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Saisonabschluss mit BrucknerDie Wiedergeburt der Musik

Das Sinfonieorchester Basel gab erstmals nach dem Lockdown zwei Konzerte im Basler Münster.

Es wird wieder konzertiert. In reduzierter Besetzung spielte das Sinfonieorchester Basel im Basler Münster.
Es wird wieder konzertiert. In reduzierter Besetzung spielte das Sinfonieorchester Basel im Basler Münster.
Foto: Kostas Maros

Es war Abschied und Neuanfang zugleich. Zum ersten Mal seit dem Corona-Lockdown gab es in Basel wieder ein klassisches Konzert mit mehr als einer Handvoll Zuhörern. Das Sinfonieorchester Basel beendete im Münster seine Saison – mit reduzierter Besetzung und vor einem auf 240 Personen begrenzten Publikum. Rechnet man die Musikerinnen und Musiker sowie die Techniker hinzu, so kommt man auf rund 280 Personen – gerade noch erlaubt.

Obwohl die Zuschauerzahl für das Konzert auf 240 begrenzt war,  wirkte das Münster gut gefüllt.
Obwohl die Zuschauerzahl für das Konzert auf 240 begrenzt war, wirkte das Münster gut gefüllt.
Foto: Kostas Maros

Es gab zwar ein umfangreiches Sicherheitskonzept, das allerdings nur halbherzig umgesetzt wurde. So waren Atemschutzmasken empfohlen, aber nicht vorgeschrieben. Das Kirchenschiff sah weniger leer aus als erwartet, wirklich unbevölkert waren nur die Emporen. Die Abstandsregeln wurden wohl nicht überall eingehalten, aber der gute Wille war erkennbar. Möge das Virus ihn respektieren.

Bruckner-Sinfonie mit kleiner Besetzung

Aus dem ursprünglichen Programm dieses letzten Sinfoniekonzerts im Basler Münster hatten die Organisatoren die monumentale siebte Sinfonie in E-Dur von Anton Bruckner gerettet. Vor diesem spätromantischen Grosswerk spielten elf Blechbläser des Orchesters unter der Leitung ihres Chefs Ivor Bolton eine «Sonata» des Venezianers Giovanni Gabrieli – doppelchörige, klangvolle Spätrenaissance-Musik von dialogischem Charakter.

Ähnlich dialogisch legte der Geiger Sebastian Bohren seine Interpretation der Ciacona in d-Moll von Johann Sebastian Bach an – streng im Zeitmass, kontrolliert im Intonatorischen, ohne virtuosenhafte Mätzchen. Ein schönes Beispiel für die Konzentration aufs Wesentliche. Sein hochkonzentriertes Spiel machte einem die Ohren frei für das Erlebnis der Bruckner-Sinfonie.

Diese erklang in einer Kammerversion, entstanden vor gut hundert Jahren im Kreis um den Komponisten Arnold Schönberg. Dort pflegte man die Kunst der Reduktion schon aus Kostengründen; in der Basler Aufführung gaben gesundheitspolitische Argumente den Ausschlag für die Reduktion auf elf Musikerinnen und Musiker. Und das Münster erwies sich als idealer Raum für diese farbige, niemals fett klingende Werkfassung.

Harmonium und Horn

Während Bruckners Sinfonien in Aufführungen mit vollem Orchester im Münster oft dick und diffus tönten, ergab sich hier ein transparentes, geschärftes Klangbild. Mehr Struktur als Weihe. Während ganzen 65 Minuten waren neue, reizvolle Klangmischungen zu hören, etwa von Klavier, Harmonium und Horn. Klar, hat sich Bruckner den fülligen Sound und die Farben eines grossen Klangkörpers gewünscht. Aber ebenso klar war: Die weit gespannten Melodiebögen und ausgreifenden Dimensionen, die der «Organist aus Linz» so sehr liebte, bleiben auch in der Kammerversion gewahrt. Und Chefdirigent Ivor Bolton sorgte dafür, dass im Adagio-Satz etwas hymnische Feierlichkeit aufkam, für die Bruckner berühmt war und ist.

Viel musikalisches Feuer loderte im Scherzo-Satz, wenn auch die Präzision ein wenig nachliess. Im Finale wechselten sich heftige Energieschübe und zärtliche Violin-Kantilenen (zauberhaft: Nitzan Bartana) ab. Die kulturpolitische Frage, weshalb der Kanton ein grosses Orchester finanziert, das dann in einer Elfer-Formation auftritt, stellt man derzeit besser nicht. Vielleicht geht die Corona-Phase ja auch einmal vorbei.