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«Die Welt ist voller Wunder»

«Der Mensch ist göttlich»: CVP-Präsident Gerhard Pfister über die christliche Lehre und die Ordnung der Dinge.

BaZ: Herr Pfister, am Samstag reden Christoph Blocher und Bischof Vitus Huonder an einer Gedenkveranstaltung im Ranft über Bruder Klaus. Was stört Sie daran?

Am Aschermittwoch sagten Sie in einer Rede: «Bruder Klaus gehört nicht ins Albisgüetli. Deshalb muss selbst das Albisgüetli zu Bruder Klaus in den Ranft gehen. Dass der reformierte Pfarrerssohn das nicht ohne den Beistand eines konservativen katholischen Bischofs wagt, ist bemerkenswert.» Der spöttische Unterton lässt vermuten: Es stört Sie eben doch.

Das stört Sie also: dass die SVP in der Innerschweiz so viel Zulauf hat?

Das müsste Ihnen doch gefallen: Jubiläen feiern ist ja keine Staatsaufgabe.

Woher?

Weshalb sollte man sich für Bruder Klaus genieren?

Wo geschieht denn das bei Bruder Klaus?

Als Bruder Klaus das Stanser Verkommnis vermittelte, bedeutete das eine Erweiterung der Eidgenossenschaft um Fribourg und Solothurn.

Am Aschermittwoch sagten Sie in Ihrer Rede, es gebe auch heute noch Habsburger, die gegen das schweizerische Staatsmodell kämpften. An wen dachten Sie?

Wie finden Sie, dass Bruder Klaus seine Familie verliess, um als Eremit zu leben? Das kann Ihnen als CVP-Präsident nicht recht gefallen.

Was ist der Unterschied?

Gilt das auch für den Konservativismus?

Herr Pfister schon.

Herr Pfister, Sie sagten am Aschermittwoch: «Wer es ernst meint mit der Betonung der christlich geprägten Kultur des Westens, wer es ernst meint mit dem, was Bruder Klaus glaubte, der kann nicht ernsthaft Initiativen unterstützen, die die Kündigung der Menschenrechte in Kauf nimmt.» Das war eine Anspielung auf die Selbstbestimmungs-Initiative der SVP.

Inwiefern?

Sie übertreiben.

Bruder Klaus, der Unternehmensberater?

Dafür machten Sie als Politiker alles, ohne Grenzen.

Was meinen Sie, Herr Pfister? Sie sagten unlängst, es sei bemerkenswert, dass sich Menschen, die von Grenzen redeten, grenzenlos aufführten. Dachten Sie da an Herrn Blocher?

Aber?

Und Sie finden, in solchen Situationen helfe Bruder Klaus?

Bruder Klaus war ein Mystiker. Er verlor sich im Gebet, in der Suche nach Gott. Sie beide gelten als eher nüchterne Charaktere, weniger als Schwärmer. Muss Ihnen Bruder Klaus nicht fremd bleiben?

Wie meinen Sie das?

Wo zum Beispiel?

Sie lachen.

Ja?

Verlieren, um zu gewinnen, quasi.

Damit kokettieren Politiker gerne – gerade Sie, Herr Blocher. Man sagt, man wolle ein Amt gar nicht, aber man sei nun einmal gefragt worden. Sie reden immer von einem Auftrag.

Bruder Klaus wurde vor allem deshalb berühmt, weil er zwanzig Jahre nichts gegessen und getrunken haben soll. Das klingt übermenschlich, unsterblich. Glauben Sie daran?

Karl Barth sprach sich gegen die Heiligsprechung von Bruder Klaus aus.

Eine Heiligsprechung verlangt Wunder. Weil Bruder Klaus mit Wundern geizte, erteilte ihm Papst Pius XII. eine Dispens. Wie haben Sie es mit Wundern?