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Gefahren durch tiefe Zinsen Die Warnung der «Bank der Notenbanken»

In ihrem neusten Bericht warnt die in Basel ansässige Bank für Internationalen Zahlungsausgleich vor Fehlentwicklungen an den Kapitalmärkten. Diese würden sich zunehmend von der Realwirtschaft abkoppeln.

Treiber des Aktienrallys waren bisher die führenden Firmen der US-Technologiebranche: Der Nasdaq-Index in den USA erfasst den Kursverlauf dieser Unternehmen gesondert.
Treiber des Aktienrallys waren bisher die führenden Firmen der US-Technologiebranche: Der Nasdaq-Index in den USA erfasst den Kursverlauf dieser Unternehmen gesondert.
Foto: Reuters, RMF FM

Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) mit Sitz in Basel ist ein Institut der Notenbanken. Dennoch fokussiert sie in ihrer Forschung und in ihren Berichten besonders stark auf die negativen Begleiterscheinungen der ultralockeren Geldpolitik weltweit. Das gilt auch für ihren am Montagmittag veröffentlichten neusten Quartalsbericht.

Wichtigstes Thema im Bericht ist die Entwicklung an den weltweiten Aktienmärkten, aber auch an den Märkten für Unternehmensschulden. Die Entwicklung an beiden Märkten passt nach Ansicht der BIZ-Ökonomen schlecht zu den weiter vorhandenen grossen Risiken in der Realwirtschaft angesichts der noch nicht bewältigten Krise um das Coronavirus. Als zentrale Ursache dieses gefährlichen Auseinanderklaffens orten sie das weltweit extrem tiefe Zinsniveau.

Steigende Risiken an den Börsen

Für die Märkte von Unternehmensschulden zeigt der Bericht, dass die Zinsaufschläge bei Anleihen aller Schuldnerkategorien deutlich gesunken sind. Gewöhnlich wäre das bei geringeren Risiken zu erwarten. Doch die Zinsreduktionen waren bei Hochrisikoschuldnern noch stärker ausgeprägt als bei solchen mit einer besseren Bonität. Und die Verschuldung der Unternehmen ist generell erheblich gestiegen.

Bei den Aktien sind vor allem jene an den Börsen in China und den USA besonders stark angestiegen. Bereits im August hat etwa der breite US-Börsenindex S&P500 sein bisheriges Allzeithoch vom Februar übertroffen und damit die Verluste von Ende Februar bis Mitte März mehr als wettgemacht. Den Kursanstieg erachtet man bei der BIZ als riskant, weil es an realwirtschaftlichen Grundlagen fehlt, die eine derart hohe Bewertung rechtfertigen würden. Eine zentrale solche Grundlage sind die künftigen Gewinne der Unternehmen. Doch die Erwartungen für die Gewinne der Unternehmen nehmen immer mehr ab.

Als Erklärung für die Börsenkursentwicklung besonders in den USA greift die BIZ Beobachtungen auf, die jüngst an den Märkten bereits breit debattiert wurden. Im Wesentlichen werden die Kurse vom Technologiesektor in den USA getrieben und dort von den sechs führenden Unternehmen. Der Bericht nennt sie nicht beim Namen, aber gemeint sind Apple, Microsoft, Amazon, Google (unter dem Namen Alphabet), Facebook und Tesla. Insgesamt haben die Aktien dieser Firmen seit Mitte Februar um 40 Prozent zugelegt, während der Rest der im S&P500 vertretenen Firmen die Kursverluste seit damals noch immer nicht aufgeholt hat.

Auch auf die Bedeutung der Wetten über Derivate geht der Bericht ein: insbesondere der massive Einsatz sogenannter Call-Optionen, die für den Kursauftrieb aktuell eine grosse Bedeutung haben. Diese Optionen beinhalten das Recht, Aktien zu einem bestimmten Preis bis zu einem bestimmten Zeitpunkt zu kaufen. Je höher der Aktienkurs über diesen Preis steigt, desto höher die Gewinne, die mit solchen Optionen möglich sind. Bleibt der Aktienkurs aber bis zum Ablauf der Optionen unter diesem Preis, werden die Optionen wertlos.

Wie Optionen, die Kurse treiben

Wie die BIZ festhält, führt der massenhafte Kauf dieser Optionen zu einem sich noch verstärkenden Aufwärtstrieb bei den Aktienkursen. Der Grund ist, dass die Verkäufer der Call-Optionen zu ihrer eigenen Absicherung die Aktien selbst kaufen müssen. Wie die Ökonomen festhalten, besteht die Gefahr, dass sich die gleichen selbst verstärkenden Effekte auch bei einem Kurssturz zeigen werden. Die jüngste Korrektur an den Aktienmärkten wird im Bericht aber als positive Entwicklung gewertet.

Dass die Aktienkurse trotz der weltweiten Wirtschaftskrise derart stark zulegen konnten, liegt vor allem an den extrem tiefen Zinsen. Allein ohne die Zinssenkungen im laufenden Jahr hätten etwa die Aktien in den USA laut den Berechnungen der BIZ-Ökonomen nur die Hälfte dessen an Wert seit dem Tiefstand wieder gutgemacht, als dies tatsächlich geschehen ist. Allein die erwarteten noch sehr lange anhaltenden Tiefstzinsen dürfte auch ein wesentlicher Grund für den Ansturm auf die gewöhnlich riskanten Call-Optionen sein. Mit der Überzeugung, dass die Kurse ohnehin nur steigen können, scheint dieses Risiko aktuell vernachlässigbar. Das könnte sich rächen.

30 Kommentare
    Klicker Anlaufstelle

    Gute Zeit um sich mit Put Optionen ins Rennen zu stürzen. Je höher die Kurse sind, umso heftiger werden übliche Gewinn Mitnahmen der Händler. Das Buchwerte Konstrukt Börse fällt zusamnen wie ein Karten Turm, wenn mal grössere oder grosse Stillhalter Kasse machen. Dann explodieren Put Optionen in Schwindel erregende Höhen, um ebenfalls Kasse zu machen. Immer das richtige Werkzeug zur Hand, wenn Herden Tiere zappeln.