er. Die Verkäufe schrumpften um 90 Prozent; der Geldfluss kam ins Stocken. Über Umsatz und Ertrag gibt Bitterli keine Auskunft. Die Liquidität sei jedoch gewährleistet, weil das Unternehmen während der letzten guten Jahre genügend Reserven habe aufbauen können. Je nach Bedarf arbeiten 30 bis 35 Mitarbeitende. Die Uhren werden von gelernten Uhrmachern in Tenniken und zum Teil auch bei Remontagepartnern im Tessin gefertigt.

Millionen Schutzmasken geliefert

Ab Mai habe sich die Lage etwas entspannt, aber von der Normalität sei man noch weit entfernt. Der Online-Handel habe sich im mittleren Preissegment, in dem Grovana tätig ist, zügiger verbessert als in anderen Preissegmenten, sagt Christopher Bitterli. «Wir hatten das Glück, dass wir Mitte Februar noch an der Inhorgenta in München teilnehmen konnten. An dieser Fachmesse für Uhren und Schmuck haben wir noch einen Teil der europäischen Kunden treffen können.» Der inländische Markt habe sich schneller erholt als der Export – wahrscheinlich, weil die Uhren in ländlichen Gegenden, wo Grovana gut vertreten ist, besser vom Ladentisch gingen als in stark vom Lockdown betroffenen touristischen Hotspots.

Und noch etwas hat geholfen: Vor allem von April bis Juni verkaufte Grovana in der Schweiz zertifizierte Hygiene- und Schutzmasken aus China. Seit Beginn der zweiten Corona-Welle habe die Nachfrage von Kantonen und Konzernen wieder etwas angezogen. Christopher Bitterli schätzt, dass er bislang rund sieben Millionen Stück liefern konnte.

Bis jetzt hat die Firma kein Personal entlassen müssen. Auf Kurzarbeit arbeitet zurzeit niemand mehr, weil der Betrieb seit Oktober wieder gut ausgelastet ist. Er hofft, dieses Niveau bis Dezember halten zu können. Zugleich wünscht er, dass ab 2021 die ersten Impfungen zur Verfügung stehen und bald wieder normale Verhältnisse einkehren können.

Der Bund habe im März und April «eine gute Arbeit» geleistet, meint der Firmenchef. Als dann aber während der Sommerzeit fast alles wieder möglich war, habe er sich schon gefragt, ob es das jetzt gewesen sei. Er habe nicht verstehen können, weshalb sich die Behörden bei der zweiten Welle anfangs so schwertaten, eine allgemeine Maskenpflicht einzuführen. Und er frage sich, ob die jüngsten Massnahmen nicht zu spät gekommen seien und es nicht restriktivere Massnahmen brauche, zum Beispiel die Beschränkung von Ansammlungen auf maximal vier Personen. Andererseits sind Reisen für sein Geschäft wichtig. Darum wünscht er sich die Abschaffung der Quarantänen. Fieberfreies Reisen mit Maske nach einem Schnelltest sollte Bitterlis Meinung nach möglich sein.