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Schweizer LeseverhaltenDie unsichtbare Macht

Schweizer Geistesleben: Wer liest was, wie viel und warum? Bevor der Bücherherbst beginnt: ein Lob des Lesens und ein Bedauern über den Zerfall der literarischen Öffentlichkeit.

Pablo Picasso liebte die Frauen – und wusste offenbar auch, was sie in ihrer Freizeit gerne tun: «Femme couchée lisant» (Lesende Frau liegend) von 1939.
Pablo Picasso liebte die Frauen – und wusste offenbar auch, was sie in ihrer Freizeit gerne tun: «Femme couchée lisant» (Lesende Frau liegend) von 1939.
© Musée Picasso Paris / Pro Litteris

Man sieht sie nicht, man hört sie nicht. Das sind die Leserinnen und Leser. Wir, du, ich, er, sie, es. Leser sind die geheimnisvollsten Menschen unter der Sonne. Es gibt zwar Statistiken über wegbrechende Leserzahlen, insbesondere bei Jugendlichen. Es gibt Studien zum Leseverhalten: Männer bevorzugen Sachbücher, Frauen mögen Romane und lesen sowieso mehr. Aber in jenes Ding, das wir die Seele nennen, dringt niemand vor. Keine Umfrage, keine Click-Zahlen, keine Marktstudie, keine Bestsellerliste, kein Big-Data-Boss. Gut so.Bücher lassen mich ahnen, wer ich bin, wie ich werden könnte – und woher ich komme. Unter jenen Neuerscheinungen, die für den Schweizer Buchpreis 2020 eingereicht wurden, finden sich auffallend viele Romane über das Leben auf dem Dorfe – so, wie es früher war. Auf dem Buchmarkt allerdings sind internationale Autoren auf dem Vormarsch. Die speziell eidgenössische Perspektive geht unter – auch in den Medien. SRF 1 und SRF 2 zum Beispiel sind in Deutschland nicht mehr zu empfangen. Die Kulturschweiz wird in Europa zum weissen Fleck.

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